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RI IV Lothar III. und ältere Staufer (1125-1197) - RI IV,4,4,4

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Kardinalbischof Paulus von Palestrina wird in der Kathedrale von Pisa zum Papst gewählt.

Überlieferung/Literatur

Reg.: JL 2 S. 536 (J S. 870).

Kommentar

Nur wenige Quellen teilen Einzelheiten über die Erhebung Clemens' III. mit. Den genauen Wahltag nennt, wenngleich im Jahresbericht zu 1186, das Breviarium Pisanae Historiae, ed. Muratori S. 191: 14 Calendas eiusdem mensis (= ian.) cardinalis Paulus Praenestinus episcopus in eadem ecclesia (der Kathedrale in Pisa) pontifex summus est electus. Neben der schottischen Chronik von Melrose (Chronica Mailros, ed. Stevenson S. 96 = Watterich, Pontificum Romanorum vitae, 2 S. 693, The Chronicle of Melrose, ed. Anderson/Anderson S. 46: 14 kalendas eiusdem [ = ian.] electus est) nennt auch Prior Honorius von Christ Church in Canterbury, der sich wegen des Streits mit seinem Erzbischof an der päpstlichen Kurie befand, im Schreiben an seinen Subprior Gaufried (Epistolae Cantuarienses, ed. Stubbs S. 137 Nr. 162) den Samstag nach dem Tod Gregors VIII. (17. Dezember 1187, vgl. Böhmer-Schmidt, Papstregesten Urban III., Nr. 1545) als Tag der Erhebung Clemens' III.: ... sequenti sabbato successit Paulus Praenestinus episcopus. In einem weiteren und wahrscheinlich gleichzeitig abgefassten Schreiben an denselben Adressaten (S. 136-137 Nr. 161) wird die Wahl auf den Samstag nach St. Barbara (16. Dezember) datiert: post festum b. Barbarae ... sequenti die sabbati in papam est electus. In seiner ohne Datum überlieferten Wahlanzeige an die Bischöfe in England (70) teilt Clemens III. selbst mit, daß ihm am dritten Tag nach dem Tod Gregors VIII. die Last des päpstlichen Amtes auferlegt worden sei, was man je nach Zählung sowohl auf den 19. als auch auf den 20. Dezember beziehen kann. Zum letztgenannten Termin (13 kalendas ianuarii) meldet Radulf von Diceto, Ymagines Historiarum, ed. Stubbs 2 S. 51 die Erhebung des neuen Papstes (substitutus est), ebenso wie Roger von Wendover, Flores historiarum, ed. Hewlett 1 S. 143) und Matthäus Parisiensis, Historia Anglorum, ed. Madden 1 S. 445, die beide den Terminus surrogatur verwenden. Angesichts der unspezifischen Wortwahl bleibt offen, ob diese drei englischen Quellen Wahl oder Inthronisation und Krönung des Papstes im Auge haben. Über den Verlauf der Wahl gibt keine Quelle genauere Auskunft. Ort der Wahl war nach dem oben zitierten Breviarium Pisanae Historiae, ed. Muratori S. 191 die Pisaner Bischofskirche. Gemäß dem Herkommen (ut moris est) sei Clemens gewählt und gekrönt worden, berichtet Roger von Howden, Chronik, ed. Stubbs 3 S. 102 = Watterich, Pontificum Romanorum vitae, 2 S. 699, wobei allerdings angesichts des Wahlorts außerhalb Roms improvisierte Wahlformen anzunehmen sind. Wenn der neugewählte Papst in seiner oben genannten Wahlanzeige sagt, die Wahl durch die Kardinäle (fratres nostri) sei rite prius omnibus celebratis erfolgt, so wird man daraus den Schluß ziehen dürfen, daß am Beginn des Wahlvorgangs die übliche Messe zu Ehren des Heiligen Geistes stand. Nach Ausweis der Kardinalsunterschriften im Zeitraum von Oktober 1187 bis Januar 1188 waren es nur 8 bzw. 9 Kardinäle, die mit Gregor VIII. von Ferrara nach Pisa zogen und von dort aus Clemens III. auf dem Weg nach Rom begleiteten. Sie dürften den kleinen Kreis seiner Wähler gebildet haben. Auffällig ist, daß die Annales Pegavienses, ed. Pertz S. 480, ed. Duchesne S. 349 = Watterich, Pontificum