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[Regesta Habsburgica 3] Friedrich der Schöne (1314-1330)

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Hzg. Leopold, der in der Nacht auf den 15. Nov. mit einem mehrere tausend Mann starken Heere von Zug aufgebrochen und auf der Straße über Aegeri längs des Aegerisees gegen die Schwyzer Grenze vorgerückt war, um über Schornen und Sattel überraschend in Schwyz einzufallen, wird von den Schwyzern und ihnen zu Hilfe geeilten Verstärkungen aus Uri »am Morgarten« überfallen und erleidet infolge der für ihn äußerst ungünstigen Terrainverhältnisse, die eine Entwicklung seiner Reiterei vollkommen unmöglich machen, eine vernichtende Niederlage. Mehrere Hundert Adelige mit ihren Reisigen kommen im Kampfe oder auf der Flacht um, das Fußvolk Leopolds flieht ohne in den Kampf eingreifen zu können. Der Herzog selbst entkommt mit knapper Not auf einem Seitenpfade. Auf die Nachricht von Leopolds Niederlage tritt auch Otto von Straßberg, der am selben Tage über den Brünig in Unterwalden eingefallen war, schleunigst wieder den Rückzug an. — Hauptquellen: Joh. v. Winterthur ed. Wyss 71 ff. Matthias Nuewenburg. Böhmer Fontes 4, 189. Johannes Victor. ed. Schneider 70 u. 108 f. Königssaaler Geschqu. i. Fontes rer. Austr. I/8, 370. Henne Klingenberger Chronik 50. Sämtliche Quellen, einschließlich der wegen ihrer Angaben über die Gefallenen wichtigen Eintragungen in den Jahrzeitbüchern, sind gesammelt und abgedruckt b. Liebenau, Berichte ü. d. Schlacht a. Morgarten i. Mitt. d. histor. Ver. Schwiz, 3, 23 ff., die des 14. und 15. Jhts. mit einigen Ergänzungen auch abgedruckt bei Oechsli Anfänge Reg. 206* ff. Die Schlacht hat seit Tschudis Zeiten begreiflicherweise lebhaftestes Interesse gefunden und die Literatur über sie ist ganz bedeutend angeschwollen (über die Literatur sind zu vgl. Liebenau a. a. O. 13, Dändliker, Gesch. d. Schweiz 1, 396, Dierauer, Gesch. d. Eidgenossenschft. 1, 125 u. jüngst Büchi i. Histor. Jahrbch. 27, 409 f., sowie Sidler, Die Schlacht am Morgarten 9 ff.), insbesondere hat die Frage nach der Lage des Schlachtfeldes eine lebhafte Kontroverse hervorgerufen, die von Historikern und Militärschriftstellern geführt wurde. Der älteren, schon von Joh. v. Müller, Gesch. d. Schweizer Eidgenossenschaft 2, 37 ff. und Zurlauben Tableaux topographiques etc. de la Suisse 2, 333 vertretenen Ansicht, wonach die Schlacht an der Figlenfluh unmittelbar an der Schwyzer Grenze, ungefähr 1 km vom Südufer des Sees entfernt, stattgefunden habe, sind seit Kopp (Reichsgesch. 4/2, 144 ff.) die meisten neuern Historiker, so Dierauer a. a. O., Meyer v. Knonau (Anz. f. Schweiz. Gesch. 1883, 181) und Oechsli a. a. O. 349 gefolgt. Neuerdings haben sich für die zuerst von Ithen, Ortsbestimmung der Schlacht am Morgarten i. Schweiz. Geschichtsforsch. 2, 364, vertretene Ansicht, die das Schlachtfeld an das Seeufer selbst auf Zuger Gebiet in die Gegend von Haselmatt verlegt, H. Herzog, Zur Schlacht am Morgarten Schweiz. Monatschrift f. Offiziere aller Waffen 1906 und Delbrück Gesch. d. Kriegskunst 3, 568 ff. ausgesprochen. Der Streit wurde durch die Rivalität zwischen Zug und Schwyz verschärft, die anläßlich der Frage der Errichtung eines Denkmals zur Erinnerung an den Sieg entbrannte. Diesem Streite verdanken die Arbeiten von Hürlimann, Beiträge z. Bestimmung des Schlachtfeldes a. Morgarten, Zuger Neujahrsbl. f. d. J. 1906, die für den Zuger Standpunkt und die Arbeiten von Styger, Die Schlacht a. Morgarten 1315 (1905), sowie das gründliche Buch von Sidler, Die Schlacht am Morgarten (1910), die für Schwyz eintreten, ihr Entstehen. Das Denkmal wurde 1907 tatsächlich auf Zuger Boden errichtet. Wiewohl Sidler bei Benutzung der chronikalischen Quellen bisweilen es an der erforderlichen Kritik fehlen läßt (vgl. die Besprechungen von Büchi Histor. Jahrb. 31, 877 u. Baltzer Mitt. d. Inst. f. österr. G. 33, 155) und auch gegen manche seiner sonstigen Ausführungen berechtigte Einwendungen erhoben werden können, glaube ich doch (gegen Baltzer), daß seine auf einer minutiösen topographischen und geographischen Forschung sowie genauen Lokalkenntnisse basierte Behauptung, die Schlacht habe sich zwischen der Finsternfluh und dem jenseits der Schwyzer Grenze gelegenen Hagegglirücken abgespielt, richtig ist, da die auf dieser Strecke vielfach, besonders an der Figlenfluh, von der die Eidgenossen sehr wohl Steine und Baumstämme auf die Reiter herabzurollen vermochten, fast engpaßartig eingeengte alte Straße mir am besten die katastrophale Niederlage Leopolds zu erklären scheint. Seine Auffassung erscheint mir auch mit den chronikalischen Berichten, soweit sie überhaupt herangezogen werden können, wohl vereinbar. Die steilen, felsdurchsetzten Abhänge zur Linken und das sumpfige, wie Sidler sehr wahrscheinlich macht, mit kleinen Seen oder Teichen erfüllte Gelände zur Rechten der Straße hemmte nicht nur jede Bewegungsfreiheit der Reiterei, sondern gestaltete auch ein Entkommen sehr schwierig. Die Annahme Sidlers, daß der Angriff erst begann, als die Spitze der Ritter Leopolds beim s. g. Schrannengäßchen angelangt war und somit der größte Teil der Reiterei in das enge Defilee eingerückt war, aus dem ihr der Rückzug durch das Vorbrechen der Schwyzer an der Enge am Eingang des Defilees an der Finsternfluh abgeschnitten wurde, scheint mir umso berechtigter, als bei der Annahme, der Angriff der Eidgenossen sei in der Gegend von Haselmatt am See erfolgt, die Niederlage wohl kaum diesen Umfang hätte annehmen können, da hier, abgesehen von einer immerhin wesentlich größeren Bewegungsfreiheit, ein großer Teil der Reiterei in der Lage gewesen wäre, sich unversehrt zurückzuziehen. — Über die Bedeutung der Schlacht vgl. neben der oben zitierten Literatur neuerdings auch Dürr, Über die Bedeutg. d. Schl. a. Morgarten i. Anzeiger f. schweiz. Gesch. 48 (1917), 157 ff.

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Empfohlene Zitierweise

[Regesta Habsburgica 3] n. 350, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1315-11-15_2_0_7_0_0_350_350
(Abgerufen am 21.02.2020).