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[RI VII] Ludwig der Bayer (1314-1347) - [RI VII] H. 8

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Kg. Ludwig und Kg. Friedrich erklären, dass sie sich der chirchen zuo Rome ze eren, des romische[n] riche ze fruom und der heiligen cristenheit ze fride und ze schirm nach gelehrter Leute, Pfaffen und Laien, Rat miteinander verainet und verbunden haben: (1) beide sollen als erwählte und geweihte Kgg. im römische Reich mit allen seinen Würden, Ehren, Rechten, Leuten, Gütern und Zubehör als ein person handeln, einander in jeder Weise unterstützen, gleiche Ehren genießen ze strazzen, ze chirchen und an aller stat und sich bede romische chunige und merer des riches schriben und nennen, sich gegenseitig im Schriftverkehr Bruder nennen und den Namen des anderen voranstellen, sich in gemeinsamen hantvest[en] oder Briefen abwechselnd, der heute, der morgen, an erster Stelle nennen; Entscheidungen, die einer in Abwesenheit des anderen trifft, sollen immer im Namen von beiden erfolgen, und sie sollen sich zwei neue gleiche Siegel anfertigen lassen mit beiden Namen, wobei jeweils der des anderen voranstehen soll, unde sullen die insigel glicher groezze, forme und buochstab sein; (2) große Reichslehen, wie Königreiche, Fürstentümer oder Grafschaften sollen sie gemeinsam verleihen, kleinere weltliche und geistliche – probestey, chirchen – jeder allein unter Anerkennung durch den anderen, wobei der Lehenseid beiden geschworen werden soll; (3) Veräußerung von dez riches stete, buerg, vestn, herschaft, lant und laeute oder wichtige Regierungshandlungen sollen von beiden vorgenommen werden; (4) bei einem Zug in die Welschen Lande [Italien] sollen sie sich gegenseitig Vollmacht geben; (5) jeder soll die vom anderen getroffenen Entscheidungen mit seinen briefn bestätigen; (6) ihre Verfügungen über geistliche und weltliche Sachen sind weiterhin gültig, ez sei danne, daz wir mit gemainem rat und willen dem riche daz gebezzern moegn; insbesondere gilt das für die von Ludwig seinem Sohn Markgraf Ludwig von Brandenburg und seinem Schwiegersohn Markgraf [Friedrich II.] von Meißen erteilten Belehnungen; (7) von beiden veräußerte Reichsgüter, verpfändete oder verliehene Güter bleiben den derzeitigen Besitzern; (8) sie erklären, dass das Reichsgut des einen auch dem anderen gehören soll und der Treueid ihnen beiden zu leisten ist; gegen Ungehorsame sollen sie gemeinsam vorgehen; (9) sie sollen ein ungeteiltes Hofgericht haben, wobei die Hofrichter und Hofschreiber abwechselnd halb- oder vierteljährlich bei einem von beiden sich befinden; ein vor dem einen begonnener Prozeß kann vor dem anderen beendigt werden. Die bisher zwischen ihren Anhängern gefällten Urteile sollen gültig bleiben, hingegen die jeweils von einem gefällten Urteile gegen Anhänger des anderen ungültig; (10) beide Könige sollen in allen Dingen überall und gegen jedermann gleiche Gewalt haben und sich gegen jeden, der gegen sie mit geistlichen oder wertlichen sachen, ez sei pfaffe oder leye, […] dem riche zuo geverde oder ze schaden vorgehe, wie ein Mann zur Wehr setzen; (11) sie versprechen bei den von ihnen unter Gegenwart ihrer Beichtväter geschworenen Eiden1, alle diese Vereinbarungen einzuhalten und die Ehre und das Gut des Reiches zu wahren; (12) sie erklären, dass die Besiegelung der Urkunde mit ihren bisherigen Siegeln, eine Neuausfertigung jedoch mit unsern niwen insigeln, als si schirest gegraben werdent, erfolgen wird.

Originaldatierung:
geben zvo Munchen an dem pfintztag vor vnser Vrowen tag, als si geborn wart, 1325, r.a. 116.
Zeugen:
Graf Berthold [VII.] von Henneberg[-Schleu-singen], Burggraf Friedrich [IV.] von Nürnberg, Konrad von Gundelfingen, Deutschordensmeister in deutschen Landen, Hermann von Lichtenberg2, Kanzler [Ludwigs], Meister Ulrich Wild3, oberster Schreiber Ludwigs, Dietrich von Pillichsdorf4, [Jo]hann Truchseß von Diessenhofen, Weichand von Trausnitz5, Prior Konrad [der Augustinereremiten] in München und Prior Gottfried [des Kartäuserklosters] Allerheiligental in Mauerbach, Beichtväter [der Könige].

