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RI IV Lothar III. und ältere Staufer (1125-1197) - RI IV,4,4,5

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Cölestin III. teilt den Bischöfen (Markus) von Castello und (Araldus) von Chioggia (Castellano et Glugiensi episcopis) mit, daß der Archidiakon und die Domkanoniker von Triest (archidiaconus et canonici ecclesie Tergestine) den Magister G. (magistrum G.) als Sachwalter des Woscalcus (Woscalco), den sie kanonisch zum Bischof von Triest gewählt haben, mit der Bitte um Bestätigung der Wahl an den Apostolischen Stuhl gesandt hätten; wegen des Widerspruchs, der von einem Nuntius des Patriarchen (Gottfried) von Aquileia (Aquilegensis patriarche) eingelegt worden sei, habe der Papst die Kardinaldiakone G(ratian) von SS. Cosma e Damiano und G(erhard) von S. Adriano (G. sanctorum Cosme Damiani et G. sancti Adriani diaconos cardinales) als Auditoren mit der Angelegenheit beauftragt; dem Bericht des Magisters G. und den Schreiben der Kanoniker und Kleriker der Kirche von Triest habe der Papst entnommen, daß diese den Kanoniker Woscaldus kanonisch zum Bischof gewählt und dem Patriarchen zur Bestätigung präsentiert hätten; dieser habe jedoch die Bestätigung verweigert und behauptet, die Wahl des Bischofs stehe ihm zu, worauf die Kanoniker an den Apostolischen Stuhl appelliert und einen Gesandten an seinen Vorgänger Clemens (III.) entsandt hätten, der den Streitfall an Bischof (Gerhard) und Archidiakon (Vitalianus) von Padua (episcopo et ... archidiacono Paduan.) zur Beilegung übertragen habe; der Patriarch habe drei Vorladungen unter Ausflüchten keine Folge geleistet und nach einer mehr als zweijährigen Vakanz des Bischofsstuhls willkürlich Güter der Kirche von Triest an sich gebracht; dem Patriarchen habe früher das Recht zur Wahl zugestanden und als er von seiner Reise (an den Apostolischen Stuhl) zurückgekehrt und vom Klerus und Volk von Triest um die Bestätigung der Wahl gebeten worden sei, habe er den Elekten wegen dessen hohen Alters abgelehnt, der daraufhin zusammen mit Klerus und Volk an den Papst appelliert habe; dennoch habe der Patriarch weiter Güter der Kirche von Triest an sich gerissen und das Wahlrecht für sich beansprucht, während die Kanoniker an der Wahl des Woscalcus festgehalten hätten; der Papst beauftragt die Delegaten mit der Untersuchung der Angelegenheit und befiehlt, falls es sich wie geschildert verhalte, die Wahl unter Ausschluß der Appellation zu bestätigen; sollten jedoch kanonische Gründe gegen die Wahl vorliegen, so sollen die Delegaten für die Verwaltung des Bistums durch eine geeignete Person sorgen und den Patriarchen zur Restituierung des entzogenen Besitzes bewegen; sollte sich der Patriarch dem Verfahren verweigern, so sollen sie es dennoch durchführen unter Mißachtung eventueller dem entgegenstehender Schreiben.

Originaldatierung:
Dat. Lat. 6 id. maii pont. a. 2.
Incipit:
Cum nuper dilecti filii nostri

Überlieferung/Literatur

Überl.: Kopie 12. Jh., Triest, Arch. cap. (inseriert in das Schreiben der beiden Bischöfe von 1192 Juli 1).

Drucke: Vianelli, Vescovi di Malamocco e di Chioggia S. 112-113; Mainate, Croniche Triesta 1 S. 137-143 Nr. 17 (mit italienischer Übersetzung); Marsich, Regesto Trieste S. 328-329 Nr. 7 (mit einigen sinnentstellenden Fehlern).

Reg.: JL 16869 (J 10371); Migne, PL 206 Sp. 934 Nr. 74 (Reg. nach Mainate); Manzano, Annali del Friuli 1 S. 185; IP VII,2 S. 213 Nr. 6; Gioppo, Repertorio S. 287 Nr. 413; Kos, Gradivo 4 S. 399-400 Nr. 804.

Kommentar

Zur Überlieferung vgl. Kehr, PUU Friaul S. 258 = Acta Rom. pont. 2 S. 8. Die genaue Signatur der Kopie konnte nicht ermittelt werden. – Eine Beauftragung der Kardinaldiakone Gratian von SS. Cosma e Damiano und Gerhard von S. Adriano ist unbekannt, vgl. Reg. 465. Zum verlorenen Delegationsmandat Clemens’ III. an Bischof Gerhard und Archidiakon Vitalianus von Padua vgl. Böhmer-Schmidt, Papstregesten Clemens’ III. Nr. 1112. Mit der erwähnten expeditio Gottfrieds ist seine Reise nach Rom gemeint, wo er bei der Kaiserkrönung Heinrichs VI. (vgl. Reg. 4) anwesend war. Im weiteren Verlauf des Verfahrens bestätigte der Patriarch die Wahl, vgl. den Kommentar zum Reg. der IP sowie die Urkk. des Patriarchen (Vianelli, Vescovi di Malamocco e di Chioggia S. 113-114) und der beiden Delegaten (Vianelli S. 113-114). Zur Sache vgl. auch Cappelletti, Chiese 8 S. 688, wo das Stück irrig zu 1192 Mai 9 gestellt wird.

Nachträge

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Empfohlene Zitierweise

RI IV,4,4,5 n. 466, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/df8d2979-c8be-411a-bb44-1a1c38423959
(Abgerufen am 30.05.2020).