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RI VI Rudolf I. - Heinrich VII. (1273-1313) - RI VI,4,1

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Die Kurfürsten mit Ausnahme des Böhmenkönigs sowie viele andere Fürsten und Adlige aus Deutschland kommen in Frankfurt am Main zur Königswahl zusammen. Einmütig wird we­gen seines Rufs als Mann des Friedens und wegen seines ritterlichen Ruhms nach Abfrage der Stimmen durch den Kölner Kurfürsten Heinrich [II., von Virneburg,] Graf Heinrich [VII.] von Lu­xemburg als einziger Kandidat bestimmt. Auf ihn als König und künftigen Kaiser bringt der Rheinpfälzer Kurfürst Rudolf den wörtlich protokollierten Kürspruch aus. Das Tedeum wird gesungen; der persönlich anwesende Elekt nimmt die Wahl an und wird von den Kur­für­sten in Frankfurts Dominikanerkirche geleitet. Hier wird die Königswahl durch Altarsetzung des Elekten vor Klerus und Volk besonders feierlich öffentlich gemacht und kirchlich sank­tio­niert. Erfolgreich Heinrichs VII. Kandidatur betrieben hatten sein Bruder Kurfürst Balduin von Trier und dessen Verbündeter Kurfürst Peter von Mainz; im Hintergrund stand auch Wi­der­streben gegen Einfluß des Königs von Frankreich: Gewählt wird ein Angehöriger des rö­misch-deutschen Reichs.

Originaldatierung:
vicesimo septimo die mensis Novembris [...] Franckenfort

Überlieferung/Literatur

Regesten: Böhmer (1831) S.274; ders.,Heinrich VII. (...1844) S.252; Goerz,Erzbischöfe zu Trier (1861) S.64; Vogt,Erzbischöfe von Mainz 1 (1913) Nr. 1229; Kisky,Erzbischöfe von Köln 4 (1915) Nr.412; Krab­bo/Winter,Markgrafen von Brandenburg 8 (1926) Nr.2091; Wampach,UQB 7 (1949) Nr.1227

Kommentar

Die Datierung wird in Wahldekreten festgehalten, von denen dasjenige für Papst Clemens V., das vier Kurfürsten mit Erz­bi­schof Balduin an der Spitze haben fertigen lassen, im Wortlaut und mit einer Notarsunterschrift erhalten ist: das folgende Re­gest; gedruckt in: MGH Const. 4 I (1906) S.228-231 Nr.262, hier S.229 §§ 1f. – [...] vicesimo septimo die mensis Novembris steht auch in den Gesta Baldewini II 1 zu 1308, bei Wyttenbach/Müller 2 (1838) S.204. – »29. November« bei Lang­lois/Collon,De recuperatione Terre Sancte (1891) S.XIII ist Druckfehler.

Demgegenüber ist sich die sonstige Historiographie aus dem 14.Jh. nicht einmal darin einig, daß die Wahl – sofern über­haupt genauer datiert – im Herbst des Jahres 1308 stattfand: in autumpno; Levold von Northof, Chronica comitum de Marka zu 1308 (ed. von Zschaeck 1929) S.63 – allerdings mit Wahlort Rhens; s.u. zum Ort! Die z.T. tagesgenauen Unterstellungen variieren stark:

In Verwechslung des Wahltags mit der Königsweihe wird einmal gar »um den 6. Januar 1308« genannt: circa epipha­niam Domini; Continuatio Florianensis (in: MGH SS 9, 1851) S.752 mit N.c. – Epiphanias 1309 suggeriert eine Continuatio An­nalium Rotomagensium (ebd. 26, 1882) S.505.

Mense Septembri Henricus, comes Lucemburgensis, [...] in regem Alemannie est electus heißt es in den Annales Gan­den­ses zu 1308; ed. von Funck-Brentano(1896) S.95, mit neuenglischer Übersetzung von Johnstone(1951) S.92.

