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RI VI Rudolf I. - Heinrich VII. (1273-1313) - RI VI,4,2

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König Heinrich überträgt seinem Fürsten Abt Johannes [I.] von Selz Temporalienverwaltung und Plenarjustiz des Fürstentums dieser Kirche; denn der Abt sei kürzlich vor ihm erschienen und habe ihm und dem Römischen Reich gehuldigt. Daraufhin habe Heinrich ihn als seinen und des Reichs Fürsten mit den königlichen Lehen des Fürstentums, das Johannes innehabe, investiert. Daher befiehlt Heinrich allen Lehnsleuten, Ministerialen und Hörigen des Abts und dieser Kirche, dem Abt als König Heinrichs Fürsten und ihrem Herrn allenthalben ehrerbietig zu gehorchen. – Universis sacri Romani imperii fidelibus [...]. Romani imperii celsitudo.

Originaldatierung:
dat. Columbar. IIIO kal. Novembr.

Überlieferung/Literatur

*Original (Pergament, Königssiegel an noch vorhandener rot-grüner Seidenschnur verloren) Karlsruhe, GLA, D 157a; Vidimus des Notars Georius de Bůchow vom 22. Februar 1448, Straßburg, AD Bas-Rhin, 12 J 183.

Drucke: Schöpflin, Alsatia aevi Merovingici, S. 90 Nr. 845; Würdtwein, Monasticon Palatinum, S. 175–177 Nr. 183.

Regesten: Böhmer (1831) Nr. 5259; ders., Heinrich VII. (...1844) Nr. 181; Weech, Kaiserurkunden (1886), Nr. 157a.

Kommentar

Abgefaßt nach dem erstmals bei der Belehnung Bischof Johanns III. von Lübeck am 19. November 1274 in der Kanzlei König Rudolfs von Habsburg nachgewiesenen Formular Romani imperii – reverenter für die Belehnung geistlicher Fürsten; Bodmann, Codex epistolaris (1806) S. 177 Nr. 30, im Baumgartenberger Form[ular]buch D Nr. 13 bei Baerwald (1866) S. 360f. sowie Sybel/Sickel, Kaiserurkunden in Abbildungen Textbd. (1891) S. 248 und S. 279; Regest: Böhmer/Redlich (1898) Nr. 260. Das Formular wurde beim vorliegenden Stück von der Kanzlei Heinrichs VII. erstmals verwendet; es erscheint außerdem in den Lehnbriefen für die Bischöfe Wido von Utrecht und Peter von Kamerich am 25. Dezember 1309 bzw. 24. September 1310 sowie für die Erzbischöfe Burchard III. von Magdeburg und Hugo V. von Besançon am 15. Juli bzw. 12. Oktober 1310 , unten Nrn. 351, 677, 528 und 702. – Das erwähnte »Fürstentum« des Selzer Abtes identifiziert Bannasch, Gründung (...1969) S. 131f. mit dem »St. Adelheids Eigen«, das erstmals am 14. April 1310 in einem Weistum der Abtei erscheint; gedruckt ebd. S. 151–156 Nr. 3. Dabei soll es sich um die von Kaiserin Adelheid übertragene Gründungsausstattung des Klosters gehandelt haben, die »außer dem Gründungsort Selz die vierzehn Dörfer Oberlauterbach, Kröttweiler (Grepern), Eberbach (Neudorf), Winzenbach, Münchhausen, Niederrödern, Schaffhausen, Kesseldorf (Kesselbach) und Beinheim bzw. Neu-Beinheim links des Rheins sowie Plittersdorf, †Dunhausen, Ottersdorf, †Muffenheim und Wintersdorf rechts des Rheins umfaßt« habe; ebd. S. 132. Den von den Selzer Äbten angestrebten Aufbau einer Landesherrschaft habe König Heinrich mit seiner Belehnung gefördert; ebd. S. 148. Allerdings belehnte dieser mit dem vorliegenden Stück Abt Johannes nicht, wie von Bannasch angegeben, »mit einem Fürstentum« (ebd.), sondern nur mit den Reichslehen des Fürstentums, das der Abt bereits innehat (regalia feoda principatus, quem obtinet). – Von Kaiserin Adelheid 991 auf Reichs- und ottonischem Hausgut gegründet, stuft Vogtherr, Reichsabteien der Benediktiner (2000) Anhang I, S. 304 Nr. 52 Selz trotz vorhergehender differenzierterer Überlegungen (ebd. S. 59–61) als Reichsabtei ein, während Wollasch, Grabkloster (...1968) S. 143 nicht den Charakter als Reichs- oder Cluniazenserkloster, sondern den Status als »Grabkloster der Kaiserin Adelheid« in den Vordergrund rückt. Bornert, Seltz (...2005) S. 253 kommt zu dem Schluß, Selz sei in bezug auf dominium und proprietas eine Reichsabtei gewesen, in bezug auf die libertas aber eine päpstliche Abtei; gegründet unter dem Einfluß von Cluny, habe der Konvent zunächst verschiedene benediktinische Observanzen befolgt, ehe das Kloster erst 1418 endgültig dem Cluniazenserorden angegliedert worden sei. – Bei dem Eintrag auf fol. 13r im »Lagerbuch«, einem Inventar des Selzer Klosterarchivs aus dem späten 16. Jh., München, HStA, Kasten blau 386/21a unter der Überschrift: Heinricus Imp. bestettigt den Apt zu einem Fůrsten des Reichs mit der Inhaltsangabe Dieser Kaiser macht den Apt zů Seltz zů einem Fůrsten deß Reichs. Mandirt darneben seinen Lehenleůtten und allem seinem volck, daß sie ime alß einem fůrstten etc. underthenig und gehorsam sein sollen. Urkůnth mit angehencktem deß Kaisers insiegell. Actum 3 kl. Decembris, anno 1309 handelt es sich wohl nicht um den Hinweis auf ein Deperditum zum 29. November 1309; der Vermerk bezieht sich eher auf das vorliegende Stück, wobei sich der Schreiber bei der Tagesdatierung um einen Monat irrte, denn ein entsprechender Eintrag zum 30. Oktober 1309 fehlt hier.

Nachträge

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Empfohlene Zitierweise

RI VI,4,2 n. 322, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/c572d20f-c6d1-4720-ba75-957d677fbbc2
(Abgerufen am 22.05.2019).