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RI IV Lothar III. und ältere Staufer (1125-1197) - RI IV,3, Nachträge

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König Heinrich durchzieht die Campagna (Campaniam) und belagert neun Tage lang Ferentino (Ferentinum).

Überlieferung/Literatur

Erwähnt in den Annales Ceccanenses zu 1186 ed. Pertz S. 288.

Kommentar

Zu diesem Zug Heinrichs Toeche, Heinrich VI., S. 61. Der von den Annalen dabei geschilderte Zweikampf des Malpensa mit einem deutschen Ritter vor Guarcino wurde von Floridi S. 115 ff. ausführlich behandelt; vgl. dazu Csendes, Heinrich VI. S. 64 ff., S. 221. Doch dürfte dieser Marsch von Orvieto (vgl. B-Baaken, Nr. 11) bis zu der Rückkehr nach Gubbio (vgl. B-Baaken, Nr. 12) zuzüglich der 9-tägigen Belagerung Ferentinos und der misslungenen Eroberung von Fumone, also in 12 Tagen während des Hochsommers über einen Weg von ca. 430 km Luftlinie, kaum stattgefunden haben, vgl. Elze, Über die Leistungsfähigkeit S. 9 ff. und Seltmann, Heinrich VI., S. 66, die – allerdings für Deutschland – eine durchschnittliche Reisegeschwindigkeit von 25 km pro Tag ermittelt hat. In Ferentino hielt sich Heinrich erst 10 Jahre später auf (vgl.B-Baaken, B-Baaken, Nr. 573a und B-Baaken, Nr. 574). Andererseits ist den von Toeche S. 60 Anm. 2 genannten Quellen durchaus Glauben zu schenken, die überliefern, der Kaiser habe seinem damals in Tuscien weilenden Sohn befohlen (vgl. B-Opll, Nr. 2992 und N81) das dem Reich durch die päpstliche Weihe des Trierer Archidiakons Folmar zum Erzbischof angetane Unrecht zu rächen, was der König durch diesen Zug in die Campagna ausgeführt und wodurch er den Verkehr mit der Kurie unterbunden habe, die sich damals in Verona befand, vgl. die Bemerkung der Gesta Treverorum cont. III S. 385: nullique securus transitus dabatur eundi aut redeundi ad apostolicam sedem. Die in B-Baaken, Nr. 83 vorliegende Liste der königlichen Restitutionen, aus der sich Heinrichs VI. Eroberungen teilweise erkennen lassen, nennt Ferentino übrigens nicht, zeigt aber, dass Heinrich sich im wesentlichen im nördlichen Teil der mittelalterlichen Campagna Romana aufgehalten hat, vgl. zu ihrer Erstreckung Tommasetti, Campagna 1 S. 94 f. Dazu passt, dass von Graf Heinrich von Rockenberg (comes nomine Henricus Rocisburgae), der nach derselben Quelle die Gegend um Bauco (Babuco) und Pofi (terrae Pufanae) heimsuchte, bemerkt wird, er habe sich von dem königlichen Heer entfernt (discedens a rege cum magna parte exercitus rege); vgl. zu Heinrichs VI. Zug Petersohn, Kaisertum, S. 299. Auf diesen Kriegszug bezieht sich auch Urban III. (vgl. B-Schmidt, Nr. 195 mit Anmerkungen) in seinem Brief an Friedrich von (1186) Juni 18, Verona (vgl. B-Opll, Nr. 3001). Der darin genannte Ministeriale Heinrichs VI. namens Walter, der in Tuscien wirkte, dürfte mit dem Ministerialen Walter von Ranschbach, dem von Heinrich eingesetzten Amtsgrafen von Siena, identisch sein (vgl. N75). Die Vorwürfe Urbans III. berühren gar nicht die in den Annales Ceccanenses genannten Orte südlich von Rom.

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Empfohlene Zitierweise

RI IV,3,2 n. N84, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/c3b9d960-73bf-4a39-bfc5-07c18067d812
(Abgerufen am 22.08.2018).