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RI VI Rudolf I. - Heinrich VII. (1273-1313) - RI VI,4,1

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König Heinrich teilt den Schultheißen, Schöffen, Ratsherren und allen Bürgern von Kaisers­lautern, Weißenburg, Landau, Selz, Hagenbach, Germersheim und Annweiler, seinen Ge­treuen (in Lutrea, Wiz­zenburg, Landowe, Selsa, Hagenbuch, Germershein et Anewilre, fide­libus suis dilectis), mit, daß er seinen Verwandten und Getreuen (affinis et fidelis noster dilec­tus), den Adligen Graf Georg [I.] von Vel­denz (Vel­den­cie) zu ihrem Landvogt ernannt habe (in advocatum provincialem preficimus et rectorem), und befiehlt, diesem in allen zu seinem Amt gehörenden Belangen zu gehorchen. – Prudentibus viris scultetis [...]. De fide, legalitate.

Originaldatierung:
dat. Spire II. klnd. Marcii

Überlieferung/Literatur

Überlieferung: Original (Pergament, Siegel an Pergamentstreifen verloren) München HStA, Geheimes Haus­ar­chiv, Pfälz. Ur­kunden Zweibrücken 112/1-2/Nr.38; Abschrift des 18.Jh. Speyer LA B 2 Nr.260/1 fol.43r Nr.18. – Drucke: Crollius, Oratio de Anwilla (1767) S.40; Bachmann, Betrachtungen über die der­ma­ligen Verhält­nisse im Elsaß (1791) S.278 Nr.3; Blum, Critische Untersuchung der Mit­ter­nächtlichen Elsasser-Gränze (1791) S.VIII-IX Nr.4 (aus Crollius); MGH Const. 4 I (1906) S.244 Nr.282; Dolch/Münch, UB Kaiserslautern 1 (1994) S.399f. Nr.570. – Regesten: Böhmer (1831)Nr.5198; ders., Heinrich VII. (...1844) Nr.33.

Kommentar

König Albrechts I. »Landvogt im Speyergau [war] Raugraf Georg I.« gewesen. »Ähnlich wie sein Vorgänger [...] machte auch Heinrich VII. [...] einen Vertrauten zu seinem Landvogt« in jenem Speyergau, der »für das Netz der Reichsburgen und ‑städ­te so wichtig geworden« war; Franz Staabin: Pfälzische Geschichte 1 (2002) S.153f. Die Amtszeit dieses Landvogts be­handelt Schreibmüller, Landvogtei im Speiergau (1905) S.74-83 zu 1309-1315. Mitte August 1308 als Lehnsmann durch Pfalz­graf Rudolf bei Rhein und Herzog von Baiern gleichsam eingekauft, bürgte er unter Speyergauer Landvogttitulatur Anfang September 1309 für den Zweibrücker Grafensohn Simon bei den Bürgern von Speyer; Pöhlmann, Lehensurkunden (1928) Nr.8 von 1308 VIII 16 aus Alzey bzw. Hilgard, Urkunden der Stadt Speyer (1885) S.196f. Nr.255 von 1309 IX 1, re­ge­stiert bei Pöhlmann/Herrmann/Doll, Grafen von Zweibrücken (1962) Nr.496 – beide Regestenwerke hier lei­stungs­fähi­ger als die Regesten der jüngeren Grafen von Veldenz 1300-1330 unter www.buehler-hd.de/reg/veldenzreg2.pdf, zuletzt ein­ge­sehen am 2. August 2004. – Zur Einordnung auch die folgende Nr.

