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RI IV Lothar III. und ältere Staufer (1125-1197) - RI IV,2,4

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Friedrich berichtet seinem Sohn König Heinrich (VI.) auf dessen Wunsch ausführlich über den Verlauf des Kreuzzuges: Seit dem Eintritt in das Reich des byzantinischen Kaisers (fratris nostri imperatoris Constantinopolitani) habe es viele von diesem veranlasste Angriffe auf das Kreuzheer, Raub und Tötung der Seinen gegeben, wobei man auf der Reichsstraße (penes publicam stratam) aus dem Hinterhalt mit vergifteten Pfeilen überfallen worden sei. Man habe sich dagegen aber erfolgreich zur Wehr gesetzt. An einem einzigen Tag seien 32 Mann an einem Galgen hingerichtet worden (uno patibulo XXXII more lupino suspensi). Beim Zug durch den Bulgarischen Wald sei man von den nicht gefassten Missetätern durch nächtliche Raubüberfälle gestört worden, obwohl etliche dieser Angreifer vom Kreuzheer gemartert (und getötet) worden seien (…, quamvis innumerabiles variis tormentorum generibus ab exercitu nostro vicissim miserabiliter sint cruciati.). Der byzantinische Kaiser scheue nicht davor zurück, die von seinem Kanzler zu Nürnberg geleisteten Eide (Reg. 3214) zu brechen, bereite ihm alle erdenklichen Schwierigkeiten, und er habe sogar angeordnet, Befestigungen in Bulgarien gegen das Kreuzheer zu verstärken. Er selbst (= Friedrich) sei aber erfolgreich mit Waffengewalt und Feuer gegen diese Befestigungen vorgegangen, habe nach Überwindung der Pässe (clausuris) die fruchtbare Ebene bei Circuitz (wohl: Pazardčik, siehe dazu oben Reg. 3391) erreicht und so für den Zug durch Bulgarien sechs Wochen gebraucht. Schließlich sei er nach Philippopel gelangt, das als von seinen Einwohnern verlassen besetzt worden sei. Tags darauf habe er ein trügerisch abgefasstes Schreiben des byzantinischen Kaisers erhalten (Reg. 3393) und dann erst von der Gefangennahme seiner Legaten, Bischof (Hermanns) von Münster, Graf Ruperts (von Nassau) und Kämmerer Markwards (von Neuenburg) erfahren, die der byzantinische Kaiser, als er selbst noch in Ungarn weilte, contra ius universarum nationum et legatorum habe einkerkern lassen. Als Vergeltung habe das Kreuzheer in der Folge mit der Verwüstung von Städten, Burgen und Dörfern begonnen, bis der byzantinische Kaiser schließlich in einem Schreiben (vgl. Regg. 3403 und 3404) die Entlassung und Rückkehr der Legaten angekündigt habe. In der Strenge des Winters habe der byzantinische Kaiser dann nach längeren Verhandlungen abermals sicheren Durchzug, die Stellung von Schiffen sowie Verpflegung versprochen, vom Geld der freigelassenen Legaten aber mehr als 2.000 Mark zurückbehalten. Der Sohn des Kaisers, Herzog (Friedrich) von Schwaben, habe bis zum Einsetzen frühlinghafter Witterung Aufenthalt in der Stadt Veroi (wohl: Berrhoë, siehe dazu oben Reg. 3399), etwa zehn Meilen von Philippopel entfernt, genommen. Da die Überfuhr über die Dardanellen nur durch Stellung von Geiseln von Seiten des byzantinischen Kaisers wie auch mit der Unterwerfung der ganzen Romania gesichert werden kann, beauftragt er König Heinrich, Gesandte nach Genua, Venedig, Ancona und Pisa zu schicken, um für den für Mitte März geplanten Angriff auf Konstantinopel eine italienische Kriegsflotte zu sammeln. Weiters möge er ihm (= dem Kaiser) schuldige und noch ausstehende Gelder, darunter solche aus Ancona, Metz, Bremen und solche von Seiten des Grafen von Honau (Hennegau?), mit Rat des Kanzlers (Johannes), des H., des Werner von Bolanden und seines Notars Richolf eintreiben und im Hause seines venezianischen Gastgebers Bernhard deponieren lassen. Diese Mittel sollen nach Tyrus gebracht und dort bereitgestellt werden. Die Geistlichkeit des Reiches möge für den Kaiser beten, gegen Übeltäter ist streng vorzugehen. Heinrich möge den Papst (Clemens III.) auffordern, Kreuzzugsprediger gegen die Griechen (Byzantiner) in die Provinzen der Kirche zu entsenden, da der Patriarch (Dositheus) von Konstantinopel in Gegenwart seiner Legaten, Bischof (Hermanns) von Münster und seiner Gefährten, in einer Predigt in der Hagia Sophia öffentlich zur Tötung der Kreuzritter aufgerufen habe. Die Pfalzen zu Kaiserswerth und Nimwegen mögen fertig gestellt und gut bewacht werden. Bisher habe er mehr als hundert Kreuzfahrer (peregrinos) verloren und Pferde eingebüßt. Viele Kreuzfahrer, darunter solche aus der Provence und aus Soest, die ihm nach Konstantinopel entgegengezogen seien, werden dort in Haft gehalten. Der Aufenthalt in Philippopel dauere nun bereits zwölf Wochen, und von Philippopel bis nach Konstantinopel seien die Städte und Burgen völlig von ihren Einwohnern verlassen. – Nach der engen stilistischen Verwandtschaft mit DD.1008 und 1010 wohl von Gottfried K verfasst. Excellentię tuę litteras.

