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RI IV Lothar III. und ältere Staufer (1125-1197) - RI IV,4,4,5

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Cölestin III. schreibt dem Dompropst, dem Domdekan und dem Domkapitel von Chur (preposito, decano et capitulo Curiensi), daß der frühere Bischof Heinrich von Chur (Henricus quondam Curiensis episcopus) nicht nur die Kirche von Chur zugrundegerichtet habe, wie die Kanoniker Ulrich und Raner von Chur sowie der Pleban Bero der Kirche St. Georg in Scuol/Schuls (Curienses canonici Uldericus ... et Ranerus et Bero plebanus sancti Georgii de Scul.) im päpstlichen Auditorium berichtet hätten und dies vor päpstlichen Delegaten dargelegt worden sei, sondern sich auch des Mords, Inzests, Eidbruchs und der Gewalt gegen den Glauben schuldig gemacht habe; der Papst habe die Angelegenheit zuerst Bischof (Konrad) von Trient, dem Abt von Marienberg (D. Chur) und dem Propst von Isola Comacina (D. Como) (Tridentino episcopo et ... abbati Montis sancte Marie et preposito de Insula) zur Anhörung übertragen und sodann Bischof (Heinrich) von Brixen, dem Abt (von Marienberg) und dem Propst (von Isola Comacina) (episcopo Brixiensi et ipsis item abbati atque preposito) befohlen, den Fall zu untersuchen, ihm unter ihren Siegeln Bericht zu erstatten, den Parteien einen Termin festzusetzen, an dem sie sich dem Papst zu präsentieren haben, und dem Bischof, sollte sich dieser dem Verfahren entziehen, unter Ausschluß der Appellation Amt und Benefizien abzusprechen; dies sei auch geschehen, da der Bischof einer zweimaligen Vorladung keine Folge geleistet, jedoch eine unerlaubte Appellation eingelegt habe; der Papst habe daraufhin die Kardinalpriester P(eter) von S. Cecilia, Jord(anus) von S. Pudenziana, Guido von S. Maria in Trastevere und Cinthius von S. Lorenzo in Lucina (P. tituli sancte Cecilie, Iord. tituli sancte Pudentiane et Guido tituli sancte Marie trans Tiberim ac Centius tituli sancti Laurentii in Lucina presbiteri cardinales) mit der Anhörung der an den Apostolischen Stuhl zurückgekehrten Kanoniker (von Chur) beauftragt, die von den Delegaten vorgenommene Suspension des Bischofs bestätigt und Bischof (Arditius) von Como und den Abt von S. Abbondio (in Como) (Cumano episcopo et ... abbati sancti Abundi) mit der Anhörung des Falls beauftragt; da der Bischof den von den Delegaten festgesetzten Termin mißachtet habe, hätten diese den Bischof exkommuniziert und ihm den Lukastag (18. Oktober) als Termin festgesetzt, an dem er am Apostolischen Stuhl zu erscheinen hätte; den Bericht der Delegaten und die Klagen und Aussagen der Äbte, Pröpste, Prioren und anderer Kleriker gegen den Bischof habe der Papst auch an Erzbischof K(onrad) von Mainz, zugleich Bischof der Sabina, und dessen Suffragane (C. Maguntino archiepiscopo Sabinensi episcopo et suffraganeis) übersandt; da das Verfahren rechtmäßig und entsprechend den Kanones durchgeführt worden sei, habe er die Absetzung des Bischofs und zugleich den Verlust jeglichen geistlichen Amts ohne Hoffnung auf Restitution verfügt; der Papst befreit alle Kleriker und Laien von der Treue gegenüber Bischof Heinrich und gestattet die Neuwahl eines Bischofs.

Originaldatierung:
Dat. Lat. in eodem ( = tertio) libro.
Incipit:
Veritatis est verbum organo dominice

Überlieferung/Literatur

Drucke: Decr. Greg. lib. 2 tit. 14 c. 8 (ed. Friedberg Sp. 296-297, Teildruck, zu Innocenz III. 1199); Holtzmann, Heinrich von Chur S. 190-194 (S. 230-234); Meyer-Marthaler/Perret, Bündner UB 1 S. 357-361 Nr. 466.

Reg.: Potthast 933 (zu Innocenz III., zu 1199); Perret, UB Kanton St. Gallen 1 S. 186 Nr. 206.

Kommentar

Zur Überlieferung dieser Dekretale vgl. Holtzmann, Collectio Seguntina S. 450-451 Nr. 116 sowie Cheney/Cheney, Studies S. 154, S. 280 und S. 289. Sie ist in der Sammlung Walther Holtzmanns als WH 1080 (KI 1212) verzeichnet. – Das Datum ergibt sich aus der Nennung des Ausstellungsorts Lateran und des dritten Pontifikatsjahrs (in eodem libro mit Bezug auf Reg. 889) in der chronologisch angeordneten Collectio Seguntina, wo diese Dekretale nach Reg. 1051 steht, vgl. Holtzmann S. 415f., sowie aus der Tatsache, daß Heinrichs Nachfolger Rainer 1206 März 15 sein 12. Pontifikatsjahr zählte, vgl. Holtzmann, Heinrich von Chur S. 185 Anm. 93 (S. 226 Anm. 3) und Perret, UB Kanton St. Gallen 1 S. 186 Anm. 7. Zur genannten ersten Delegation des Bischofs Konrad von Trient, des Abts von Marienberg und des Propsts von Isola Comacina vgl. Reg. 1037. Die zweite Delegation an Bischof Heinrich von Brixen, den Abt von Marienberg und den Propst von Isola Comacina erfolgte in Reg. 1038. Nachdem die Kardinalpriester Peter von S. Cecilia, Jord(anus) von S. Pudenziana, Guido von S. Maria in Trastevere und Cinthius von S. Lorenzo in Lucina nochmals die Kanoniker von Chur angehört hatten (Reg. 1039), bestätigte der Papst die Suspension des Bischofs und beauftragte Bischof Arditius von Como und den Abt von S. Abbondio in Como erneut mit der Anhörung des Falls, vgl. Reg. 1040. Schließlich übersandte Cölestin III. den Bericht der Delegaten sowie die Klagen und Aussagen an Erzbischof Konrad von Mainz und dessen Suffragane, vgl. Reg. 1041, und bestätigte die Absetzung des Bischofs. Zu den zahlreichen aus Gratian übernommenen Zitaten vgl. Holtzmann, Gratian S. 343f. (S. 191f.) Nr. 16 und zur Sache Holtzmann, Heinrich von Chur, Pfaff, Domkapitel S. 40 sowie Landau, Kanonistische Ergänzungen S. 255-256 Nr. 16.

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Empfohlene Zitierweise

RI IV,4,4,5 n. 1046, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/c70c4c7d-8f40-4d4c-962e-040fea81ec7f
(Abgerufen am 26.09.2018).