16. Oktober = in festo beati Galli fixiert Johann von Viktring, Liber certarum historiarum IV 4 der Rezension A, hier = IV 1 der Rezensionen B, D und A 2, zu 1308 (ed. von Fedor Schneider Bd.2, 1910) S.9 bzw.33.

1. November = in festo omnium sanctorum; Mathias von Neuenburg, Chronica 37 (ed. von Hofmeister, 1924-40) S.77 und 347.

»Nach dem 11. November« (noch sente Mertinis tage) scheint ungenaue Wiedergabe von »um den 18. November« 1308 zu sein; vgl. Erfurter Fortsetzung der Sächsischen Weltchronik zu 1308 (in: Monumenta Erphesfurtensia, ed. von Holder-Egger, 1899) S.475 mit Cronica s. Petri Erfordensis moderna zu 1308 (ebd.) S.336: circa octavam beati Martini – verunklart bei Kaemmerer, Aachener Königs-Krönungen (1961) S.62f. – »Um den 18. November« auch in der ergänzten Fassung der Cro­nica Reinhardsbrunnensis zu 1308 (in: MGH SS 30 I, 1896) S.649.

25. November = in festo beate Katherine wurde besonders weit verbreitet: Annales Osterhovenses zu 1308 [Teil II] (in: MGH SS 17, 1861) S.555 [Zitat]; ähnlich Annales SS. Udalrici et Afrae Augustenses zu 1308 (ebd.) S.435, Chronica de ge­stis principum zu 1308 (in: Chronicae Bavaricae saec. XIV, ed. von Leidinger, 1918) S.59 und gar zweimal das zweifelhafte Hen­rici Oettingani Chronicon zu 1308 bei Oefelius,Rerum Boicarum SS 1 (1763) S.694 Sp.1 und 2, weiters die Erste Bai­ri­sche Fortsetzung der Sächsischen Weltchronik § 21 zu 1308 (in: MGH Deutsche Chroniken 2, 1877) S.332: an sand Kathe­rei­nen tag. Außerhalb Baierns die Annales Lubicenses zu 1308 (in: MGH SS 16, 1859) S.420 und Ly myreur des histors de Jean d'Outremeuse III: le jour del sainte Katherine; ed. von Bormans,Bd.6 (1880) S.112. – Ähnlich orientierte sich die Con­tinuatio canonicorum s. Rudberti Salisburgensis zu 1308 (in: MGH SS 9, 1851) S.819: circa festum beate Katherine vir­gi­nis.

Lediglich 1308 hielten fest oder legten nahe Continuatio Sancrucensis Tertia (in: MGH SS 9, 1851) S.734; Annales Ne­res­heimenses, Continuatio Prima (ebd. 10, 1852) S.25; Gesta archiepiscoporum Magdeburgensium 41 (ebd. 14, 1883) S.428; Annales Moguntini (ebd. 17, 1861) S.3, besser bei Jaffé,Monumenta Moguntina (1866) S.713, vgl. unten zur Wählerschaft; Annales Halesbrunenses maiores (ebd. 24, 1879) S.48; Cronicae ecclesiae Wimpinensis Continuatio Dytheri 30 (ebd. 30 I, 1896) S.674; Continuatio Chronici Veterocellensis (in: Holder-Egger,Monumenta Erphesfurtensia, 1899) S.706 Z.35f.; Jo­han­nes Latomus bei Froning,Frankfurter Chroniken (1884) S.77, weniger gelungen in: Böhmer, Fontes 4 (1868) S.406; Excerpta ex Ex­positione Hugonis de Rutlingen in Chronicam Metricam 1218-1348 (ebd.) S.132; aus Italien Alberti de Bezanis Cronica pon­tificum et imperatorum (ed. von Holder-Egger, 1908) S.73.

