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RI VI Rudolf I. - Heinrich VII. (1273-1313) - RI VI,4,1

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Graf Heinrich VII. von Luxemburg fällt am Hof des gerade gekrönten Papsts Clemens V. als besonders glänzende Erscheinung auf.

Überlieferung/Literatur

Bericht: [...] Clemens Vus, Lugdunum veniens die veneris post Martini (= 12. November 1305), sequenti domini­ca (=14.) apud Sanctum Iustum in monte iuxta Lugdunum cum solempnitate maxima consecratur [...]. Hoc anno Hen­ricus Lutsilburgensis, postmodum imperator, quem tunc in curia vidi magnifice se gerentem, pro fratre [...]; Io­hannis Hocsemii Chronicon I 29, ed. von Kurth (1927) S.118f. – Regesten, beide zum 14. November 1305: Sauer­land, Urkunden und Regesten 1 (1902) Nr. 155; Wampach,UQB 7 (1949) Nr.1048. – Erwähnung: Böh­mer,Heinrich VII. (...1844) S.254 zur Papstkrönung.

Kommentar

Wie beim oben zitierten Johann von Hoxem ist auch sonst die Krönung Papst Clemens' V. zu Sonntag, dem 14. November 1305, bezeugt; 2., 4. und 6. Vita Clementis V. (in: Baluzius/Mollat,Vitae paparum Avenionensium 1, 1914) S.25, 60 bzw. 91 – »1306« bei Ehlers,Frankreich im MA. (1987) S.195 ist Druckfehler. Da es Graf Heinrich dem VII. um Kontakt mit dem neuen Papst gegangen sein dürfte, anderseits sein Eintreffen und seine Abreise nicht bezeugt sind, ist im Unterschied zur bis­herigen Forschung für den Lyon-Aufenthalt eine unbestimmtere Datierung gewählt worden. Diese beruht darauf, daß Jo­hann von Hoxem als Augenzeuge die Ankunft des Papst-Elekten in Lyon erst zum 12. November 1305 zieht, obgleich ur­kund­lich schon der 1. November und für den zusammenhängenden Aufenthalt in Lyon die Zeit vom 5. November 1305 bis in den Februar 1306 gesichert sind, zudem die Teilnahme an der Feier des 14. November für Philipp IV., dessen Brüder Karl von Valois und Ludwig von Évreux und für Herzog Johann II. von der Bretagne neben Graf Heinrich VII. sowie für ein­drucks­volle Abordnungen des englischen und des aragonesischen Königshofs bezeugt bzw. erschließbar sind; Tables des Re­gi­stres de Clément V [1] (1948) S.26-28 bzw. Menache,Clement V (1998) S.17 und Barber,Trial (1978) S.16. Johann von Hoxems weitere Mitteilung, Heinrichs VII. großartiges Auftreten an der Kurie habe die Promotion seines Bruders (Balduin) auf dessen nunmehrigen Trierer Erzstuhl bezweckt (pro fratre, nunc archiepiscopo Treverensi, illius archiepiscopatus impe­trat dignitatem; Kurth a.a.O. S.119), gilt als Verwechslung mit damaligen Bemühungen um den Mainzer Erzstuhl; dieser war seit Ende Februar 1305 vakant, wurde von den »in discordia« gewählten Domherren Emicho von Schöneck und Emercho von Sponheim erstrebt und am 10. November 1306 durch Transferierung Peters von Aspelt aus Basel nach Mainz besetzt; Trier wurde überhaupt erst am 23. November 1307 vakant; Gatz/Brodkorb, Bischöfe 1198 bis 1448 (2001) S.406 und 870f. bzw. 799 [mehrere Verfasser]. Daß Heinrich VII. im November 1305 »im Gefolge des Königs von Frankreich [...] in Lyon ein[geritten und] bei den Krönungsfeierlichkeiten Papst Clemens' V. zu Lyon« dabeigewesen sei (so Wampach a.a.O. in Aus­schmückung des neulateinischen Regests bei Sauerland a.a.O.), ist nicht auszuschließen, steht so aber nicht im Bericht des Augenzeugen; Philipp IV. urkundete in Lyon vom 8. November 1305 bis zum 3. Januar 1306; Philippi Quarti mansiones (...1855) S.446, verwertet bei Wenck,Aus den Tagen der Zusammenkunft (...1906) S.191 A.1. Philipps IV. Anwesenheit bei der Papstkrönung wird in den Papstviten hervorgehoben, z.B. in der Secunda vita