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RI IV Lothar III. und ältere Staufer (1125-1197) - RI IV,4,4,3

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Urban III. schreibt Abt (Markward) von Garsten (D. Passau), dem Abt von Seitenstetten (D. Passau), Dompropst (Gundacger) von Salzburg und dem Propst von St. Florian (D. Passau) (Garstensi et Sitastensi abbatibus, Salzpurgensi et S. Floriani prepositis) aufgrund des an ihn gelangten Berichts, wonach Abt (Manegold) von St. Georgen (im Schwarzwald) (abbas S. Georgii) (D. Konstanz) zum Abt von Kremsmünster (in abbatem Chremis Monasterii) (D. Passau) gewählt worden sei; da dies aufgrund des Drucks einiger Laien erfolgt und zudem noch anderes gegen die Wahl des Abts vorgebracht worden sei, erklärt er mit dem Rat seiner Brüder, der Kardinäle, die Wahl für ungültig und beauftragt die Delegaten, sich nach Kremsmünster zu begeben und festzustellen, ob die Wahl kanonisch und ohne Druck erfolgt sei; sollte das der Fall sein, so sollen sie die Wahl bestätigen, dem Abt die Verwaltung des Klosters unter Ausschluß der Appellation übertragen und dafür sorgen, daß er sein bisheriges Kloster St. Georgen aufgibt und dieses nicht dadurch belastet, daß er ihm irgendwelche Güter entzieht; die Brüder von St. Georgen sollen sie dazu auffordern, sich einen neuen Abt zu wählen und jegliche Veränderung solle beiden Klöstern nützen.

Incipit:
Cum nostris fuisset olim auribus

Überlieferung/Literatur

Kopie 12. Jh., Kremsmünster, Stiftsbibl., Codex Cremifanensis 122 fol. 156'; Kopie 12./13. Jh., Salzburg, Bibl. der Erzabtei St. Peter, Cod. a VIII 18 fol. 88'; Kopie 14. Jh., Kremsmünster, Stiftsbibl., Codex Cremifanensis, Cimelium 3 fol. 64' (Liber de origine et ruina monasterii Cremifanensis).

Drucke: Pez, Thesaurus 6,2 S. 33 Nr. 53 (zu 1181); Pachmayr, Series abbatum Cremifanensis S. 96 (nur Auszüge); Hagn, Urkundenbuch Kremsmünster S. 57-58 Nr. 45 (zu 1186?); UB des Landes ob der Enns 2 S. 404-405 Nr. 274 (zu 1186); Buhlmann, Manegold von Berg /1/ S. 22-23 (deutsche Übersetzung).

Reg.: JL 15923 (J 9875) (zu 1186-1187); Melzer, Garsten S. 23 (war nicht zugänglich, so zitiert im Reg. der GP); GP I S. 214 Nr. 7 (zu 1186-1187); Buhlmann, Manegold von Berg /2/ S. 13 Q 15 und S. 44 R 17 (zu 1186-1187).

Kommentar

Zur Überlieferung vgl. Fill, Katalog Kremsmünster S. 42f. und S. 163. – Die Datierung dieses ohne Datum überlieferten und schon von JL und GP zu (1186-1187) gesetzten Stücks bereitet Schwierigkeiten. Der Inhalt und die vagen Formulierungen erwecken den Anschein, es könnte die erste Urk. Urbans III. in dieser Angelegenheit sein, der sich hier vorsichtig bemühe, nochmals den Streit aufzurollen, obwohl sein Vorgänger Lucius III. in Böhmer-Baaken-Schmidt, Papstregesten Lucius' III. 2, Nr. 1604 von 1185 April 29 schon eindeutig gegen Manegold Stellung bezogen hatte. Jedoch ist es unmöglich, dieses Stück in die kurze Zeit nach dem Tod Lucius' III. und vor die Schreiben Urbans III. von 1185 Dezember 13 (Reg. 10, Reg. 11, Reg. 12 und Reg. 13) zu setzen, in denen Urban energisch gegen Manegold und dessen Bruder, Bischof Diepold von Passau, vorgeht. Die Möglichkeit, diese vier Mandate erst auf 1186 Dezember 13 zu datieren, verbietet sich somit aus inhaltlichen Gründen. Die Bernardi Cremifanensis Historiae, ed. Waitz S. 672 berichten, daß die Streitigkeiten unter Urban III. beigelegt worden seien und Manegold das Abbatiat in Kremsmünster 23 Jahre innegehabt habe. Buhlmann, Päpste S. 29 nimmt als Ergebnis der Untersuchung der hier beauftragten Richter an, daß 'Manegold weiter Abt in Kremsmünster bleiben konnte' und sich zudem 1190 das Abbatiat in Tegernsee verschafft habe. Als Abt von St. Georgen ist er letztmals 1193/1194 belegt (Buhlmann, Manegold von Berg /2/ S. 20 Q 21 [R 31]). Die Annales sancti Georgii in Nigra Silva, ed. Pertz S. 297 (deutsche Übersetzung bei Buhlmann, St. Georgen S. 28) berichten jedoch schon zu 1187, daß Manegold die Abtswürde in St. Georgen aufgegeben habe und ihm ein Albert nachgefolgt sei (Manegoldus resignavit abbatiam, cui successit Albertus), vgl. Buhlmann, Manegold von Berg /2/ S. 44 R 19. Ob dieser Widerspruch so zu lösen ist, daß das Abbatiat Manegolds von einem ansonsten unbekannten Albert ca. 1187-1191 unterbrochen wurde, muß offen bleiben, vgl. Buhlmann, Manegold von Berg /2/ S. 45 R 27. In der Urk. Clemens' III. von 1190 Februar 6 (JL 16469, GP II,1 S. 179 Nr. 27, Braun, UB St. Blasien 1 S. 326-327 Nr. 242) erscheint Manegold jedenfalls als Abt von St. Blasien. Eine befriedigende Lösung dieses Problems scheint derzeit nicht möglich, die Einordnung dieser Urk. erfolgt deshalb zu (1186-1187). – Erwähnt werden diese Ereignisse auch in der Historia Cremifanensis, ed. Waitz S. 633f., im Bernardi liber de origine et ruina monasterii Cremifanensis, ed. Waitz S. 645 (wo das Recht der Abtwahl in decretalibus litteris de hoc datis erwähnt wird, womit wohl dieses Stück gemeint ist) und S. 650, in den Bernardi Cremifanensis Historiae, ed. Waitz S. 658 und S. 672 sowie in den Annales Mellicenses, Auctarium Cremifanense, ed. Wattenbach S. 554. Zur Sache vgl. Strasser, Kremsmünster 1 S. 307-310, Hartenschneider, Kremsmünster S. 41f., Pösinger, Kremsmünster S. 103-105, Hageneder, Gerichtsbarkeit S. 33, Boshof, Regesten Passau 1 S. 276-277 Nr. 905, Zurstrassen, Passauer Bischöfe S. 139 und Buhlmann, Manegold von Berg /1/ S. 20-24.

 

Verbesserungen und Zusätze (2014):

Die Urk. ist im Internet als Text nach dem Druck im UB des Landes ob der Enns 2 ver-fügbar (/http://monasterium.net). Zur Sache vgl. jetzt auch Murauer, Papsttum und Salzburg S. 395f.

 

 

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Empfohlene Zitierweise

RI IV,4,4,3 n. 1256, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/c5b3b9bc-c263-47b6-80f9-fd02011143c7
(Abgerufen am 23.10.2018).