Auf den Regierungsbeginn [angeblich] erst 1309 stellte ab die Chronica Heinrici Surdi de Selbach (ed. von Bresslau, 1922) S.9; ausdrücklich die Königswahl auch für dieses Jahr notierten Johann von Winterthur, Chronica (ed. von Baethgen, 1924) S.53 und die Oberrheinische Chronik (ed. bei Maschek,1938) S.56. – Zu 1307 verschrieb sich das Chronicon Elwa­cen­se (in: MGH SS 10, 1852) S.39.

Der Cremoneser, der sich auf die Geschichte der Päpste und Kaiser konzentrierte, zählte Heinrich als »den Sechsten«; Alber­ti de Bezanis Cronica S.73. Unter Berücksichtigung von König Heinrich (VII.), dem 1235 abgesetzten Sohn Kaiser Fried­richs II., erscheint er als »der Achte« beispielsweise in der Continuatio Chronici Veterocellensis S.706 und in der Köl­ner Weltchronik 1273/88-1376 (ed. von Sprandel, 1991) S.67; Heinricum VIII. dive memorie kennt Martini Continuatio Co­lo­niensis (in: Chronica regia Coloniensis, ed. von Waitz, 1880) S.364, in numero imperatorum vocatur octavus behauptet die Kölner Weltchronik S.67 über ihre Vorlage hinaus. Ansonsten ist die heute übliche Zählung in Historiographie und Ur­kun­den zeitgenössisch, auch wo sie streng genommen, nämlich bezogen auf die Kaiser, nicht zutrifft: In die Lombardei zog Heinrich der Sibend, Romisch keiser, der vor was grefe zu Lutzelburg [...]; Fortsetzung des deutschen Martin von Troppau 1 (in: MGH Deutsche Chroniken 2, 1877) S.349. Heinricus imperator VII. verwendet die Chronica Heinrici Surdi de Selbach S.9, de inperatore [!] Heinrico VII. erzählt Johann von Winterthur S.59 Z.16, Henricum Septimum Romanorum regem nen­nen die Gesta Baldewini II 2 S.205, Heinricus Septimus, comes Lutzemburgensis formuliert Johannes Latomus S.406 laut Kor­rektur nach dem Autograph bei Froning,Beide Frankfurter Chroniken des Johannes Latomus (1882) S.7, mit Henricus und Lutzeburgensis bei Froning,Frankfurter Chroniken (1884) S.77.

Zu den seltenen Urkunden zählen MGH Const. 4 II (1908-11) S.800 Nrn.799f. vom Tag der Kai­serweihe.

Für weltchronistisch orientierte Historiographen galt er als ab Augusto C.Ius; Annales Osterhovenses zu 1308 [Teil II] S.555 Z.34f. – der ander und hunderst von Augusto; Erste Bairische Fortsetzung der Sächsischen Weltchronik § 21 S.332 – oder erst als 93.; Martini Continuatio Coloniensis S.364 – ob verlesen aus 97? So Continuatio Chronici Veterocellensis S.706.

