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RI VI Rudolf I. - Heinrich VII. (1273-1313) - RI VI,4,2

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König Heinrich verkündet [1], er habe auf Klage der Brüder Herzog Friedrich von Österreich und Herzog Leopold [I.], seiner Fürsten, mit Recht und Gesamturteil den Herzog Johann von Österreich, Sohn des verstorbenen Herzogs Rudolf von Österreich, die Adligen Rudolf [III.] von Wart, Rudolf [II.] von Balm und Walther [IV.] von Eschenbach sowie den Ritter Konrad von Tegerfelden wegen des Mordes an seinem Vorgänger König Albrecht verurteilt. Er habe ihnen ihre Rechte (ê unde reht) genommen sowie ihre Lehen für heimgefallen, ihre Ehefrauen zu Witwen und ihre Kinder zu Weisen erklärt. Er verbietet ihren Freunden den Kontakt und gibt sie ihren Feinden preis (wir verbieten si iren fruenden unde erlouben si iren vienden). Er nimmt ihnen alle Rechte, die Semperfreien und unbescholtenen Leuten zustehen, und läßt ihnen ihr Leben, bis sie ihre Schuld abgetragen haben, wegen der Barmherzigkeit, die ihm selbst von Gott zuteil wurde. [2] Nach schriftlichen Kaiserrecht und mit Gesamturteil werde den Geächteten jede Veränderung an ihren Leuten und Gütern, sei es durch Verkauf, Verpfändung oder auf andere Weise, verboten, weil diese rechtmäßig ans Reich gefallen seien, seit sie miteinander oder einzeln den Mord geplant hätten. [3] Wer die Geächteten seit der Ermordung König Albrechts in Kenntnis des Mordes beherbergt habe, sei der gleichen Strafe verfallen. – Alle [!] vorstehenden Urteile seien nach schriftlichem Kaiserrecht gefällt worden. – Wir Heinrich [...] kunden unde veriehen [!] offenlich.

Originaldatierung:
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Überlieferung/Literatur

*Original (Pergament, Königssiegel an Pergamentstreifen) Bern, StaatsA, Fach Oberamt, mit Rückschriften; Vidimus des Erzbischofs Konrad von Salzburg, des Abtes Rudpert von St. Peter in Salzburg und des Salzburger Dompropstes Friedrich vom 18. Januar 1310 , Wien, HHStA, A.U.R. 1309 IX 17; Abschrift von ca. 1570 im Chronicon Helveticum des Aegidius Tschudi († 1572), Neufassung der Reinschrift S. 429 aus dem Original, Zürich, Zentralbibliothek, Ms. A 60r; Abschrift des 16. Jh. mit Marginalien von Ägidius Tschudi, Schwyz, StaatsA, Urk. Nr. 45; Abschrift des 17. Jh. im Dokumentenbuch der Aargauischen Städte und Landschaften, Aargau, StaatsA, Nr. 1778, S. 1–3; Abschrift des 18. Jh., St. Paul im Lavanttal, Stiftsarchiv, St. Paul 61/2 fol. 131r; Abschriften des 18. Jh. in den Nachlässen von Johann Jakob Scheuchzer (1672–1733), Dipl., fol. 902 und Erhard Dürsteler (1678–1766), Anhang zum Geschlechterbuch V, S. 234, Zürich, Zentralbibliothek, Handschriftenabteilung Mss. K 16 und E 29.

Drucke: Herrgott, Genealogia Habsburgica 2 (1737) S. 592 Nr. 703 aus Scheuchzer; Kurz, Österreich, S. 419f. Beylage Nr. 5 aus dem Vidimus; Boretius, MGH LL 2, (1837) S. 497 nach Kurz; Fontes rerum Bernensium 4, S. 374f. Nr. 346 aus dem Original; Thommen, Urkunden 1, S. 112f. Nr. 192 aus dem Vidimus; Schwalm, MGH Const. 4, S. 281f. Nr. 323 aus dem Original; UB Zürich 8 S. 262f. Nr. 2996 aus dem Vidimus; Stettler, Tschudi, Chronicon Helveticum 3 (1980) S. 274f.

