Regestendatenbank - 184.913 Regesten im Volltext

RI VI Rudolf I. - Heinrich VII. (1273-1313) - RI VI,4,1

Sie sehen den Datensatz 47 von insgesamt 319.

Elekt Heinrich (siehe unten) [1] tauscht Güter namens des Römischen Reichs (nomine Ro­ma­ni imperii) auf Rat und unter Zustimmung seiner Fürsten, denen das Recht zur Wahl des zum Kaiser zu erhebenden Königs zusteht (principum nostrorum, ad quos ius elegendi regem pro­mo­vendum in imperatorem pertinet), zur Beseitigung des Grundes für schon lang anhaltende Be­sitzstreitigkeiten und zu deren künftiger Vermeidung sowie in Anerkennung der Verdienste Bischof Johanns von Straßburg um das Römische Reich mit Bischofskirche und Domkapitel von Straßburg, vertreten durch Bischof Johann: [2] Er übergibt dem Bischof das Städtchen Mols­heim (opidum [!] sive villam Mollesheim) sowie die Dörfer Mutzig, Hermoltzheim und Wege (et villas Mutziche, Hermoltzheim et Wege) in der Straßburger Diözese und die Burg Nim­burg im Breisgau bei Eichstetten (castrum Nunburg situm in Briscowe prope Eynstat) in der Diözese Konstanz mit allen Reichsrechten und Zubehörden. Er erhält dafür die Stadt Mül­hau­sen (Mulnhusen) in der Diözese Basel und die Hälfte des Dorfes Wasselnheim bei Kro­nen­burg (pro medietate ville Wasselnheim site prope Cronenberg) in der Diözese Straßburg mit allen Rechten der Straßburger Kirche und allen Zubehörden außer dem Patronatsrecht der Kir­che von Wasselnheim, das der Straßburger Kirche vorbehalten bleibt. [3] Als Ersatz für die im Dienste des Römischen Reichs entstandenen Unkosten und zur Erleichterung noch eif­ri­geren Reichsdienstes gibt er der Straßburger Kirche darüber hinaus mit Zustimmung seiner Fürsten alle Juden beiderlei Geschlechts in den Städten Rheinau (Rynowe) und Molsheim (Mol­lesheim) in der Diözese Straßburg sowie Rufach (Rubiacum) und Sulz (Sultz) in der Diö­zese Basel. [4] Darüber hinaus verbietet er, daß die Leute oder Ministerialen der Straßburger Kirche und die Einwohner der ihr gehörenden Städte, Burgen und Dörfer in irgendeiner Stadt als Pfahlbürger (in cives seu burgenses, qui pfalburger vulgariter nuncupantur) aufgenom­men werden. – [5] Siegel der Grafschaft Luxemburg angekündigt. – Zeugen: die Erzbi­schö­fe Heinrich von Köln, Peter von Mainz und Balduin von Trier; Rudolf und Ludwig, Pfalz­grafen bei Rhein und Herzöge von Bayern; Markgraf Woldemar von Brandenburg, Her­zog Rudolf von Sachsen und Abt Heinrich von Fulda, alles Fürsten (principes nostri), sowie der Getreue (noster fidelis) Graf Berthold von Henneberg. – In nomine sancte [...]. Heinricus, Dei gracia in Romanorum regem electus, universis [...]. Dignum fore censemus.

Originaldatierung:
datum in Frankenfurt IIII. kal. Decembr.