Der Wahlort Frankfurt am Main ist urkundlich und historiographisch breit bezeugt, nicht benannt wird allerdings die ge­naue Wahlstätte; »Wahldekret« (= nächstes Regest) § 1f. und beispielsweise Chronica de gestis principum S.60 bzw. Michael Gockel/Fred Schwind in: Deutsche Königspfalzen 1 IV (1996) S.369, 428 und 443, wo das Predigerkloster – im Unter­schied zur Kirche – als Wahlstätte erwogen wird. In dieser Kirche hatte 1292 die Wahl Adolfs von Nassau zum römisch-deutschen König stattgefunden; Böhmer/Samanek (1948) Nr.11 und Gockel/Schwind a.a.O. S.369. Während Frankfurt am Main als vorherrschender Königswahlort schon der Stauferzeit hervortritt (ebd. S.442), ist die Nachfolgerin der Pfalzkapelle, nämlich die dortige Stiftskirche St. Bartholomäus, erst zur Zeit Karls IV. als maßgebend bezeugt, wobei die Wahlhandlungen dem Patronat Karls des Großen und nicht etwa demjenigen des Apostels Bartholomäus zugeordnet werden; Kellner, Reichsstift St. Bartholomäus (1962) S.18f. sowie dazu die kirchenarme Belegliste der königlichen Frankfurt-Aufenthalte von 1262-1409 bei Gockel/Schwind a.a.O. S.426-438, wo die Bartholomäuskirche erst unter Nr.100 zu 1376 als Königswahlort erscheint, und Goldene Bulle II 1 von 1356, ed. von Fritz (1972) S.53. Eine dortige Altarsetzung hatte Konkurrenzkönig Ludwig der Baier schon 1314 erfahren; Gockel/Schwind a.a.O. S.443, wodurch ebd. S.429 Nr.33 zu ergänzen ist; vgl. auch weiter unten! Die Lage der erwähnten Frankfurter Kirchen kartiert Elsbet Orth in: Deutsche Königspfalzen 1 II (1985) S.140, wobei für die Zeit um 1300 statt von der Salvatorkirche der Königspfalz (Nr.25) schon von der Kirche des Bartho­lo­mäus-Stifts gesprochen werden darf.

Die durch die Forschung vielbeachtete Abwesenheit des Böhmenkönigs Heinrich von Kärnten ordnet Begert,Böhmi­sche Kur(2003) S.130-133in politische und rechtliche Zusammenhänge ein; in den Zeugnissen wird sie gewöhnlich über­gan­gen, in den Gesta Baldewini II 2 S.205 mit der Unterstellung von sieben anwesenden Kurfürsten mittelbar geleugnet, und auf Abb.3b der Bilderchronik des Balduineums I wird sie sogar »übertüncht«, indem nicht nur in der Bildunterschrift von allen sieben Kurfürsten die Rede ist, sondern auch auf der Kurfürstenbank alle sieben einschließlich des »Böhmen« unter seinem Wappenschild gezeichnet sind; Heyen, Kaiser Heinrichs Romfahrt (21978) S.57 = Tosti-Croce, Il viaggio di Enrico VII (1993) S.77; auch Wolfgang Schmid, Kaiser Heinrichs Romfahrt (2000) S.135. Daß der Ausfall der böhmischen Stimme nicht mit einer Anfechtung des böhmischen Kurrechts zusammenzusehen ist, betont Perels,Zur Geschichte der böhmischen Kur (...1925) S.88f.; denn vor dem 27. November 1308 hatte man sich ja »für Karl von Valois, für Pfalzgraf Rudolf [I. und] für Heinrich [VII.] von Luxemburg« um eben diese Stimme bemüht; ebd. S.89 und oben Regesten q, r und ag. Entsprechend geht die ausführliche Vorgeschichtsschilderung durch Johann von Viktring IV 4 und IV 1 S.8f. bzw. S.32 auf des Kärnteners Ab­lehnung der »luxemburgischen« Partei ein. Daß derselbe Autor für Sachsen und Brandenburg die Anwesenheit nur von Ge­sandten und nicht der Kurfürsten selbst suggeriert, wird durch beider Mitausstellung des Wahldekrets (unten das nächste Regest) und durch Willebriefe vom Folgetag (vgl. unten Nr.5 für Bischof Johann von Straßburg) widerlegt. Ansonsten wer­den die zuständigen Wähler, (deren Einmütigkeit) und der reguläre Wahlverlauf vermerkt: [...] a debitis electoribus canonice est electus; Cronicae Minoris Continuatio Sexta (in: Monumenta Erphesfurtensia a.a.O.) S.698 = Annales Matseenses (in: MGH SS 9, 1851) S.824. – [...] concorditer et canonice; Chronica Aulae Regiae II 113 (ed. von Loserth = FRA I 8, 1875) S.334 und (ed. von Emler = FRB 4, 1884) S.187. Alle Wähler und ihre klare Übereinstimmung vertritt Jean d'Outremeuse: [...] furent tous les electeurs à Franquevort ensemble, et là ilhs esluirent de plaine acorde Henris […]; ed. von Bormans a.a.O. S.112, wo S.110ff. noch kaum überprüfbare Namürer Details stehen. Schlicht von den »Kurfürsten« spricht eine der Con­tinuationes Annalium Rotomagensium S.505 zu 1308: Henricus comes Luxemburgensis per principes electores eligitur [...].

