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RI VI Rudolf I. - Heinrich VII. (1273-1313) - RI VI,4,2

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König Heinrich teilt Kapitan, Podestà, Anzianen, Kommune und Volk von Mantua mit, [1] er verfolge aufmerksam, daß Römische Kirche und Apostolischer Stuhl derzeit seine Wünsche vielfach begünstigen und ihn erhöhen. Deshalb wache er engagiert mit königlicher Fürsorge darüber, daß diese Kirche unter seiner Herrschaft in Frieden gedeihe und ihm nicht deshalb Sorgen bereite, weil sie von außen beeinträchtigt werde. [2] Freilich habe Heinrich neulich gehört, daß Doge P[eter] Gradenigo (wir [!] egregius P. Gradonico dux) sowie Rat und Kommune der Venezianer Stadt und Bürger von Ferrara mit Bewaffneten und Kriegsmaschinen (machinis et instrumentis) angegriffen hätten, wobei sie die angrenzende Thedald-Burg, die Vorstadt, die Brücke und den Turm besetzt und die Stadt selbst unterjocht hätten (sui servituti subiciendo [!]), und zwar in Mißachtung der Rechte Papst Clemens’ [V.], des Apostolischen Stuhls und der Römischen Kirche sowie mit vielen blutigen Opfern. [3] In königlicher Fürsorge sowie als Vogt und vornehmster Verteidiger der (Römischen) Kirche befiehlt Heinrich mit königlicher Autorität, den Gesandten des Apostolischen Stuhls und den Bürgern Ferraras gegen ihre venezianischen Gegner mit Mannschaften, Geräten und auf alle ihnen mögliche Weise zu Wasser und zu Lande so zu helfen, daß die Stadt (Ferrara) und die Leute der Römischen Kirche sowie Vesten und Land sich dort von unrechter Herrschaft schnell befreien und unter ihre [bisherige] angenehme Herrschaft zurückkehren können. [4] So werden (die Mantuaner) sich Gottes Lohn, ganz besondere Gunst der (Römischen) Kirche und der Königs höchstes Wohlwollen verschaffen. [5] Auch für seine anderen Anliegen beglaubigt Heinrich seine Gesandten, den Doktor der Rechte Magister Bassiano [dei Guaschi] sowie die Ritter Ugolino da Vicchio und Johannes von Kayl (magistrum Bassyanum doctorem legum, Hugelynum de Wick et Iohannem de Kyl milites). – Sensimus et diligenter attendimus.

Originaldatierung:
dat. Spyre klnd. Septembr.

Überlieferung/Literatur

*Original (Pergament, rückseitig Spuren eines ehemals aufgedrückten Siegels) Mantua, AS, B I Nr. 17 mit Adresse von gleicher Hand Prudentibus viris .. capitaneo, .. potestati, .. ancyanis, .. conmuni et populo Mantuanis, nostris et imperii fidelibus dilectis.

Drucke: Winkelmann, Acta Imperii 2, S. 227f. Nr. 350 aus Abschrift Julius Fickers vom Original; Schwalm, MGH Const. 4, S. 274f. Nr. 312 aus dem Original.

Regest: Böhmer, Heinrich VII., Nr. 154.

Kommentar

Seit 1264 übten die Este die Signorie über Ferrara aus. Machtkämpfe innerhalb der Familie 1308/1309 schwächten ihre Herrschaft, was Venedig zur militärischen Intervention nutzte; Francesca Bocchi, Ferrara, in: Lex. des MA. 4 (1989) Sp. 387f., und Gian Maria Varanini, Venezia e l’entroterra (...1997) S. 174. – Über Peter Gradenigo (1289–1311), genannt Perazzo, und seine Familie orientiert Franco Rossi, Quasi una dinastia (...2001). – Capitaneus war in Mantua wohl noch Rainaldo Bonacolsi gen. Passerino († 1328), der als Stadtherr anfänglich eine reichsfreundliche Politik betrieb und daher König Heinrich zunächst unterstützte, ehe er sich gegen Ende von dessen Regierungszeit mit ihm überwarf; Raoul Manselli, Rainaldo Bonacolsi, in: Lex. des MA. 2 II (1981) Sp. 397f.; Isabella Lazzarini, Mantua, ebd. 6 (1993) Sp. 207 und Jäschke, Europa um 1300 (1999) S. 127. – Bassiano de’ Guaschi, Ugolino da Vicchio und Johannes von Kayl erscheinen während der gesamten Regierungszeit König Heinrichs wiederholt als dessen Beauftragte in Italien oder als Zeugen in seinen italienischen Urkunden; Verweise im Index Nominum der Schwalm, MGH Const. 4, zu Johannes von Kayl außerdem Reichert, Landesherrschaft 2 (1993) S. 899f.

Nachträge

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Empfohlene Zitierweise

RI VI,4,2 n. 277, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/d79f7eaa-cc65-4e99-afd9-3f75953b8335
(Abgerufen am 21.07.2019).