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RI IV Lothar III. und ältere Staufer (1125-1197) - RI IV,4,4,3

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Albert, Kardinalpriester von S. Lorenzo in Lucina und päpstlicher Kanzler, wird am Tag nach dem Tod und der Beisetzung Papst Urbans III. (20. Oktober 1187) zum Papst gewählt.

Überlieferung/Literatur

Reg.: JL 2 S. 528 (J S. 866-867).

Kommentar

Wie bei allen Papstwahlen des späten 12. Jh. sind es nur wenige Quellen, die mehr als die bloße Tatsache der Wahl Gregors VIII. verzeichnen und präzisere Angaben zu seiner Erhebung und Weihe machen. Das genaue Datum, den Tag nach dem am 20. Oktober erfolgten Tod seines Vorgängers Urban III. (sequenti die, vgl. Reg. 1296), nennt Gregor VIII. selbst in seinem Schreiben von 1187 Oktober 27 an die deutsche Geistlichkeit (Reg. 1299). Den gleichen Termin nennen auch die Annales sanctae Trinitatis (Annales Veronenses), ed. Pertz S. 5: 13. Kal. Novembris hobiit Urbanus papa; alioque die Deo disponente domnus Albertus cancellarius est ordinatus, und die Chronik von Melrose (Chronica Mailros, ed. Stephenson S. 96): 12 kal. nov. Ebenfalls auf den 21. Oktober (den Mittwoch nach Urbans Tod) legt Prior Honorius von Christ Church in Canterbury die Wahl in seinem Schreiben an den Konvent in Canterbury: feria quarta dominus cancellarius in papam solemniter et concorditer est electus, et Gregorius octavus denominatus (Stubbs, Epistolae Cantuarienses, S. 106-107 Nr. 134). Das gleiche Datum nennen auch die Gesta regis Henrici secundi, ed. Stubbs 2 S. 14 (11 kalendas octobris), wenn man annimmt, daß statt octobris doch gewiß novembris zu lesen ist. Daß die Wahl am dritten Tag nach dem Tod Urbans erfolgt sei, glaubt Stubbs, Chronica, 1 S. 388 (= Watterich, Pontificum Romanorum vitae, 2 S. 684): ... successit in pontificatum die tertia. – Über Einzelheiten der Wahl wissen wir nichts. Feierlich und einmütig (solemniter et concorditer) sei sie erfolgt, berichtet Prior Honorius von Christ Church in seinem oben zitierten Schreiben. Von Uneinigkeiten im Vorfeld der Wahl weiß Alberich von Troisfontaines zu berichten. Nach ihm hätte eine Mehrheit der Kardinäle Kardinalbischof Heinrich von Albano wählen wollen, der aber unter Hinweis auf die Wichtigkeit seiner Kreuzpredigt und zur Vermeidung einer zwiespältigen Wahl auf seine Kandidatur verzichtet habe: Ibidem (in Ferrara) sanior pars cardinalium voluit dominum Henricum Albanensem quondam Clarevallis abbatem (in papam) eligere, sed timens et praecavens dissensionis periculum prosiliit in medium, dicens: 'se crucis Domini servum ad praedicandam crucem per gentes et regna praeparatum.' Electus est itaque in papam magister Albertus cancellarius et vocatus est Gregorius octavus (Albrici monachi Triumfontium Chronicon, ed. Scheffer-Boichorst S. 860f. = Watterich, Pontificum Romanorum vitae, 2 S. 684). Bestätigt und erweitert wird dieser Bericht Alberichs durch das Schreiben Peters von Blois, des Kanzlers des Erzbischofs Richard von Canterbury, an seinen Herrn. Danach habe sich die Wahl auf drei Kandidaten gerichtet. Neben Albert und Heinrich von Albano sei noch Kardinalbischof Paulus von Palestrina als Kandidat genannt worden. Heinrich habe in einer Ansprache an die Kardinäle nicht nur seine Kandidatur abgelehnt, sondern auch die des Kardinalbischofs Paulus für unmöglich erklärt, da dieser schwer krank und deshalb der Last des päpstlichen Amtes nicht gewachsen sei: ... infirmatur gravissime et ad onus tantum insufficiens est (Stubbs, Epistolae