Anwesenheit nicht nur von Kurfürsten, sondern auch von weiteren Fürsten und Adligen aus Deutschland hält – mit der Über­treibung »ganz Deutschland« – die Cronica S. Petri Erfordensis moderna zu 1308 fest: Eodem anno principibus elec­to­ri­bus regni multisque aliis principibus nobilibusque tocius Alemanie [...] convenientibus [...]; Monumenta Erphesfurtensia a.a.O. S.336, verkürzt zitiert, aber aufschlußreich eingeordnet bei Schubert, Königswahl und Königtum (...1977) S.264f.

Allgemein auf (alle) Fürsten (des Reichs) weisen Chronica Mathiae de Nuwenburg 37 S.77 und 347, die Erste Bairische Fort­setzung der Sächsischen Weltchronik 21 S.332, die Continuatio canonicorum s. Rudberti Salisburgensis zu 1308 S.819, die Annales Osterhovenses zu 1308 Teil II, die Annales Halesbrunnenses zu 1308 und die Cronicae ecclesiae Wimpinensis Con­tinuatio Dytheri zu 1308. Die Einmütigkeit aller Fürsten formulieren die Annales Moguntini zu 1308 knapp mit ab om­ni­bus principibus concórditer est eléctus; so Jaffé,Monumenta Moguntina (1866) S.713, während diesen auf drei Wörter ver­teil­ten Cursus velox Pertz (in: MGH SS 17, 1861) S.3 aufgehoben hatte mit concorditer est elevatus.

Und wo »nur« von Fürsten die Rede ist, mochte gar strenge Rechtmäßigkeit betont werden: [...] rigore legis et debite a prin­cipibus in regem Romanorum electus est; Annales Neresheimenses, Continuatio Prima zu 1308 (in: MGH SS 10, 1852) S.25, verballhornt im Chronicon Elwacense zu 1307 mit rigore regis indebite (ebd.) S.39. [...] a principibus legittime et con­cor­diter electus war der imperator Heinricus laut Chronica Iohannis Vitodurani S.59.

Als Mann von Frieden (und Recht) stellen diesen Kandidaten mehrere Zeugnisse heraus; gar auf deutschlandweiten Ruhm ziehlt die Continuatio canonicorum s. Rudberti Salisburgensis zu 1308 S.819: de quo multa bona et maxime, quod pa­cis amator et iustus index esset, quasi per totam Alamanniam dicebatur. Knapper die Continuatio Sancrucensis III zu 1308 S.734 und die Cronica S. Petri Erfordensis moderna zu 1308 S.336, deren Lob in der Erfurter Fortsetzung der Sächsischen Welt­chronik zu 1308 S.475 zugespitzt wird auf wan er ein gut fredeman was. Die Friedenswahrung in seiner [Groß-] Graf­schaft stellt auch Albertinus Mussatus, Historia Augusta I 3 (in: Muratori, SS 10, 1727) Sp.125 heraus.