Überlieferung/Literatur

Orig. Perg. dt. im HHStA Wien, AUR sub dato; S1: Königssiegel (Posse, Siegel 1 Tf. 50, 5) an Pressel; S2: Königssiegel (Posse, Siegel 1 Tf. 53,5) an Pressel. – Abschrift 16. Jh. im Steiermärkischen LA Graz, AUR 1938. – Kopialbuch 16. Jh. in der ÖNB Wien, Hs. 9078 fol. 33v-35r. – Abschrift des Innsbrucker Hofkanzlers Mathias Burcklechner von 1624 in der UnivB Innsbruck, Hs. 805 (Beschreibung der gefürsteten Graffschaft Tyrol) fol. 145r-149r bzw. 820 fol. 113v-116v. – Abschrift 17. Jh. im HHStA Wien, Hs. W 62 fol. 596v-597v. – Kopialbuch 18. Jh. ebd., Hs. W 43/3 pag. 975-981 (= fol. 520r-523r) Nr. 294. – Kopialbuch 18. Jh. ebd., Hs. W 55/2 fol. 78v-79v. – Kopialbuch 18. Jh. in der Stiftsbibliothek Göttweig, Hs. 757 (rot) S. 15-21 Nr. 9. – Ergibt sich auch aus: Ain vertrag zwischen künig Ludwigen vnd künig Fridrichen, rö. Künigen, vnnder irer mt. anhangenden innsigeln von wegen irer gleichförmigen regierung im römischen reich, vnd sy sollen mitainander als ain person regiern vnnd ire brief vnnder ir baider namen vnd innsigl fertigen vnd von welichem der brief ausgeet, der sol seinen namen vnd insigel in denselben brief fürsezen. Dat. Münichen vor Nativitate Maria, diz ist nur ain abschrift, aber der original brief ligt zu der Newenstatt. 1325 (überarbeitetes und erweitertes Urkundenrepertorium von Rösch-Kribel-Fink von 1540/1600 des von Wilhelm Putsch 1520 angelegten Schatzarchivrepertoriums (ebd., Rep. 368-373) im TLA Innsbruck, Rep. 5 S. 6 und Rep. 372 S. 446). – Regest dt. in den Annales historici (ca. 1580) des Reichard Strein (1537-1600), Freiherr von Schwarzenau, in der Landesbibliothek Linz, Hs. 496 pag. 298v. – Regest dt. in der Kopie von 1726 der Annales historici des Reichard Strein (1537-1600), Freiherr von Schwarzenau, im OÖLA Linz, Sammlung Hoheneck Hs. 8 pag. 344 (aus Druck bei Cuspinian).

Cuspinian, Austria (Frankfurt a. Main 1601) S. 46. – Roo, Annales (1592) S. 96 (Auszug in lat. Übersetzung). – Herwart, Ludovicus S. 321 (lat. Übersetzung). – Roo, Annales (1621) S. 92 (Auszug). – Limnäus, Jus (1629) 2 S. 9 (lat. Übersetzung). – Lambeck, Diarium S. 260. – Fugger, Spiegel S. 295ff. (mit Siegelabbildung). – Limnäus, Jus (1699) lib. 2, cap. 2 Nr. 5 (lat. Übersetzung). – Lünig, Reichsarchiv 5/2 S. 1. – Goldast, Reichssatzungen 1 S. 147. – Dumont, Corps diplomatique 1b S. 80 (lat. Übersetzung). – Duellius, Fridericus pulcher S. 50 Nr. IX (mit lat. Übersetzung). – Baumann, Voluntarium (1733) S. 20ff. (mit lat. Übersetzung). – Bartenstein, Beantwortung, Beilage S. 96 Nr. 61. – Wideburg, Examen S. 68 Nr. II (lat. Übersetzung). – Ludewig, Germania princeps 2 S. 1135. – Olenschlager, Staatsgeschichte, Urkundenbuch S. 138 Nr. 50. – Lipowsky, Ludwig S. 305-311 (lat. Übersetzung). – Kurz, Friedrich S. 489, Beilage Nr. 27. – Riedel, Cod. dipl. Brandenb. 2/2 S. 28 Nr. 629 (Auszug). – MGH Const 6/1 S. 72 Nr. 105 (aus A).

Georgisch, Regesta 2 S. 351. – Lichnowsky, Habsburg S. 393 Nr. 687. – Böhmer, RI S. 49 Nr. 839, S. 177 Nr. 211. – Kopp, Geschichte 5/1 S. 197ff. – Stillfried-Maercker, Monumenta Zollerana 2 S. 390 Nr. 600. – Erben, Berthold von Tuttlingen S. 151 Nr. 733. – Gross, Reg. Habsburg S. 197 Nr. 1586. – Bansa, Studien S. 157 (Schreiber H 18). – Reg.LdB 7 S. 102 Nr. 234.

Anmerkungen

  1. 1Vgl. MGH Const. 6/1 S. 69 Nr. 101 (zu 1325 [September 1]).
  2. 2Zu diesem Bansa a.a.O. S. 227ff.
  3. 3Zu dem Protonotar Bansa a.a.O. S. 239ff.
  4. 4Zu dem Hof- und Landmarschall König Friedrichs Friess, Pillichsdorf.
  5. 5Zu dem Hauptmann in Oberbayern Sprinkart, Kanzlei S. 210-216.
  6. 6Zum Münchener Vertrag Döbner, Auseinandersetzung S. 42ff; Friedensburg, Ludwig S. 47ff; Müller, Kampf 1 S. 120f; Preger, Verträge S. 106f; Priesack, Reichspolitik S. 178ff; Lhotzky, Geschichte S. 290f; Homann, Kurkolleg S. 217-225; Thomas, Ludwig S. 173; Baum, Reichsgewalt S. 94; Pauler, Friedrich; Niederstätter, Herrschaft S. 128f; Heckmann, Doppelkönigtum. – Vgl. auch die im StadtA München (A I a (Privilegien) Nr. 211) liegende Urkunde Friedrichs des Schönen von 1325 September 1, in der er im Falle von Ludwigs Abwesenheit oder Tod die Pflege für seine Gemahlin Margarete, ihre Kinder, Lande, Leute und Güter zu übernehmen verspricht (MGH Const 6 S. 70 Nr. 102; Gross, Reg. Habsburg S. 195 Nr. 1578).
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Empfohlene Zitierweise

[RI VII] H. 8 n. 107, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1325-09-05_1_0_7_8_0_107_107
(Abgerufen am 22.08.2018).