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RI IV Lothar III. und ältere Staufer (1125-1197) - RI IV,4,4,5

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Cölestin III. beantwortet die Anfrage des Erzbischofs (Absalom) von Lund (Lundon. archiepiscopo), wie in folgendem Fall zu verfahren sei: eine Frau sei in jungen Jahren von ihren Eltern einem Kloster übergeben worden, habe die Einkleidung und die Weihe erhalten, dann aber einen Ritter geheiratet und Kinder geboren; auf die Frage des Erzbischofs, ob die Frau zur Rückkehr in das Kloster gezwungen werden darf, obwohl sie behaupte, sie habe, als sie die Volljährigkeit erreichte, widersprochen und die Weihe unwillig empfangen, antwortet der Papst, daß gemäß den Beschlüssen des Konzils von Toledo der Eintritt in ein Kloster entweder durch die Devotion der Eltern oder aufgrund des eigenen Willens erfolge und in diesen Fällen die Rückkehr in die Welt verboten sei; da die Frau dem Vollzug der Weihe nicht deutlich widersprochen habe, sei es nicht möglich, die Profeß für ungültig zu erklären, auch wenn dies im Widerspruch mit der Festsetzung seines Vorgängers Leo (I.) zu stehen scheine, daß die Frau als Erwachsene sich frei gegen einen erzwungenen Klostereintritt entscheiden könne.

Originaldatierung:
Dat. Rome apud sanctum Petrum (sic).
Incipit:
Cum virum te prudentem fore

Überlieferung/Literatur

Drucke: Comp. 2 lib. 3 tit. 18 c. 3 (ed. Friedberg S. 86); Decr. Greg. lib. 3 tit. 31 c. 12 (ed. Friedberg Sp. 572-573); Migne, PL 206 Sp. 1258-1259 Nr. 40 (als Teil der Dekretale Reg. 720).

Reg.: JL 16637 (zu Clemens III., 1187–1191).

Kommentar

Zur weiteren Überlieferung dieser Dekretale vgl. Heckel, Dekretalensammlungen S. 201, Holtzmann, Collectio Seguntina S. 437 Nr. 59, Vetulani, Collectio Cracoviensis S. 69 Nr. 80 sowie Cheney/Cheney, Studies S. 174, S. 230, S. 237, S. 265, S. 275 und S. 283. Sie ist in der Sammlung Walther Holtzmanns als WH 326 (KI 362) verzeichnet. – Diese Dekretale wurde von Holtzmann wegen der Nennung des Ausstellungsorts St. Peter und des ersten Pontifikatsjahrs (in eodem libro = 1) in der chronologisch angeordneten Collectio Seguntina, wo dieses Stück zwischen Reg. 326 und Reg. 420 steht, vgl. Holtzmann S. 415f., in den Zeitraum 1192 Februar 11–15 datiert, wobei das erstgenannte Datum jedoch ganz offensichtlich ein Irrtum ist (S. 416 spricht Holtzmann auch zutreffend von Januar 11–Februar 15). Durch die von Holtzmann nicht berücksichtigten Reg. 311 und Reg. 312, die schon 1192 Januar 7 bei St. Peter ausgestellt worden sind, kann die Dekretale in den oben genannten Zeitraum datiert werden. Zur Identifizierung des Adressaten mit dem Erzbischof von Lund, zur Zuschreibung an Cölestin III. und zu den genannten kanonistischen Verweisen vgl. Holtzmann, Benutzung Gratians S. 336f. (S. 186). Danach ist mit dem Verweis auf das Konzil von Toledo das 4. Konzil von Toledo von 633 gemeint, dessen can. 49 zitiert wird (Gratian, Decretum C. 20 q. 1 c. 3, ed. Friedberg Sp. 844, Vives, Concilios S. 208). Die Festsetzung Leos I. stammt aus Gratian, Decretum C. 20 q. 1 c. 8, ed. Friedberg Sp. 845 (JK 544, J3 1098). Zur Sache vgl. Seidl, Gottverlobung S. 87, Metz, L’énfant S. 56, Metz, L’entrée S. 197 und Pfaff, Eherecht S. 88.

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Empfohlene Zitierweise

RI IV,4,4,5 n. 327, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/e15da87c-302d-4ff7-9a46-344c3de26207
(Abgerufen am 20.07.2018).