Durch Johann von Viktring IV 4 der Rezension A S.9 werden Motive für Heinrichs VII. Königswahl unterschieden: Die Städte [!] waren für ihn, weil er in seinem Herrschaftsbereich Kaufleuten und Durchreisenden gutes Recht schuf, der Adel, weil er ein tüchtiger Krieger war und das vielerorts unter Beweis gestellt hatte, besonders im Kampf gegen die Flamen: Hein­ri­cus rex proclamatur, pro eo, quod in suo dominio bonum mercatoribus et transeuntibus iudicium fecerit, a civitatibus, et quod bonus et strenuus miles fuerit et experienciam huius exercicii multis in locis reliquerit et precipue in prelio Flandren­sium, a nobilibus commendatur; hierzu vgl. oben Regest i zu 1302 IV 10, Kommentar.

In Übereinstimmung mit dem Wahldekret (unten das nächste Regest) wird im obigen Regest angenommen, daß es in Frank­furt selbst keinen Gegenkandidaten gegen Graf Heinrich VII. mehr gegeben hat. Demgegenüber hat Albertinus Mus­sa­tus dreitägiges Schwanken unterstellt: Man habe sich nicht auf einen einzigen Kandidaten einigen können; da Zwistigkeiten leb­hafter wurden, habe man zur Wahl mit Stimmzetteln Zuflucht genommen: Sic identidem (so Cod. Est.) per triduum ferme ha­bita de compromissis in plurimos mentione, calescentibus in dissensiones animis ad scrutinia declinavere; Historia Au­gu­sta I 4 (in: Muratori, SS 10, 1727) Sp.209. Als die geheim abgegebenen Stimmen ausgezählt wurden, seien vier für Hein­rich herausgekommen: die beiden des Trierers und des Mainzers sowie zwei weitere, die in ihm zwar nicht den Wunsch­kan­di­daten gesehen hätten, sich aber aus Neid und Geringschätzung anderer für ihn entschieden hätten: Sicscitatisque clande­sti­ne, ut assolet, vocibus Henrici vox edita est quaternis assensibus: binis scilicet Treveriensis et Maguntini ad idem inniten­tium, et binis, qui ob aliorum invidias animos diverterant, non votis, sed aliorum contemtibus in Henricum; Sp. 209f. Als darauf­hin auch die übrigen sich einverstanden erklärten, sei Heinrich zum Römerkaiser ausgerufen worden: [...] declaratus est Henricus Romanorum imperator semper augustus, convenientibus prorro et reliqui; Sp.210 – daß hier Vorstellungen von der Wahl zu einem Kirchenamt eingedrungen und Unterschiede zwischen regnum und imperium verwischt sind, betont Fran­ke, Spiegel der Historiographie (1992) S.30f. – Daß der Kölner Kurfürst die Stimmen einsammelte, wie im Wahldekret § 3 festgehalten, wird auf seine Rolle »als Leiter der Wahl« hin gedeutet, »während der Mainzer Erzbischof, dem dies ei­gent­lich zustand [...], zurückstehen mußte;« Erkens, Erzbischof von Köln und deutsche Königswahl (1987) S.60. Ein Quasi-Pro­to­koll dieses Wahlvorgangs ist in enger Übereinstimmung mit dem Wahldekret auch separat überliefert worden; Lünig, Teut­sches Reichs-Archiv 4 (1720) S.194f. Nr.146 – unten zum Wahldekret gar als dessen Teildruck verzeichnet. Hierbei wird sogar in leichter Umstilisierung der Anfang des pfalzgräflichen Kürspruchs einbezogen. Diesen bietet § 4 des Wahldekrets voll­ständig und in wörtlicher Rede. Die Erwähnung von Tedeum, Annahme der Wahl und Prozession in die Dominikaner­kir­che schließt sich hier in § 5 an. Daß der Elekt durch die – angeblich sieben – Kurfürsten auf den Altar gesetzt worden ist, be­sagt allein die Unterschrift unter dem Bild 4a der Bilderchronik des Baldunineums I; die Abbildung selbst gibt zu erken­nen, wie zwei geistliche Kurfürsten Hand an den sitzenden Elekten legen, als wollten sie ihn »zurechtrücken«, um ihn gleich­sam als ihr Geschöpf dem Klerus und dem Volk in der Kirche vorzuzeigen. Die Veröffentlichung wird ausdrücklich festgehalten in der knappen Erhebungsnotiz bei Latomus: Anno 1308 eligitur et publicatur Henricus VII. comes Lutzebur­gen­sis rex; Fro­ning,Frankfurter Chroniken (1884) S.77. Eine Deutung der Altarsetzung als publicatio allein ist allerdings mit Recht zurückgewiesen worden; Wolfgang Schmid a.a.O. S.53, wo S.52-57 auch das neuere Schrifttum verarbeitet und ein Trie­rer Neufund zu erzbischöflicher Altarsetzung von 1511 publiziert wird. Die kirchlich-klerikale Fundierung des Wahlakts mit den Erzbischöfen als Königs- und schließlich Kaisermachern in Konkurrenz zum pfalzgräflichen Kürspruch namens des Ge­samt­gremiums der Kurfürsten ist mindestens ebenso wichtig gewesen. Die nächsten Altarsetzungen waren diejenigen der Kon­kur­renz­könige Ludwig der Baier 1314 und Günther von Schwarzburg 1349 sowie von Karl IV. 1349 und von dessen dritter Ehe­frau Anna von Schweidnitz 1354, die unmittelbar vorher zur Königin geweiht worden war; Gockel/Schwindt a.a.O. S.443 bzw. S.435 Nr.89 nennen die Bartholomäus-Kirche als Handlungsort zu 1314 und 1349.