Überlieferung/Literatur

Überlieferung: Papierabschriften der Straßburger Bischofskanzlei des 16.Jh. von Transsumpten Friedrichs des Schönen und Karls IV. vom 24. März 1315 bzw. 25. Oktober 1354: Straßburg, AD du Bas-Rhin, Série G 1115; hier liegen gleichzeitige Abschriften von 5 kurfürstlichen Willebriefen bei. – Drucke: Wencker, Dissertatio de Pfal­burgeris (1698) S.35-39 Nr.2; du Mont, Corps universel diplomatique 1 I (1726) S.350f. Nr.606; Laguille, Histoire de la province d’Alsace 1 (1727) S.48-50; Schoepflin, Alsatia diplomatica 2 (1775) S.87f. Nr.842 aus verlorenem Straßburger Chartular des 14.Jh., zugrundegelegt in: *MGH Const. 4 I (1906) S.231-233 Nr.263a. – Regesten: Böhmer (1831) Nr.5188; ders., Heinrich VII. (...1844) Nr.4; Mossmann, Cartulaire de Mulhouse 1 (1883) Nr.139; Koch/Wil­le,Pfalzgrafen am Rhein 1 (1894) Nrn.1599 und 1831; Vogt, Erzbischöfe von Mainz 1 I (1913) Nr. 1231; Kisky, Erzbischöfe von Köln 4 (1915) Nr.414. – Aufgelistet bei Sprinkart,Kanzlei der Pfalzgrafen (1986) S.502 als Nr.905. – Die Transsumpte sind regestiert bei Gross,Herzoge von Österreich (1922) Nr.123 mit falscher Überlieferungsangabe bzw. in: MGH Const.11 III (1981) Nr.284.

