Italienprojekt

Leitung:

Prof. Dr. Michael Menzel

Mitarbeiter:
  • Dr. Marianna Spano (Koordination, Berlin)
  • Yannick Weber (RI Online, Mainz)
  • Christina Abel (Heinrich VII., Saarbrücken)
  • Dr. Doris Bulach (Ludwig IV., München)
  • Dr. Jörg Feuchter (Friedrich III., Berlin)
Anschrift:

Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften

Jägerstr. 22/23

D-10117 Berlin

Telefon:

work +49(0)30-20370-239

I. Italien – zentrale Landschaft für das spätmittelalterliche Kaisertum

Nicht nur zur Zeit der Karolinger oder der Salierkönige, sondern auch im Spätmittelalter war Italien ein zentraler Aktionsraum für das römisch-deutsche König- und Kaisertum. So hielten sich Heinrich VII. von 1310 bis 1313, Ludwig IV. von 1327 bis 1330, Karl IV. mehrmals in den 1330er Jahren, 1355 sowie 1368/69 und Friedrich III. 1436, 1452 und 1468/69 in Italien auf. Für Heinrich VII. umfassten diese Jahre sogar den größten Teil seiner Regierungszeit. Er, der 1312 als erster römischer König seit Friedrich II. die Kaiserwürde erlangte, griff tief in die Politik der oberitalienischen Kommunen und Adelsherrschaften ein. Ludwig IV. wiederum erlebte hier mit seiner Kaiserkrönung und der seiner Frau Margarethe sowie der Papstabsetzung im Jahr 1328 einen der Höhepunkte seiner Konflikte mit der Kurie. Mehrfach plante er später weitere Italienzüge, ohne sie aber ausführen zu können. Dennoch stand er kontinuierlich in Kontakt mit den italienischen Großen. Auch Heinrichs Enkel, Karl IV., zog es nicht nur wegen der Kaiserwürde, sondern aus vielfältigen politischen Interessen mehrmals nach Italien, unter denen die Rückführung des Papstes von Avignon nach Rom besonders hervorsticht. Für Friedrich III. war der Romzug vor allem im Hinblick auf seine umfassend konzipierte Koalition mit Portugal und dem Haus Aragón in Neapel sowie für seine Kooperation mit Papsttum und Kurie bedeutsam. Er war der letzte Kaiser, der in Rom gekrönt wurde (1452). Zugleich ließ er sich dort mit der portugiesischen Königstochter Eleonore trauen. Nicht zu vergessen ist, dass Ludwig, Karl und Friedrich indirekt durch Tirol, der Habsburger Friedrich auch direkt durch Krain und Görz als Landesfürsten Nachbarn italienischer Herrschaftsträger wie Venedig waren. Schon deshalb sind grundlegende politische Merkmale aller vier Herrschaftsperioden ohne Italien nicht zu erklären.

Italien darf aber nicht nur aus der Perspektive der römisch-deutschen Herrscher gesehen werden; auch die umgekehrte Blickrichtung erlangt zunehmende Bedeutung: Für zahlreiche italienische Herrschaftsträger stellten die Kaiser oberste Lehnsherren und höchste Legitimationsinstanz dar, als welche sie im Zuge der agonalen Kommunikationsverdichtung immer auch politische Partei auf der Halbinsel waren oder als solche instrumentalisiert wurden. Zunehmend wichtig sind auch die über das Reich hinausgehenden europaweiten Verflechtungen der italienischen Stadt- und Adelsherrschaften, des Königreiches Neapel und natürlich des Kirchenstaates. Ebenso elementar sind die Ausgriffe europäischer Dynastien wie der Anjou, Luxemburger und Aragonesen nach Italien.

II. Erschließung der italienischen Überlieferung

Trotz dieser seit langer Zeit bekannten Beziehungen und Interdependenzen zwischen den Kaisern und den italienischen Herrschaftsträgern bleiben die Archive der Apenninenhalbinsel für die spätmittelalterliche Reichsgeschichte eine im Weiten noch zu erschließende Quelle historischer Dokumente. Im Geist des breit angelegten europäischen Zugriffs der Regesta Imperii, der das gesamte mittelalterliche Imperium mit seinen Verbindungen zu benachbarten Territorien in den Blick nimmt, soll die italienische Überlieferung gesichtet und aufgearbeitet werden. Angestrebt ist die Ermittlung der kaiserlichen Urkunden und Briefe einschließlich der Kopiale in der vielfältigen italienischen Überlieferungslandschaft, zu der staatliche, kommunale, kirchliche und private Archiven sowie Bibliotheken gehören.

