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RI IV Lothar III. und ältere Staufer (1125-1197) - RI IV,4,4,3

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Gregor VIII. berichtet Kaiser Friedrich (I.) (Friderico illustri regi Romanorum imperatori semper augusto), daß die Boten des Kaisers, Bischof O(tto von Bamberg) und Abt S(iegfried) von Hersfeld (Erzd. Mainz) (O. Brandenburgensis [sic] episcopus et S. abbas Hersfeldensis), die an Gregors Vorgänger Urban III. entsandt worden waren, bei ihm eingetroffen seien und ihre Aufträge vorgebracht hätten; der Papst äußert seine Freude über die kaiserliche Friedensbereitschaft, die auf Seiten des Papstes stets bestanden habe, hält es jedoch nicht für ratsam, bevor der Kaiser auf die Vorladung der Kirche sich gestellt habe, einen Vertrag (tractatum) abzuschließen, durch den er in unziemlicher Weise und gegen seine priesterliche Würde sich um die Gunst der Kaisers zu bemühen scheine; er hoffe, dem Kaiser wie auch anderen Großen keinen Anlaß zu geben, in ihrer Ergebenheit gegenüber der Kirche nachzugeben, da ihm bewußt sei, daß er nur mit Hilfe der Großen die Last seines Amtes tragen und den Gefahren, die derzeit die Christenheit bedrohten, entgegentreten könne; der Papst hofft, daß den Worten der Boten und des Briefes die entsprechenden Taten folgen werden; was der Kaiser von der vorgenommenen Exkommunikation zu halten habe, solle ihn die Tat lehren; der Papst werde jedenfalls so handeln, daß die Kirche keinen Schaden dadurch erleide.

Originaldatierung:
Dat. Parme 3 kal. dec. ind. 6.
Incipit:
Venientes ad nos imperialis magnificentie

Überlieferung/Literatur

Kopie 12. Jh., Magdeburg, Landeshauptarch. Sachsen-Anhalt, Rep. Cop. Nr. 375a fol. 46 (Codex Viennensis).

Drucke: Ludewig, Reliquiae manuscriptorum 2 S. 425-426 Nr. 157; Watterich, Pontificum Romanorum vitae, 2 S. 688-689 (nach Ludewig); Mansi, Collectio 22 Sp. 533-534 (nach Ludewig); Migne, PL, 202 Sp. 1558 Nr. 18 (nach Mansi); Weiland, MGH Const. 1,S. 585-586 Nr. 410.

Reg.: JL 16071 (J 10007); Raumer, Regesta Historiae Brandenburgensis S. 254-255 Nr. 1547; Nadig, Gregors Pontifikat S. 64; GP III S. 280 Nr. 99; Möllenberg, Codex Viennensis S. 165 Nr. 78; Balladore Pallieri/Vismara, Acta pontificia iuris gentium S. 391 Nr. 69; GP IV S. 285 Nr. *29; Böhmer-Opll, Regesten Friedrichs I. 4 Nr. 3115.

Kommentar

Zur kaiserlichen Gesandtschaft, die im März/April 1187 noch an Urban III. entsandt wurde und die laut dem Bericht der Annales Magdeburgenses, ed. Pertz S. 195 (= Watterich, Pontificum Romanorum vitae, 2 S. 685, vgl. auch GP III S. 279 Nr. *97 und GP IV S. 285 Nr. *28), erfolgreich gewesen sei (Imperator pro pace formanda nuncios, quos pridem [nämlich die Bischöfe Gottfried von Würzburg, der jedoch nicht nach Verona reiste, und Otto von Bamberg sowie den Abt von Hersfeld] Urbano pape misit. Urbanus papa apud Ferrarium migravit, cui Gregorius substituitur, prius cancellarius. Qui et ipse legatione imperatoris optime suscepta pacem ... accepit et firmavit), vgl. Scheffer-Boichorst, Friedrich' I. letzter Streit S. 176-178 und richtigstellend Kauffmann, Italienische Politik S. 134f. sowie Böhmer-Opll, Regesten Friedrichs I. 4 Nr. 3058. Zur Sache vgl. allgemein Toeche, Heinrich VI. S. 79, S. 82 und S. 87f., Scheffer-Boichorst S. 147f. und S. 151f., Nadig, Gregors Pontifikat S. 19, Haller, Heinrich VI. und die römische Kirche S. 449f., Kauffmann S. 137-139 und Opll, Friedrich Barbarossa S. 158f. Zum Titel des Kaisers vgl. Schwarz, HerrschertitelS. 120 und S. 333. Der dunkle Passus über eine vom Papst vorgenommene Exkommunikation (... quod de nostra debeat excommunicatione sentire...) kann sicherlich keine von Gregor oder seinem Vorgänger Urban III. vorgenommene Exkommunikation des Kaisers belegen, vgl. zu Urbans diesbezüglichen Absichten Reg. 96. Ob diese Anspielung auf die von Urban III. wohl im Sommer 1186 vorgenommene Exkommunikation des kaiserlichen Marschalls Heinrich (III.) Testa von Pappenheim zielt, der laut den Annales Mellicenses, Continuatio Zwetlensis altera, ed. Wattenbach S. 543 einen kurialen Parteigänger verstümmelte, muß ebenfalls offen bleiben, vgl. Reg. 232. – Vgl. hierzu auch das päpstliche Schreiben an König Heinrich VI. vom gleichen Tag (Reg. 1376).

Nachträge

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Empfohlene Zitierweise

RI IV,4,4,3 n. 1394, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/b16802fa-358c-4b7d-b9bc-6b8cf027da7f
(Abgerufen am 22.10.2021).