Incipit:
Excellentię tuę litteras
Schreiber:
Nach der engen stilistischen Verwandtschaft mit DD.1008 und 1010 wohl von Gottfried K verfasst

Überlieferung/Literatur

Kop.: Historia de expeditione Friderici imperatoris (sog. Ansbert), Abschrift des 13. Jh., wahrscheinlich vor 1221, Cod. Strahoviensis D F III 1 f. 100‘, heute im Museum der Nationalliteratur (Památník národního písemnictví) zu Prag, nur der Anfang bis occurrit, quod, da die zwei folgenden Blätter herausgerissen wurden (S); zwei Abschriften des vollständigen Cod. Strahoviensis, angefertigt im 18. Jh. im Auftrag des späteren Abtes des Klosters Rajhrad (Raigern) in Mähren, Bonaventura Piter (†1764), fehlerhaft und zum Teil von Piter korrigiert, Staatsarchiv Brünn, Fonds E 6, Benediktiner in Raigern (Rajhrad), H e 44, S. 32–35 und H e 44bis, S. 33–37 (PP1). Drucke: Hist. de expeditione Friderici imperatoris, ed. Chroust, MG. SS rer. Germ. N.S. 5, 40 (deutsche Übersetzung von Bühler, Der Kreuzzug Friedrich Barbarossas, 2002, 95 ff.); MG.DF.I.1009. Reg.: Stumpf 4529.

Kommentar

Zur Überlieferung und zur diplomatischen Kritik vgl. die Vorbemerkung zum D.; die Auffassung Chrousts (Einleitung, XLIV), der Diktator der Briefe DD.1008–1010 sei mit dem Autor der Historia de expeditione Friderici gleichzusetzen, ist zurückzuweisen, da der Sachverhalt durchaus auch in der Form erklärt werden kann, dass dem Historiographen bei der Abfassung seines Werkes der Wortlaut des Schreibens an König Heinrich zugänglich war. – Der Brief muss nach dem Hinweis auf den bereits zwölfwöchigen Aufenthalt zu Philippopel (vgl. Regg. 3392 und 3396) und der Abreise zweier kaiserlicher Boten am 19. November (Reg. 3414), von denen einer König Heinrich informieren sollte, zwischen dem 16. und 19. November ausgefertigt worden sein. Allerdings ist die in den Drucken von Heda und Reiffenberg aufgenommene Datierung (Datum Philippopoli XVI kal. decemb. anno ab incarnatione domini MCLXXXIX.) sicherlich eine spätere Zutat. – Da sich der Kaiser am 5. November von Philippopel nach Adrianopel begeben hat (vgl. Regg. 3407 und 3408 sowie 3413), ist der Ausstellungsort des Schreibens nicht mit Sicherheit anzugeben. Zimmert, Der deutsch-byzantinische Konflikt, Byzantin. Zs. 12 (1903) 61 ff., folgt noch der Überzeugung, das Schreiben sei aus Philippopel abgegangen. – Zum Inhalt des Schreibens vgl. auch Dietpoldi epistola (Chron. Magni presbiteri), MG. SS XVII, 519. – Hucker, Zahlungen Bremer Bürger, Bremisches Jb. 65 (1987) 134 ff., vermutet hinter dem nur mit dem Anfangsbuchstaben „H.“ genannten, mit der Eintreibung ausständiger Gelder Beauftragten den Kämmerer Heinrich von (Kaisers-)Lautern, und er nimmt bei dem Notar Richolf eine Verschreibung statt richtig: Rudolf (Protonotar Heinrichs VI. und ab 1189 Bischof von Verden) an. – Die Identifizierung des unter die Schuldner des Kaisers gezählten Grafen von Honau mit dem Grafen von Hennegau (zu dem von diesem zu leistenden Zahlungen vgl. oben Reg. 3199) nimmt Bühler in seiner Übersetzung des Ansbert (a.a.O., 98) vor. – Zur Persönlichkeit Bernhards, des venezianischen Gastfreundes des Kaisers, vgl. von Stromer, Bernardus Teotonicus, in: Beiträge zur Handels- und Verkehrsgeschichte (Grazer Forschungen zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte 3, 1978) 6, sowie oben bei Reg. 2282. – Zu einem weiteren, freilich nur in verstümmelter Form überlieferten Schreiben des Kaisers an seinen Sohn siehe unten Reg. 3443. – Zu den Pfalzen Kaiserswerth und Nimwegen vgl. oben Reg. 2776 sowie Zettler, Inschriften an staufischen Pfalzen und Burgen, in: Herzner – Krüger – Staab (Hgg.), Kunst der Stauferzeit im Rheinland und in Italien (2003) 51 ff., Biller, Kaiserslautern, in: Neue Forschungen zum frühen Burgenbau (Forschungen zu Burgen und Schlössern 9, 2006) 153–166, und zuletzt die Hinweise bei Grewe, Visualisierung von Herrschaft, in: Staufisches Kaisertum im 12. Jahrhundert, hg. von Burkhardt, Metz, Schneidmüller und Weinfurter (2010) 396–400.

Nachträge

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Empfohlene Zitierweise

RI IV,2,4 n. 3411, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1189-11-19_1_0_4_2_4_841_3411
(Abgerufen am 20.07.2019).