Bei dem Forschungsresümee, Speyer sei bald nach »Befreiung [...] von der bischöflichen Herrschaft« (1294) »Reichs­stadt« geworden, übersieht Köbler, Historisches Lexikon der deutschen Länder (61999) S.620 Sp.1 »die von [den Reichs­städ­ten] zu unterscheidenden Freien Städte [als] besonderen Typus der deutschen Stadt- und Verfassungsgeschichte«; vgl. Paul-Joachim Heinig in: Lex. des MA. 7 III (1994) Sp.637 [Zitat] mit Friedrich Bernward Fahlbusch, ebd. 4 IV (1988) Sp.895, wo Speyer unmißverständlich in der siebenköpfigen Kerngruppe der Freistädte mitaufgelistet wird; entsprechend »seit 1294/1302 freie [!] Stadt« bei Kurt Andermann in: Höfe-und-Residenzen-Handbuch 1 II (2003) S.541 § 1. Allerdings zwingt das nicht ohne weiteres zu dem Schluß, König und/oder Hofhalt seien bei Stadtbürgern im engeren Sinne unter­ge­bracht worden. Weitzel, Deutsche Kaiserpfalzen (1905) S.39 (mit Abb.) sah im »Retscher«, heute nordwestlich der evange­li­schen Dreifaltigkeitskirche von 1701-1717, Reste der Königspfalz; deren »schmuckreiche Fensterarchitektur [wird] um 1240« angesetzt; Dehio-Handbuch »Rheinland-Pfalz/Saarland« (11972) S.844, zu vgl. mit »13.Jh.« für den ganzen Bau bei An­ton Doll in: Handbuch hist. Stätten »Rheinland-Pfalz/Saarland« (31988) S.352. Die auf vier Geschosse emporragenden Um­fassungsmauern werden inzwischen jedoch dem Patrizierhaus jener Familie Retscheln, Retscher o.ä. zugeschrieben, deren Glie­der seit 1241 unter führenden cives Spirenses und seit 1248 unter deren consules genannt sind; Remling, UB der Bi­schö­fe zu Speyer 1 (1852) S.223 Nr.227 und Hilgard, Urkunden der Stadt Speyer (1885) S.57 Nr.73 sowie Dehio-Handbuch a.a.O. (21984) S.988. Somit wird die Königspfalz »am Platz der jetzigen Dreifaltigkeitskirche« vermutet; ebd. S.973 = (11972) S.830. Anderseits wird »im Anschluß an den [frühsalischen] Dombau, angelehnt an dessen Nordostturm, [und mit diesem durch einen doppelstöckigen Gang verbunden, die] neue Pfalz« von [wohl 1039/44] lokalisiert, die »zunächst sowohl dem König als auch dem Bischof dienen sollte«; L[udwig] Anton Doll in: Alter, Pfalzatlas, Textband 1 (1964) S.481 Sp.2 und S.484 Sp.1 zu ebd. Karte 43 (1967) Gebäude Nr.32 bzw. Andermann a.a.O. S.542 § III [Gang und Datierung] und Re­na­te Engels in: Eger, Geschichte der Stadt Speyer 3 (1989) S.524 mit dem [wohl unerheblichen] Selbsteinwand, »das Pfalz­ge­lände [sei] allerdings für eine solche Doppelnutzung erstaunlich klein« gewesen. Tatsächlich scheint die Pfalz seit 1262 nur noch als palatium episcopi geführt worden zu sein, galt aber erst 1375 als zerfallen und vergangen; Andermann a.a.O. Jedenfalls standen dem König 1309 mehrere re­prä­sentative Möglichkeiten zum vorübergehenden Residieren zur Verfügung.

 

Verbesserungen und Zusätze:

[Zu S.114 Z.2 vor »Allerdings«:] Vor gut 12 Jahren hatte König Adolf dem Speyrer Bürger Ebelin »vor dem Münster« als seinem Wirt und Getreuen (hospiti et fideli nostro dilecto) erblich zehn Mark verliehen, die diesem jährlich von den Speyrer Judenabgaben zukommen sollten, und zwar als Entgelt für des Königs und dessen Nachfolger Unterkunft und Versorgung in Ebelins Speyrer Herberge (in suo recipere hospicio et colligere); BÖHMER/SAMANEK (1948) Nr.798 von 1297 I 15 aus Speyer, gedruckt bei HILGARD, Urkunden der Stadt Speyer (1885) S.150 Nr.192.

Nachträge

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Empfohlene Zitierweise

RI VI,4,1 n. 59#, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1309-02-28_1_0_6_4_1_101_59
(Abgerufen am 20.09.2019).