Regestendatenbank - 184.913 Regesten im Volltext

RI VI Rudolf I. - Heinrich VII. (1273-1313) - RI VI,4,1

Sie sehen den Datensatz 26 von insgesamt 319.

Herzog Albrecht von Sachsen, Engern und Westfalen (Albertus, Dei gratia dux Saxonie, Anga­rie et Westphalie) verspricht angesichts der derzeitigen Vakanz des Königreichs der Römer durch den Tod des Römerkönigs Albrecht [I.] ruhmvollen Angedenkens (vacante hiis diebus regno Romanorum ex morte inclite memorie domini Alberti Romanorum regis), bei der Wahl des künftigen Römerkönigs für sich und seinen Bruder Fürst Johann, der ihn für diese Wahl durch Offenen Brief (per suas patentes litteras) bevollmächtigt hat, mit dem Kölner Erz­bi­schof Heinrich als Mann seines besonderen Vertrauens ohne Widerruf zu stimmen. – Siegel des Ausstellers angekündigt. – Universis presentes litteras visuris et audituris nos Albertus.

Originaldatierung:
datum die dominica post festum beati Petri ad vincula

Überlieferung/Literatur

Überlieferung: Original (Pergament, leicht beschädigtes Herzogssiegel an Pergamentstreifen) Düsseldorf, HStA, Kurköln U.216 (früher Köln Domstift Nr.459). Daraus alle Drucke: Kindlinger,Sammlung merk­wür­di­ger Nachrichten (1806) S.35f.; Bodmann,Codex epistolaris Rudolfi (1906) S.320 Nr.12; Lacomblet,UB für den Niederrhein 3 (1853) S.48 Nr.65; *MGH Const. 4 I (1906) S.216 Nr.252. – Regesten: Böhmer,Regesten 1246-1313 (1844) S.375 Nr.272; Thomas,Zur Königswahl (1875) Nr.15; Wauters,Table chronologique 8 (1892) S.305; Kisky,Erzbischöfe von Köln 4 (1915) Nr.339.

