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RI IV Lothar III. und ältere Staufer (1125-1197) - RI IV,4,4,5

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Cölestin III. schreibt Erzbischof (Erich) von Trondheim (Nidrosiensi archiepiscopo) und erteilt ihm Antwort auf folgende Fragen: (Teil a) ob es einem König oder einem anderen Laien erlaubt sei, über Kleriker jeglichen Weihegrads zu richten, die sich des Diebstahls, des Mordes, der Falschaussage oder sonstiger Verbrechen schuldig gemacht haben; (Teil b) ob man von der Kommunion mit jenen, die wegen Gewaltanwendung (gegen Kleriker) verurteilt sind, schon abstehen müsse, bevor deren Exkommunikation öffentlich verkündet wird; (Teil c) ob Mörder von Klerikern oder Priestern, die unter Mißachtung ihrer Weihen in Kriegs- oder auch in Friedenszeiten Morde und andere Verbrechen begehen und sich ebenso zügellos oder schlimmer als Laien verhalten, eo ipso der Exkommunikation verfallen; (Teil d) welche Strafen den Laien aus (König) Sverres (von Norwegen) (Sueri) Gefolgschaft aufzuerlegen sind, die nicht von Totschlag, Diebstahl, Raub und anderen Vergehen ablassen, und die ihnen von Priestern auferlegte Pönitenz mißachten oder als lächerlich abtun, oder die, wenn der Priester ihnen diese Pönitenz verwehrt, mit der Feindschaft Sverres und dessen Gefolgschaft und Gefahr für das Leben der Priester drohen; (Teil a) was die erste Frage angeht, so soll ein Kleriker, der derartiger Vergehen überführt ist, von geistlichen Richtern seines Amtes enthoben werden; entzieht er sich sodann immer noch der Korrektur, soll er exkommuniziert werden und, sollte er sich auch dann noch als widerspenstig erweisen, mit dem Anathem belegt werden; falls er dann immer noch nicht bereut, soll er, da die Kirche über keine weiteren Strafmittel verfüge, der weltlichen Gewalt übergeben werden, die ihm das Exil oder eine andere geeignete Strafe auferlegen soll; (Teil b) hinsichtlich der zweiten Frage antwortet der Papst, daß der Verkehr mit denen, die wegen Gewalttaten (gegen Kleriker) der Exkommunikation anheimfallen, auch schon vor deren Verkündigung abzubrechen ist; sollte die Exkommunikation aber nur dem Erzbischof bekannt sein, dann solle er den privaten Umgang mit dem Betreffenden meiden, solange dieser von der Kirche toleriert wird, so daß auf diese Weise die Scham den Übeltäter dazu bewege, seine verborgenen Untaten auf andere Weise wiedergutzumachen; (Teil c) was den dritten Punkt betrifft, nämlich wie mit den Mördern von Klerikern oder Priestern zu verfahren sei, die unter Mißachtung ihres Standes sich wie Laien verwerflicher Vergehen schuldig machen, antwortet der Papst, daß diese nicht eo ipso der Exkommunikation verfallen sollen, sondern daß über sie eine angemessene Strafe zu verhängen ist, die jedoch strenger ausfallen soll, als wenn sich ihre Vergehen gegen Laien gerichtet hätten; (Teil d) die als vierter Punkt genannte Frage, ob die Pönitenz einem bußwilligen Laien verweigert werden dürfe, beantwortet der Papst dahingehend, daß diesem die Buße nicht verweigert werden soll, auch wenn ein Rückfall zu befürchten ist; (Teil e) auf die fünfte Frage, ob jemand von einem Eid gelöst werden dürfe, den er aus Furcht um sein Leben und sein Eigentum geleistet hat, antwortet der Papst, daß seine Vorgänger Zacharias, Gelasius, Gregor VII., Urban II. und andere solche Eide für ungültig erklärt hätten, und bestimmt, daß, um einen Meineid zu vermeiden, dem Betreffenden nicht ausdrücklich nahegelegt werden soll, den Eid nicht einzuhalten, daß er aber, wenn er den Eid mißachtet, deswegen nicht zu bestrafen sei; (Teil f) auf die letzte Frage, ob der Erzbischof oder dessen Suffragane jene absolvieren dürfen, die wegen Gewalttaten gegen Kleriker exkommuniziert sind, teilt der Papst unter Beachtung der von Alexander III. gewährten Ausnahmen mit, daß dies nur mit einem besonderen Mandat des Apostolischen Stuhls erlaubt sei; der Papst gestattet jedoch dem Erzbischof, die wegen Gewalt gegen Kleriker Exkommunizierten in den entlegenen Teilen seiner Kirchenprovinz, die aufgrund körperlicher Behinderung, Armut oder aus sonstigen schwerwiegenden Gründen nicht die Absolution am Apostolischen Stuhl erlangen können, nach angemessener Wiedergutmachung und Bußleistung zu absolvieren, sofern ihre Vergehen nicht schwere körperliche Schäden oder den Tod des Opfers zur Folge hatten.