Clementis V., auctore Ptolemeo Lucensi (in: Baluzius/Mollata.a.O.) S.24; unter weiteren Fürsten und Adligen geschieht des Herzogs der Bretagne und des Kö­nigs­bruders Karl von Valois nur deshalb Erwähnung, weil sie beim Einsturz einer Mauer zu Tode kamen bzw. stark verletzt wurden, und zwar unmittelbar neben dem Papst, der dabei vorübergehend die Tiara und aus ihr auf Dauer den besonders wert­vollen Rubin von der Spitze verlor; ebd. S.25. In der Sexta vita Clementis V. auctore Amalrico Augerii de Bitterris steht zu­sätzlich noch des neuen Papsts leiblicher Bruder Gualhardus de Goto als Opfer des Unglücks; a.a.O. S.91. Es soll ins­ge­samt 12 Tote gekostet haben; MenacheS.17. – Zu solchen Krönungsfesten Schimmelpfennig,Papal Coronations in Avi­gnon [!] (...1990), wo Lyon 1305 allerdings nur im Zuge allgemeiner Traditionsbildung und für die besondere Tiara S.184/186, 186f. und 190 erwähnt wird. Haller,Papsttum 5 (1965) S.167 wertet diese Feier als die bisher glänzendste Krö­nung der Papstgeschichte und kann sich dafür nicht nur auf den Unfall infolge von Mauerüberlastung durch Schaulustige stützen, sondern auch auf den zeitgenössischen Salomo-Vergleich für den Papst: Scharen seien herbeigeströmt, um in diesem gleichsam den gekrönten König Salomo zu sehen; Quarta vita Clementis V. auctore Bernardo Guidonis (in: Baluzius/Mol­lata.a.O.) S.60f. Daß Lyon damals durch »die Anwesenheit der führenden Monarchen der Christenheit bei der päpstlichen Krönung« ausgezeichnet gewesen sei, wie MenacheS.17. urteilt, wird man allerdings kaum resümieren dürfen. Dem Kreis der Anwesenden kommt insofern Bedeutung zu, als am kapetingischen Königshof schon vor 1305 Pläne zur Zusam­men­fas­sung aller Ritterorden unter Frankreichs König als Großmeister entwickelt worden waren; zu diesem Zweck hatte man Be­schwer­den gegen die bisherigen Ritterorden »in einem vorläufigen Katalog zusammengefaßt«, und dieser lag den Kardinälen vor, die zur Papstkrönung »nach Lyon gekommen waren«; Ehlersa.a.O. S.195. Entsprechend spielte die zugehörige Temp­ler­frage auch schon bei den päpstlich-königlichen Verhandlungen im Winter 1305/06 zu Lyon eine Rolle; Robert Holtz­mann,Wilhelm von Nogaret (1898) S.134. Tatsächlich sprechen rückblickende Briefe des Papsts von dessen Befassung mit der zugehörigen Templerfrage durch den König und seine Leute schon für diesen Lyon-Aufenthalt; Baluzius,Vitae papa­rum Avenionensium 2 (1693) S.75 = Baluze/Mollat,Vitae 3 (1921) S.60 und dazu Boutaric,Clément V et les Templiers (...1871) S.312f.; Bulst-Thiele,Magistri (1974) S.318; Barbera.a.O. S.73; Bulst-Thiele,Prozeß (1980) S.384; Demur­ger/Kai­ser,Templer (1991) S.241. Weil Clemens V. nicht sogleich etwas unternommen hat, werden seine späteren Rück­ver­weise hinsichtlich ihres Wahrheitsgehalts in Zweifel gezogen bei Nicholson,Knights Templar (2001) S.219. Wenn al­ler­dings derselbe Papst seine Bekanntschaft mit Anschuldigungen gegen die Templer in der europaweit gestreuten Bulle Re­gnans in coelis (Mansi 25,21903, Sp.370 D vom 12. August 1308) und in der weithin gleichlautenden Aufhebungsbulle ge­gen den Orden Vox in excelso schon vor das Lyoner Krönungsfest datiert (Mirbt/Aland, 1967, S.460 Nr.749 vom 22. März 1312), wirkt dies wie ein Überbietungsargument, und ein solches läßt Ort und Zeit der Papstkrönung als Kri­stalli­sa­tions­punkt jener Verhandlungen um so stärker hervortreten. J.

Nachträge

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Empfohlene Zitierweise

RI VI,4,1 n. k, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1305-11-13_1_0_6_4_1_11_k
(Abgerufen am 26.04.2019).