Im Rahmen der drei spätmittelalterlichen RI-Teilprojekte zu Heinrich VII., Ludwig IV. und Friedrich III. ist 2016 begonnen worden, die Archivalien in gemeinschaftlichem Vorgehen zu erheben. Ziel ist dabei, die bislang meist separat durchgeführten Recherchen zu bündeln und in einer konzentrierten Aktion für alle Projekte gemeinsam durchzuführen, um mehrfache Reisen und Erschließung derselben Archivbestände zu vermeiden und so Synergieeffekte zu nutzen. Schwerpunktmäßig sollen dabei die für alle Teilprojekte besonders ertragreichen Überlieferungskomplexe identifiziert und von diesen „Leuchttürmen“ ausgehend die gemeinsame Rechercheaktion auf die relevante lokale Überlieferungslandschaft ausgeweitet werden. Dabei sammeln alle MitarbeiterInnen bei ihren Archivbesuchen Material für alle vier Kaiser und stellen es den anderen Teilprojekten zur Verfügung. Die enge Verzahnung der Recherchen wird durch eine Koordinationsstelle und eine gemeinsame Spätmittelalterdatenbank gewährleistet. Eine besondere Rolle kommt der umfangreichen, fast 200.000 Titel umfassenden Spezialbibliographie zu Italien des RI OPACs zu, die mit der Spätmittelalterdatenbank verknüpft ist.

Neben Ligurien und dem Staatsarchiv Turin, die besondere Relevanz für die Regesten Heinrichs VII. haben, soll in einer ersten Phase mit den beiden Regionen Lombardei und Toskana als Pilotprojekt für die gemeinsamen Recherchen begonnen werden. Diese Regionen dienen sich nicht nur aus forschungspraktischer Perspektive an. Die Lombardei ist mit dem geographisch zentralen Mailand besonders geeignet, die schwerpunktmäßige Erschließung der Archive vom Zentrum in die Peripherie zu testen und bietet aufgrund bestehender Kooperationen beste Voraussetzungen, mit Forschern vor Ort zusammenzuarbeiten. Darüber hinaus ist die Region mit Mailand und Mantua auch historisch und bezüglich der heutigen Überlieferung relevant für alle Projekte, beispielsweise das kontinuierliche Verhältnis der Herrscher zu den Visconti und Sforza (Mailand) und den Gonzaga (Mantua) betreffend. Die Toskana bietet sich aus den gleichen Gründen an, da sämtliche Herrscher hier intensiv agierten.

III. Projektpartner

Beteiligt an dem Unternehmen sind die Arbeitsstelle Heinrich VII. in Saarbrücken, die nach Aufarbeitung aller deutschsprachigen Archive auf die italienische Überlieferung fokussiert ist, die Arbeitsstelle Ludwig IV. in München und die Arbeitsstelle Friedrich III. an der BBAW, die 2017 in die gemeinsame Recherche eingestiegen sind. Als Projektpartner konnten die MGH Constitutiones zu Kaiser Karl IV. an der BBAW gewonnen werden, mit deren Hilfe und aus deren Material schon seit über einem Jahrzehnt die Regesten Karls IV. aktualisiert werden. Eine enge Zusammenarbeit besteht zudem ebenfalls zwischen dem Teilprojekt der RI Ludwig IV. und den MGH Constitutiones zu den Urkunden Ludwigs IV., was sich im Austausch von Urkundenscans, Transkriptionen Regesten und Literatur niederschlägt. Eine gemeinsam von allen beteiligten Institutionen unterhaltene Koordinationsstelle plant die Archivarbeiten und die Zusammenarbeit mit italienischen Partnerinstitutionen. Weiterhin arbeitet das Italienprojekt eng mit KollegInnen und Institutionen europaweit zusammen, um von deren Know-how zu profitieren, aber auch, um die Arbeitsergebnisse der RI der internationalen Mediävistik zugänglich zu machen. Dazu zählen neben vielen italienischen WissenschaftlerInnen und Institutionen das DHI Rom, die Universität Luxemburg sowie die MGH in München.

Zu den Projektpartnern

IV. Publikationen

Die Publikation der Ergebnisse wird im Rahmen der jeweiligen Reihen der Projekte in dem bekannten Heftformat erfolgen. Während die Regesten Ludwigs IV. und Friedrichs III. seit Beginn der Projekte Provenienzhefte vorlegen, wird bei Heinrich VII. chronologisch vorgegangen. Um der Forschung trotzdem nicht erst nach Aufarbeitung aller Archive die Heinriciana zu präsentieren, werden nach Aufarbeitung jeder italienischer Archivregion jeweilige Regestenhefte zusätzlich zu der chronologischen Veröffentlichung im Druck online als work in progress publiziert.