Originaldatierung:
Dat. Rome apud sanctum Petrum eodem anno [ = 1].
Incipit:
Cum non ab homine vel

Überlieferung/Literatur

Drucke: Decr. Greg. lib. 2 tit. 1 c. 10 (ed. Friedberg Sp. 242, Teil a); Comp. 2 lib. 2 tit. 1 c. 3 (ed. Friedberg S. 72, Teil a); Comp. 2 lib. 2 tit. 16 c. 6 (ed. Friedberg S. 75, Teil e); Decr. Greg. lib. 5 tit. 39 c. 14 (ed. Friedberg Sp. 893-894, Teile a-f in gekürzter Form); Comp. 2 lib. 5 tit. 18 c. 3 (ed. Friedberg S. 103, Teile a-f, zu Clemens III., 1187–1191); Decr. Greg. lib. 2 tit. 24 c. 15 (ed. Friedberg Sp. 364, Teil e); Baluze, Miscellanea 3 S. 373 (Teil b); Migne, PL 206 Sp. 1259 Nr. 64 (Teil a); Storm/Huitfeld-Kaas/Bugge, Romerske Oldbreve 1 S. 5-7 Nr. 7 (Teile a-f, zu Clemens III., 1187–1191); Holtzmann, Krone und Kirche in Norwegen im 12. Jh. S. 397-400 Nr. 13 (Teile a-f, zu Clemens III., 1187–1191); Holtzmann, Collectio Seguntina S. 431 Nr. 43 (Teil a, zu 1191 April 15–Oktober 25); Vandvik, Latinske Dokumenter S. 88-93 Nr. 26 (Teile a-f mit norwegischer Übersetzung, zu Clemens III., 1187–1191); Skånland, Supplerende og kritiske bemerkinger S. 140 (nur Druck der Arenga nach Holtzmann); Duggan, Manu sollicitudinis S. 231-235 Appendix 3 (Teile a-f mit engl. Übersetzung).

Reg.: JL 17639 (J 10703, 10274, 10739, 10678) (zu 1191–1198); Migne, PL 206 Sp. 1251 Nr. 30 (Teil f); Storm, Regesta Norvegica 1 S. 18 Nr. 114 (zu Clemens III., 1187–1191); Gunnes, Regesta Norvegica 1 S. 92 Nr. 218.

Kommentar

Zur weiteren Überlieferung dieser Dekretale vgl. Heckel, Dekretalensammlungen S. 189, S. 194 und S. 214, Holtzmann, Sammlung Tanner S. 145, Holtzmann, Collectio Seguntina S. 431 Nr. 43, Vandvik, Latinske Dokumenter S. 189-192, Vetulani, Collectio Cracoviensis S. 66-67, Cheney/Cheney, Studies S. 154, S. 196, S. 215, S. 228, S. 237, S. 259, S. 276, S. 287, S. 289 und S. 293. Sie ist in der Sammlung Walther Holtzmanns als WH 273 (KI 301) verzeichnet. – Das Datum ergibt sich aus der Nennung des Ausstellungsorts St. Peter und des ersten Pontifikatsjahrs in der chronologisch angeordneten Collectio Seguntina, wo dieses Stück zwischen Reg. 191 und Reg. 192 steht, vgl. Holtzmann, Collectio Seguntina S. 415f., wobei das von Holtzmann erschlossene Datum 1191 (April 15–Oktober 25) durch die von ihm unberücksichtigten Reg. 13 und Reg. 14 von 1191 April 25 mit dem Ausstellungsort Lateran und Reg. 196 von 1191 Oktober 31, ausgestellt bei St. Peter, genauer auf das oben genannte Datum eingegrenzt werden kann. Zu den in Teil e aus Gratian übernommenen und den Päpsten Zacharias, Gelasius I., Gregor VII. (JL 5201) und Urban II. (JL 5724) zugeschriebenen Entscheidungen (Gratian, Decretum C. 15 q. 6 c. 3-5, ed. Friedberg Sp. 756) vgl. Holtzmann, Gratian S. 335-337 Nr. 7 (S. 185-186). Die in Teil f genannte Urk. Alexanders III. ist dessen an den Bischof von Exeter gerichtete Dekretale (JL 12180, Decr. Greg. lib. 5 tit. 39 c. 2, ed. Friedberg Sp. 890), vgl. dazu auch die im gleichen Sinn ausgestellten Dekretalen Cölestins III. von (1192 Juni 28–November 12 oder 1192 Dezember 6–1193 Januar 7) an den Archimandriten von S. Maria del Patire (Reg. 658), von 1195 Juli 22 an den Prior von Coimbra (JL – , Erdmann, PUU Portugal S. 368-369 Nr. 148), von (1191 November 5–1192 Januar 4) an den Bischof von Vác (Reg. 308) und von (1193 März 12–April 13) an Bischof Mauritius von Paris (Reg. 757). Zur Sache vgl. Cheney, Punishment S. 218-220 (zu Teil a), Findlay, Canonical Norms S. 69f., S. 76 und S. 84, Herde, Fälschungsdelikt S. 36 (zu Teil a), Gunnes, Kirkelig jurisdiksjon S. 140-142 (zu Teil a), Seegrün, Legaten S. 215f., Vodola, Excommunication S. 34f. und S. 99 (zu Teil c), Murauer, Hanc penam ecclesia non imponit S. 61-63 (zu Teil a), Duggan, Decretals of archbishop Øystein S. 500, Nielsen, Celestine III and the North S. 171f. (zu Teil c), Duggan, Manu sollicitudinis S. 199-203 und Jaser, Ecclesia maledicens S. 312 (zu Teil a).

Nachträge

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Empfohlene Zitierweise

RI IV,4,4,5 n. 193, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/f44390be-db53-4ca8-a938-50bbadec66e8
(Abgerufen am 16.06.2019).