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RI IV Lothar III. und ältere Staufer (1125-1197) - RI IV,2,4

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Bischof Heinrich von Straßburg fällt in Gegenwart Kaiser Friedrichs (Residentibus nobis in presentia domini nostri imperatoris) und anderer Bischöfe und Mitbrüder sowie zahlreicher Edelfreier auf Klagen Bischof Rogers von Lausanne gegen den Kaiser, der in der Zeit seines Vorgängers, Bischof Amadeus’ von Lausanne, die Stellung von dessen Kirche in Abwesenheit des damaligen Bischofs und ohne dass dieser geladen worden wäre durch Übertragung von deren Regalien an Herzog Berthold (von Zähringen) gemindert hat (vgl. Reg. 424), und nach der Vorbringung weiterer Beschwerden Bischof Rogers gegen Rechtsverletzungen durch den abwesenden Herzog Berthold auf Verlangen des Kaisers (super his dominus imperator a nobis sententiam quesivisset), der betont, in Abwesenheit des Herzogs im Gericht nicht Rede stehen zu können, eine Sentenz, die folgendermaßen lautet: Der Kaiser hat sich betreffs der gegen ihn vorgebrachten Klagen des Bischofs auch in Abwesenheit des Herzogs zu rechtfertigen; hinsichtlich der vom Bischof von Lausanne gegen den Herzog vorgebrachten Klagen über das seiner Kirche zugefügte Unrecht müsse aber das Erscheinen des ordnungsgemäß geladenen Herzogs abgewartet werden. Diesem Spruch stimmen Erzbischof (Theoderich) von Besançon, die Bischöfe (Ulrich) von Speyer und (Arducius) von Genf zu. Als dann Bischof (Heinrich) von Basel um seine Zustimmung gebeten wird, urteilt dieser, der Kaiser hätte die Regalien dem Herzog nicht geben dürfen und können; da jedoch gesagt worden sei, der Herzog hätte sie vom Kaiser erhalten, dürften sie diesem nur in Anwesenheit oder bei Missachtung einer Ladung wieder abgenommen werden. Dieser Sentenz stimmt auch eine große Anzahl von Laien zu.

Überlieferung/Literatur

MG. Const. 1, 387 no 281; Gallia christ. XV, Instrumenta, Sp. 155 no 34 (zu 1179); Fontes rerum Bernensium 1, 460 no 66. Regg.: Wentzcke, Reg. Straßburg no 628 (zu 1181–1186); Diestelkamp – Rotter, Urkundenregesten 1, 370 no 470 (zu 1184 Januar?); Stumpf 4564a (zu ca. 1181).

Kommentar

Die Datierung richtet sich nach der Regierungszeit Bischof Heinrichs von Straßburg, der sein Amt um die Jahreswende 1180/81 (nach 1180 Dezember 17) antrat (vgl. dazu Wentzcke, a.a.O.), und dem kaiserlichen Itinerar. In diesen Konflikt hatte bereits Papst Alexander III. am 17. Oktober 1179 – dem Tag, an dem Bischof Roger von Lausanne das Pallium erhielt – allerdings zu Gunsten des Kaisers und des Herzogs eingegriffen, vgl. dazu Fontes rerum Bernensium 1, 460 Anm. 1. – Vgl. dazu auch eine weitere Sentenz Bischof Heinrichs von Straßburg, in der er inquisitus a domino imperatore per fidelitatem das folgende Urteil fällt (Sources du droit de Vaud 1 = Sammlung Schweizerischer Rechtsquellen 19, 1977, 8 no 10 [zu circa 1180]): Der Kaiser darf Herzog Berthold das Regalienrecht über Lausanne nicht übertragen und es der Kirche entziehen, doch darf dies nicht in Abwesenheit des Herzogs rückgängig gemacht werden. Diesem Urteil stimmen Erzbischof (Eberhard) von Besançon, die Bischöfe (Arducius) von Genf und (Ulrich) von Speyer sowie zahlreiche Laien zu. – Zu Roger von Vico Pisano, dem Bischof von Lausanne, vgl. Mariotte, Le schisme de 1159, AfD 18 (1972) 303 ff., des Weiteren vgl. auch die bei Reg. 424 angeführte Literatur.

Nachträge

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Empfohlene Zitierweise

RI IV,2,4 n. 2748, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1184-01-00_1_0_4_2_4_169_2748
(Abgerufen am 07.06.2020).