Kommentar

Albrecht III. von Sachsen-Lauenburg († am 1. November 1308) scheint gegenüber seinem Vollbruder Johann II. (1286-1322) kei­neswegs im Hintergrund geblieben zu sein, obgleich er naturgemäß die altersbedingte Reihung der Brüder in der Kur­köl­ner Urkunde vom selben Tag aus Lechenich (siehe das vorige Regest) zu akzeptieren hatte. Es war eben der jüngere Bruder gewesen, der anscheinend 1302 die brandenburgische Askanierin Margarete, seit 1296 Witwe König Przemysławs II. von Groß­polen, geheiratet hatte; unten Regest ae, Kommentar. Obgleich Margarete erst 1315 starb, wurde sie wie ihr zweiter Ehe­mann im Ratzeburger Dom bestattet; von Notz, Kapellen und Totengrüfte (...1929) S.59 und Steffen, Barock im Ratze­burger Dom (1997) S.20. Das spricht dafür, daß sie nach dem Tod Albrechts III. nicht nach Brandenburg zurückgekehrt ist, also weiter im Lauenburgischen Hof hielt: wahrscheinlich in Ratzeburg selbst; denn Schloß Ratzeburg stand an der Spitze ihres Leibgedinges, und aus Ratzeburg datiert auch eine Urkunde, mit der die Herzogswitwe einen Zehntverkauf ihres Vogts Otto Holste an Kloster Reinbek bestätigte, während ihr Schwager Herzog Erich I. zu ihren Lebzeiten Ratzeburg mied und vor­nehmlich in Lauenburg urkundete; Hasse, Schleswig-Holstein-Lauenburgische Urkunden 3 (1896) S.160 und 136f. Nrn.306 und 260 von 1314 XII 20 und 1313 I 20 bzw. S.102f., 109f., 118 u.s.f. Nrn.195, 206, 219 u.ö. von 1309 II 12 und IX so­wie 1310 VII 22, in Ratzeburg erst 1318 X 22 laut ebd. S.200f. Nr.371. Entsprechend kann die Einordnung Ratzeburgs als sach­sen-lauenburgische Nebenresidenz der Periode 1295/96 bis 1619 (Hauptresidenz: Lauenburg) hin zur zeitweisen Wit­wen­residenz konkretisiert werden, was bei Helmut Assing in: Höfe-und-Residenzen-Handbuch 2 (2003) S.321 § I und S.402 § ~ zu ergänzen ist. Daß hiermit ebensowenig wie mit dem Wunsch nach der sächsischen Kurwürde die lauenburgischen Res­sour­cen überfordert wurden, dürfte mit Holzausfuhr und Transithandel zusammenhängen: Die großen Hansestädte ein­schließ­lich der holzverschlingenden Siedesalz-Monopolistin Lüneburg versorgten sich auch aus den lauenburgischen Eichen­wäl­dern; Karlheinz Blaschke in: Lex. des MA. 7 (1995) Sp.1235, zu vgl. mit Harms/Wohlfahrt, Alte Salzstraße (1989) S.34 Sp.2 und Kirschbaum, Lüneburg spätmittelalterliche Groß­stadt (2000) S.7f. und 11f. Die Alte Salzstraße von Lüneburg nach Lübeck, die sonst durchweg Städte mied, wurde nicht nur im lauen­burgischen Artlenburg kräftig mit Zoll und Fährgeld belegt, sondern auch im lauenburgischen Mölln einträglich genutzt, und zwar nicht nur für die Salzfracht, deren Prahme auf der Stecknitz schon seit 1237 bezeugt sind; denn in Gegenrichtung trugen die Verkehrswege durch Sachsen-Lauenburg den ge­samten Lübeck-Handel »mit dem deutschen Westen und Süden«. Tatsächlich ist auch die Wirtschaft der Landhandelsstadt in der Wegespinne Mitträger der Mölln-Bergedorfer Linie der Lauen­burger geworden, die mit Johann II. begann; Hasse a.a.O. 2 (1888) Nr.545 von 1278 (Zollherrschaft auch in Artlenburg und Mölln); Schleswig-Holsteinische Regesten und Ur­kun­den 4 (1924) S.38, 158 und 463 Nrn.46, 243 und 1067 von 1342 (oppidum mit consulibus), 1346 (herzogliches pas­sa­gium) bzw. 1364 (Herzöge-Aufenthalt in Artlenburg); Harms/Wohlfahrt a.a.O. S.41 Sp.2, S.78f. und S.81 Sp.2 [Zitat] so­wie Kurt Langen­heim in: Handbuch hist. Stätten »Schleswig-Holstein und Hamburg« (1958) S.141f., hier = (31976) S.182f., und Hoffmann, Spät­mittelalter (1990) S.346, wo S.346f. jedoch die schmale Lauenburger Machtgrundlage betont wird ähn­lich wie bei Kram­mer, Laienkurrecht (...1914) S.458 und Hans-Georg Krause in: Bl.dt.LG. 112 (1976) S.652 [Buchbe­spre­chung Mohr­mann (1975)]. – Die merkwürdig schwache Po­si­tion der Lauenburger in diesem Wahl­bünd­nis – nicht einmal Kon­sultation der Bündner untereinander wird unterstellt, son­dern bedingungsloser Anschluß an den Kölner – dürfte damit zu­sam­men­hän­gen, daß die Lauenburger angesichts der Kon­kur­renz um die Kurwürde mit ihren »Vettern« in Sachsen-Wit­ten­berg schon als Plus verbuchten, daß der Kölner Erzbischof ihre Kurwürde laut dieser Urkunde ohne Ein­schrän­kung anzuer­ken­nen schien. Vgl. dazu die bloße Akzeptierung der Lauenburger »Beteuerung« ihres Kurrechts in Erzbischof Heinrichs II. Quasi-No­ta­riats­urkunde vom selben Tag aus Lechenich: das vorige Re­gest. – Natürlich datieren die vor­lie­genden Verein­barun­gen nicht »fünf Tage« nach dem Wahlbündnis vom 29. Juli 1308 (oben Regest x), wie Seng,Hein­rich II. von Virne­burg (1977) S.22 schreibt. J.

Nachträge

Nachtrag einreichen
Einreichen
Empfohlene Zitierweise

RI VI,4,1 n. z, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1308-08-04_2_0_6_4_1_26_z
(Abgerufen am 23.05.2019).