Kommentar

Die Abschnitt-Zählung des MGH-Drucks, die oben übernommen ist, folgt jeweils auf Cursus velox. – Bei der Reihung der fürstlichen Zeugen fällt auf, daß Pfalzgrafen, Markgraf und Sachsenherzog als Erlauchte (illustres) vor dem Fuldaer Abt ran­gie­ren, obgleich dieser durch das Attribut »Ehrwürden« (venerabilis) in derselben Weise als Kirchenmann ausgewiesen ist wie die Erzbischöfe an der Spitze der Liste. Der Verdacht, hier habe der Abschreiber des 16. Jahrhunderts eine Umstellung vor­genommen, wird durch das Wiederholen des Kirchenmann-Prädikats gleichsam neutralisiert: Erneutes venerabilis kann ebenso bewußtes Aufgreifen des 16. Jh. gewesen sein wie erklärtes Hervorheben schon am Hof des Elekten, um das Un­ter­bre­chen der Reihe der Kirchenmänner als Quasi-Einbruch zu kennzeichnen. Der Graf von Henneberg am Schluß der Liste trägt das Attribut »Ansehnlicher« (spectabilis vir). – Am selben Tag stellten die (meisten) Kurfürsten ihre Willebriefe aus, von denen diejenigen der Erzbischöfe von Trier und Köln sowie diejenigen von Rheinpfalzgraf Rudolf I., dem Stammler, von Her­zog Rudolf I. von Sachsen-Wittenberg und von Markgraf Woldemar von Brandenburg mitüberliefert sind (vgl. oben zur Über­lieferung), derjenige des Markgrafen sogar zusätzlich im Original (Straßburg AD du Bas-Rhin, G 115, 9); gedruckt in Mos­smann, Cartulaire de Mulhouse 1 (1883) S.108 Nr.140 und in MGH a.a.O. S.233 Nr.263b, Regest bei Krabbo/Winter a.a.O. Nr.2094 sowie aufgelistet bei Sprinkart,a.a.O. S.503 als Nr.906. – Vorangegangen waren Abmachungen König Ru­dolfs I. und König Adolfs mit Bischof Konrad III. von Straßburg unter dem 23.II.1274 bzw. dem 12.II.1293; Krebs, Un­be­kann­ter Vertrag Rudolfs von Habsburg (... 1926) S.517f. [Druck] und Böhmer/Samanek (1948) Nr.196. Aus ihnen geht her­vor, daß es sich beim (castrum) Cronenberg nicht um den Vorgänger von Straßburgs modernem Stadtteil Cronenbourg, son­dern um die abgegangene Veste Kronenburg bei Kirchheim, 5 km südwestlich von Wasselnheim (französisch »Was­se­lon­ne«), handelt, das selbst 22 km westnordwestlich Straßburgs liegt. Zum castrum Nunburg (ebenfalls § 2) mag die Graf­schaft Neuburg am Glotter im Südschwarzwald gehört haben, die der Straßburger Bischof Konrad II., von Hüneburg, 1200 vom letz­ten Nimburger Grafen erworben hatte, als dieser mit seinem gleichnamigen Sohn zum Kreuzzug aufgebrochen war; kei­ner der beiden Bertholde war zurückgekehrt; Hauck,Kirchengeschichte Deutschlands 5 I (1911) S.111 nach Annales Mar­ba­cen­ses zu 1200, ed. von Hermann Bloch (1907) S.75f. mit einschlägigem Handschriftenfaksimile ebd. zwischen S.74/75. – Die bislang nicht genannten Ordnungszahlen und sonstigen Bezeichnungen von Empfänger und Zeugen sind Jo­hann I. von Straß­burg, auch von Dürbheim oder von Zürich; Heinrich II. von Köln, ein Virneburger; Peter (von) Aspelt; Bal­duin von Lu­xem­burg; Ludwig IV., der Baier; der Fuldaer Abt Heinrich IV., von Weilnau; Berthold VII. von Henneberg-Schleu­singen. Lud­wig der Baier erschien »später nie mehr am hofe dieses königs«; Böhmer, Wittelsbachische Regesten (1854) S.60 [Zitat] und S.70ff. [Liste sonstiger Belege]. – Als Frühbeleg für das Alter der hier angesprochenen Juden­ge­mein­den verwerten die­ses Diplom Oswald,Molsheim (1994) S.209 und Mentgen,Juden im mittelalterlichen Elsaß (1995) S.34; wei­teres ebd. S.350 – sowie ebd. S.48 das Resümee, »in der ersten Hälfte des 14. Jh.s (hatten) drei Viertel der elsässischen Städte Juden aufgenommen«. Als Heinrich VII. diese Urkunde am 15. Januar 1309 unter Majestätssiegel weitgehend wie­der­holte, blieb § 3 über die Juden unberücksichtigt; unten Regest Nr.24. Auch als Friedrich der Schöne unter dem 24. März 1315 in Straß­burg neben seinem oben erwähnten Transsumpt den Text des Heinrich Diploms vom 28. November 1308 für eine eige­ne Ur­kun­de über den Gütertausch aufgriff, fehlte § 3. Verblüffenderweise kann dieses Friedrich-Diplom (Original in den AD Straß­burg, G84) nicht vom Wortlaut des 15. Januar 1309 abgeleitet werden, obgleich 1315 ausdrücklich von einer Königsur­kun­de mit Königssiegel und nicht von einer Elektenurkunde mit Grafensiegel die Rede ist: [...] scriptura publica inde facta et predicti Heinrici regis sigillo bullata. Da derselbe Inhalt unter dem 15. Januar 1309 erfaßt wurde, läßt sich für Mitte Januar eine weitere Königsurkunde in der Sache kaum unterstellen. Möglicherweise hat es in der Nachbarschaft des 28. November 1308 ein nunmehriges Deperditum Heinrichs VII. gegeben, das dann gemeinsame Vorlage für die Diplome vom 15. Januar 1309 und vom 25. März 1315 wurde.

 

Verbesserungen und Zusätze:

Daß der Abt von Fulda in Zeugenreihen »nach den Erzbischöfen und Bischöfen immer [!] an erster Stelle geführt wird«, betont HÖFLING, Reichsfürst (...1975) S.31.

Nachträge

Nachtrag einreichen
Einreichen
Empfohlene Zitierweise

RI VI,4,1 n. 5#, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1308-11-28_4_0_6_4_1_47_5
(Abgerufen am 16.09.2019).