Die bedeutende Rolle der Erzbischöfe von Mainz und Trier für Heinrichs VII. Kandidatur betont Albertinus Mussatus, Historia Augusta I 4 Sp.209f.: [...] Maguntinus episcopus domui de Lucemborg fidelitatis astrictus homagio una cum Tre­ve­ren­si archiepiscopo aspirans in Henricum sublimandum. Neben diesen beiden wird durch Johann von Viktring IV 4 S.7ff. bzw. IV 1 S.31f. auch Heinrichs VII. eigenes Bemühen um Wählerstimmen geschildert: oben Regest af.

Nur den Bruder auf dem Trierer Erzstuhl als treibende Kraft stellen die Annales Lubicenses zu 1308 S.420 heraus. Einen po­litischen Kunstgriff schildert die Historia Iohannis de Cermenate 8f. Ihr zufolge hat sich der Erzbischof von Trier so nach­drücklich für die [angebliche] Kandidatur des Königs der Franzosen eingesetzt, daß die Wähler die [ständige] Erwähnung des fran­zösischen Königs bei dem Erzbischof nur dadurch unterdrücken konnten, daß sie einen Deutschen nominierten, der ihm noch lieber war, eben seinen eigenen Bruder Graf Heinrich von Luxemburg – und darauf hatte der Trierer spekuliert! Nur so wurde die Gefahr abgewendet, daß der König der Franzosen hieraus ein Einfallstor für die französische Nation machte: [...] Idque, si cautus Gallorum rex obtineat occupandi deinceps ius imperii, initium Gallicae nationi fore, dicentes. [...] tanto im­mi­nenti periculo haud temere provisum est. Nam electores confestim, ut reprimatur omnino Gallici regis mentio apud archi­epi­scopum supradictum – quod, ut creditur, expectabat – Theutonicum nominant cariorem sibi. IX. Itaque Henricum comitem de Lucimburg, fratrem ipsius archiepiscopi Treverensis, […] cuncti unanimes elegerunt; ed. von Ferrai (= Fonti per la storia d'Italia [2], Scrittori seculo XIV, 1889) S.19; leicht abweichend die Analyse bei Franke, Spiegel der Historiographie (1922) S.84. – Die Wirkung einer – in diesem Fall: päpstlichen – Drohung mit einem französischen Kaisertum unterstellt auch Giovanni Villani († 1348): Sollten die Wähler mit der Wahl Heinrichs VII. noch länger zögern, werde Clemens V. »das Kai­sertum [!] an Frankreich übertragen«; Roscheck, Französische Kandidaturen (1984) S.114 mit Verweis auf Croniche stori­che di Giovanni, Matteo e Filippo Villani VIII 101 (ed. von Gherardi Dragomanni 2, 1848) S.133-135, auch Porta 2 (1991) S.194-197 = Nuova Cronica IX 101. – Auch sonst erschien besonders von Italien aus die Kaiserwahl eines Deut­schen wichtig, wobei dieser als Nachfolger Kaiser Friedrichs II. mit der irritierend langen »römischen« Amtszeit von 10 Jah­ren in Erinnerung blieb: [...] Alamanus [!] electus fuit in inperatorem [!] Romanorum; qui successit Frederico inperatore [!] Secundo […], qui regnavit apud Romanos annis X; Alberti de Bezanis Cronica zu 1308 S.73 mit A.3, wo der Editor Hol­der-Egger mit der Bemerkung, es seien nicht volle fünf Jahre gewesen, suggeriert, hier sei ein X aus einem V gemacht wor­den.