Regesten: Böhmer (1831) Nr. 5250; von Lichnowsky, LB 3, Nr. 37; Böhmer, Heinrich VII., Nr. 165; Schiess/Meyer, Quellenwerk Eidgenossenschaft 1, 2, Nr. 507; Rödel, Königs- und Hofgericht 1292–1313 (1992) Nr. 428.

Kommentar

Intitulatio-Beginn mit Wir gilt in deutschsprachigen Diplomen als üblich; Vancsa, Erstes Auftreten (1895) S. 90. Die Verwendung der deutschen Sprache für diese Urkunde wird ebd. S. 70 auf die Hofgerichtskanzlei radiziert. – Die Wiedergabe von gesammenter urteil mit »Gesamturteil« schließt an die Praxis der »Urkundenregesten zur Tätigkeit des deutschen Königs- und Hofgerichts« an, wie sie für unser Stück bei Rödel a.a.O. greifbar ist. Gemeint ist das »durch Sammeln der Stimmen entstandene / durch gemeinschaftliche Abstimmung« gefundene Urteil; vgl. DRW 4 (1938–1951) Sp. 409 unter I.1.a mit ebd. 11 (2003–2007) Sp. 1507 § V. – Der Hinweis alse lange, alse si verschult hant am Ende von § 1 klingt an Mt 18, 30 (donec redderet debitum) an. – Mit dem schriftlichen Kaiserrecht ist die Lex Julia de crimine laesae maiestatis gemeint; Schubert, König und Reich (1979) S. 140. – Einen mittelhochdeutschen Auszug teilt mit und übersetzt Niederstädter, Herrschaft Österreich 1278–1411 (2001) S. 117 und betont, Herzog Leopold habe mit der Verfolgung der Mörder schon vorher begonnen, nämlich gleich nach Zusicherung königlichen Schutzes durch Elekt Heinrich VII.: oben Nr. 6 vom 30. November 1308. – Konrad von Tegerfelden scheint hier erstmals als Mittäter erwähnt zu sein; Hessel, Albrecht I. (1931) S. 223 Fn. 4. Er fehlt unter den Königsmördern bei Franziska Hälg-Steffen, Albrecht I. (in: HLS 1, 2002, S. 170) Sp. 2, wie denn auch Lhotsky, Österreich 1281–1358 (1967) S. 158 ihn nur als untätigen »Mordgefährten« des Johann Parricida einbezieht. – Ein weiteres Urteil Heinrichs VII. könnte aus der Restitutionsurkunde König Karls IV. für Rudolf III. von Warts gleichnamigen Sohn erschlossen werden; denn hier wird unterstellt, auch Rudolfs III. Brüder seien wegen Majestätsverbrechens verurteilt worden, und zwar durch Kaiser [!] Heinrich; Kühn, MGH Const. 10, S. 359 in Nr. 471 von [1352 vor Oktober 17/18]. Da hier nicht ausdrücklich von einer Urkunde die Rede ist, darf der Kaisertitel für den Großvater des Ausstellers als pauschale Kennung verstanden werden, nicht als Reflex einer chronologisch fixierten Intitulatio. Entfällt damit eine Datierung dieses Separaturteils nach der Kaiserweihe vom 29. Juni 1312, so ist auch die besondere Erwähnung mitverurteilter Brüder kaum ein Grund, ein separates Urteil gegen Rudolf III. von Wart und seine Brüder anzunehmen. Immerhin weiß man von Rudolfs III. Bruder Jakob (1272–1331), daß er trotz Zerstörung auch seiner Burg bereits 1311 »Schiedrichter im Schwyzer Marchenstreit« war und auch sonst geschäftsfähig blieb; vgl. Chronica Iohannis Vitodurani zu ca. [1308/09], ed. von Baethgen/Brun (1924) S. 52 Z. 28–30, mit P. Kläui in: Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz 7 (1934) S. 420.

Nachträge

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Empfohlene Zitierweise

RI VI,4,2 n. 298, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/f47ec2f3-8ea9-4432-9706-972602046195
(Abgerufen am 25.04.2019).