Romanorum vitae, 2 S. 693 den römischen Konsul Leo de Monumento (vgl. zu ihm Petersohn, Kaiser, Papst und Praefectura S. 166-171), der später an der Seite päpstlicher Gesandter mit Kaiser Friedrich Barbarossa verhandelte (vgl. Reg. 607), an der Wahl teilnehmen lassen: cardinales una cum Leone Monumenti eligerunt pontificem episcopum. Wie diese "Mitwirkung" (so Pfaff, Clemens III., S. 263) bei der Wahl, die nach Petersohn S. 168 sogar unter dessen "maßgebliche(m) Einfluß" erfolgt sei, ausgesehen hat, muß im dunkeln bleiben, vgl. dazu auch Petersohn, Kaisertum und Rom S. 309f. Eine in irgendeinem Sinne konstitutive Rolle ist selbstverständlich auszuschließen. – Vgl. zur Entwicklung der Papstwahl im 12. Jh. allgemein Zöpffel, Papstwahlen, Gussone, Thron und Schimmelpfennig, Papst- und Bischofswahlen, zur Wahl Clemens' III. Mann, Lives 10 S. 342-345, Wenck, PäpsteS. 433 und Pfaff S. 262f. Zur Wahl des Namens Clemens vgl. Hergemöller, Geschichte der Papstnamen S. 94f. Paulus Scolari war gebürtiger Römer (Catalogus imperatorum et pontificum Romanorum Cencianus, ed. Waitz S. 107 = Watterich, Pontificum Romanorum vitae, 2 S. 693: Clemens, natione Romanus de regione Pince, ex patre Iohanne Scolari et ex matre Maria) und seit 1176 Erzpriester von S. Maria Maggiore. 1179 wurde er zum Kardinaldiakon von SS. Sergio e Bacco, 1180 zum Kardinalpriester von S. Pudentiana und ein Jahr später (1181 Januar 4) zum Kardinalbischof von Palestrina (Präneste) promoviert. Zu seiner kirchlichen Laufbahn vgl. Geyer, Klemens III., S. 2f., Wenck S. 432-437, Kartusch, Kardinalskollegium S. 310-312, Pfaff S. 261f. und Williams, Papal Genealogy S. 25. Vielleicht gehörte er bereits nach dem Tod Urbans III. zum engeren Kreis der potentiellen Kandidaten für den Papstthron. Nach dem Bericht Peters von Blois, des Kanzlers des Erzbischofs Richard von Canterbury, habe Kardinalbischof Heinrich von Albano damals die Wahl des Kardinalbischofs Paulus für unmöglich erklärt, da dieser schwer krank und deshalb dem päpstlichen Amt nicht gewachsen sei: ... infirmatur gravissime et ad onus tantum insufficiens est (Epistolae Cantuarienses, ed. Stubbs S. 107-108 Nr. 135), vgl. Böhmer-Schmidt, Papstregesten Urban III., Nr. 1297. Merkwürdig und eher unglaubhaft erscheint der Bericht, den Prior Honorius von Christ Church in Canterbury in seinem oben genannten Schreiben an seinen Subprior (Epistolae Cantuarienses, ed. Stubbs S. 137 Nr. 162) über eine zunächst erfolge Wahl des Kardinalbischofs Theobald von Ostia und Velletri gibt. Danach sei zunächst dieser von den Kardinälen zum Nachfolger Gregors VIII. gewählt worden, habe die Wahl aber unter Seufzen und Tränen abgelehnt: Ostiensis quidem eadem die (19. Dezember) electus fuit, qui nullo modo onus et sollicitudinem illius suscipere voluit, sed prostratus ad pedes fratrum suorum, ne promoveretur, cum gemitibus et lacrymis misericordiam postulavit. Obwohl von dieser angeblichen Wahl Theobalds in keiner anderen Quelle berichtet wird, zweifelten Mann S. 342 und Wenck S. 430f. nicht am Wahrheitsgehalt dieses Berichts, der sich, da Honorius Zeuge der Ereignisse in Pisa war, in der Tat nicht leicht beiseite schieben lässt. Vielleicht aber gibt Honorius hier Ereignisse in verzerrter Form wieder, die sich im Vorfeld der Wahl bei der Nominierung der Kandidaten ereignet haben.

Nachträge

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Empfohlene Zitierweise

RI IV,4,4,4 n. 1, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/b73b9072-9258-4868-a1e8-3cf13f4e1d51
(Abgerufen am 18.11.2018).