Gemäß all dem Vorstehenden überrascht die Behauptung, Heinrich VII. sei »am 27. November 1308 [...] ›inmitten der herbst­prächtigen Natur‹[, nämlich im] Baumgarten zu Rhense [...] zum deutschen [!] König erhoben« worden; Alexander De­mandt,Über allen Wipfeln (2002) S.188. Doch diese irrige Feststellung erweist sich als Mißverständnis aus Benker,Lud­wig der Bayer (1980) S.58, wo Rhens lediglich als »Stätte der Vorwahl«, für den 27.XI. aber das Dominikanerkloster in Frank­furt a.M. genannt wird; zu jener siehe oben Regest am! Bereits wenig jüngere Zeitgenossen irrezuführen suchte die sach­sen-lauenburg-ratzeburgische Parteierklärung Graf Heinrichs III. von Schwerin und Graf Johanns III. von Holstein von 1328, die Ritter Wulf von Schwarzenbek und Johann von Krummesse hätten mit Sondervollmacht der [Lauenburger] Her­zöge Johann und Albert an der Königswahl Heinrichs von Luxemburg teilgenommen, und zwar [ausdrücklich] zugelassen und zu­sammen mit sonstigen Fürsten und – verräterischerweise – »wahren« Wählern: [...] imperio vacante Lupus de Suarten­beke ac Iohannes de Crummesse milites de speciali mandato dictorum Iohannis et Alberti cum ceteris principibus et veris elec­to­ri­bus admissi, dominum Hinricum de Lutzelenborch in regem Romanorum elegerunt; Hasse, Schleswig-Holstein-Lauen­bur­gische Urkunden 3 (1896) S.380 Nr.669 = Krammer, Quellensammlung 2 (1912) S.87. Abgesehen davon, daß Al­brecht III. von Lauenburg-Ratzeburg schon am 1. November 1308 kinderlos gestorben war (Annales Lubicenses zu 1308, in: MGH SS 16, 1859, S.420 Z.44-46), ist die eventuelle Stimme der Lauenburger ausdrücklich durch den brandenburgischen Markgrafen Wol­demar mitabgegeben worden, wie der kurfürstliche Wahlbericht an Papst Clemens V. festgehalten hat; unten Regest ap § 3. Die anti-wittenbergische Gesamttendenz des Texts, der schließlich auch nicht abgesandt worden zu sein scheint, betont Mohr­mann,Lauenburg oder Wittenberg? (1975) S.16, 67f., 88 und 97, die Fehlerhaftigkeit der Angaben zu 1308 ebd. S.35-37. J.

Nachträge

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Empfohlene Zitierweise

RI VI,4,1 n. ao, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1308-11-27_1_0_6_4_1_41_ao
(Abgerufen am 22.09.2019).