Cantuarienses, S. 107-108 Nr. 135). Über die Form der Wahl wissen wir so gut wie nichts. Nach Gregors Bericht wurde zunächst die übliche Messe zu Ehren des Heiligen Geistes gefeiert und dann die Wahl vorgenommen, die offenbar einstimmig (placuit omnibus) auf ihn fiel. Auffällig ist, daß Gregor selbst die Einholung der Willensäußerung der Bürger Ferraras (requisite fuissent civium voluntates) hervorhebt (Reg. 1299), wobei allerdings die von Watterich, Pontificum Romanorum vitae, 2 S. 686 Anm. 1 vorgeschlagene Emendation von civium zu cardinalium bedenkenswert bleibt. – Vgl. zur Entwicklung der Papstwahl im 12. Jh. allgemein Zöpffel, Papstwahlen, Gussone, Thron, und Schimmelpfennig, Papst- und Bischofswahlen, zur Wahl Gregors VIII. Nadig, Gregors Pontifikat S. 7-14, Mann, Lives, 10 S. 313f. und Wenck, Päpste S. 427-430. – Daß mit der Wahl Gregors eine bedeutsame Änderung der päpstlichen Politik gegenüber dem Kaiser vollzogen wurde, war bereits für Gervasius von Canterbury offensichtlich. Den Kardinälen sei bei ihrer Wahlentscheidung bewußt gewesen, daß Albert/Gregor schon immer auf Seiten des Kaisers gestanden sei, ja diesem sogar päpstliche Geheimnisse zugetragen habe: Sciebant enim cardinales, quod idem Albertus multam imperatoris haberet gratiam, eo quod, ipsius semper fovens partem, eidem omnia Romane curie revalaret secreta (Stubbs, Chronica, 1 S. 388 = Watterich, Pontificum Romanorum vitae, 2 S. 684). Daß Kaiser Friedrich Barbarossa über Gregors Wahl erfreut gewesen sei und die faktische Einschließung Veronas (vgl. dazu den Kommentar zu Reg. † 1278) aufgehoben habe, berichtet Robert von Auxerre: Audita eius promotione letatus est admodum Fredericus augustus, eo quod virum discretum et iusticie zelatorem cognosceret sibique benivolum et omnibus, si diu viveret, profuturum. Precepit quoque principibus et prefectis omnem ei reverentiam impendere et transeunti per terram suam de fisco proprio victualia ministrare (Roberti Autissiodorensis Chronicon, ed. Holder-Egger S. 252). In vielen Quellen wird der untadelige Charakter Alberts hervorgehoben, so etwa in der Chronik aus Laon (Ex chronico universali anonymi Laudunensis, ed. Waitz S. 450): vir magne sanctitatis et laudabilis parsimonie; in omnibus actibus suis religiosus fuit, oder im Andreae Danduli Venetorum Ducis Chronicon Venetum, ed. Pastorello lib. X c. 2 S. 270: sciencia et facundia clarus, puritate et integritate animi clarior. Vgl. hierzu und allgemein zu Gregor die veralteten Dissertationen von Nadig, Gregors Pontifikat und Kleemann, Gregor VIII. Zur kirch- lichen Karriere Gregors vgl. Mann, Lives, 10 S. 314-316 und S. 333-340, Dictionnaire de Théologie catholique 15 Sp. 1804-1805, Kehr, Papst Gregor VIII. als Ordensgründer S. 248-275 (S. 355-382), Kartusch, Kardinalskollegium, S. 75-79, Volkaerts, Grégoire VIII, Albert de Mora, chanoine Prémontré? S. 128-130, Sastre Santos, Alberto de Morra S. 369-392, Bautz, Kirchenlexikon 2 Sp. 316f., Kelly, Lexikon der Päpste S. 199f. und LexMA 4 Sp. 1671f. mit weiterer Literatur. Zur Wahl des Namens Gregor vgl. Hergemöller, Papstnamen, S. 94. Zu der ihm zugeschriebenen Forma Dictandi vgl. Dalzell, Forma Dictandi S. 440-465, die Zweifel an seiner Autorschaft äußert, und zu seiner kanonistischen Tätigkeit vgl. Weigand, Frühe Kanonisten, S. 143f.

Nachträge

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Empfohlene Zitierweise

RI IV,4,4,3 n. 1297, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/dea47105-7bdf-49e4-9677-a84840e73768
(Abgerufen am 22.09.2020).