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RI IV Lothar III. und ältere Staufer (1125-1197) - RI IV,2,3

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An diesem Tag wird der Friede mit der Kirche öffentlich verkündet. Der Papst nimmt Friedrich als allerchristlichsten Kaiser, dessen Gemahlin Beatrix als Kaiserin und dessen noch minderjährigen Sohn Heinrich (VI.) als König an. Nachdem Papst Alexander (III.) bereits um die erste Stunde in S. Marco eingetroffen ist, begibt sich auch Friedrich vom Dogenpalast dorthin, und man betritt nach Leistung des Stratordienstes gemeinsam die völlig überfüllte Kirche, wobei der Herrscher den Stab (virga) zur Hand nimmt, die Laien aus dem Chor weist und den Papst gleichsam wie ein ostiarius zum Altar geleitet. Alexander zelebriert dort gemäß dem Wunsch des Kaisers (vgl. Reg. 2282) ein Hochamt, das vom deutschen Klerus, der an diesem Tag das Sängeramt ausübt, gestaltet wird. Friedrich weilt während der Messe im Chor von S. Marco. Nach der Lesung betritt der Papst die Kanzel und hält die Predigt, die er durch Patriarch (Udalrich) von Aquileia für den Kaiser ins Deutsche übersetzen läßt. Nach dem Evangelium und der Predigt betreten auch der Kaiser und der Patriarch von Aquileia die Kanzel, von der aus der Friede öffentlich verkündet wird. Danach tritt der Kaiser mit seinen Fürsten abermals vor den Papst, küßt ihm die Füße und überreicht ihm aus seinen Schätzen Ehrengeschenke, darunter ein Pfund Gold. Der Papst spendet dem Herrscher die hl. Kommunion. Nach dem Ende der Messe nimmt der Kaiser den Papst an der Rechten, geleitet ihn aus der Kirche hinaus und führt den Schimmel des Papstes am Zügel (Stratordienst). Sowohl der Kaiser wie auch der Papst kehren danach in ihre Quartiere zurück.

Überlieferung/Literatur

Boso, ed. Duchesne, 440; Romuald von Salerno, ed. Garufi, Rer. Ital. SS N.Ed. VII/1, 285; De pace Veneta relatio, MG. SS XIX, 463; Ann. Pisani, ed. Gentile, Rer. Ital. SS N.Ed. VI/2, 62; Ex Gaufredi de Bruil prioris Vosiensis Chronica, MG. SS XXVI, 203; Ex gestis Henrici II. et Ricardi I., MG. SS XXVII, 97; Ex Radulfi de Diceto Ymaginibus historiarum, MG. SS XXVII, 270; vgl. auch die Angaben in dem Schreiben Alexanders III. an Erzbischof Roger von York (Eboracensi), seinen Legaten, und an Hugo von Durham (Dunelmensi) von 1177 Juli 26, Venedig, ed. Posse, CD. Sax. reg. I/2, 287 no 415 (Jaffé-L. 12.891 zum 21. Juli), sowie die Angaben in einem Schreiben dreier Römischer Kanoniker und Subdiakone von (1177 zwischen August 1 und 14) über den Friedensschluß in Venedig, ed. Simonsfeld, Forschungen, SB.d.bayer.Akad.d.Wiss. phil.-hist.Kl. 1897/2 (München 1898) 190 ff. (hier: 192 f.), aus denen hervorgeht, daß der Stratordienst offensichtlich doch geleistet wurde; vgl. auch die bei Reg. 2282 angeführte Überlieferung.

Kommentar

Vgl. die bei Reg. 2282 zitierte Literatur. — Die Nachricht über die Rückkehr von Papst und Kaiser in ihre Quartiere findet sich bei Romuald von Salemo.

 

Verbesserungen und Zusätze (2011):

Das Ende des Schismas (Reg. 2282) wird auch in der Datierung einer Urkunde des Propstes Konrad und des Konvents von Polling über ein Tauschgeschäft mit Bischof Albert von Freising von 1177 (Beurkundung) bzw. (1178) April 12, Freising, erwähnt, vgl. Weissthanner – Thoma – Ott (Bearb.), Regesten der Bischöfe von Freising, Bd. I (Regesten zur Bayerischen Geschichte [4], 2009) Nr. 562: … factumque est idem concambium anno … MoCLXXVIIo, quo anno terminatum est scisma, quod fuit inter Imperium et Romanam ecclesiam, … – Zum Frieden von Venedig vgl. auch Hack, Empfangszeremoniell (Forschungen zur Kaiser- und Papstgeschichte des Mittelalters 18, 1999) 648 ff., sowie die Beiträge von Weinfurter, Venedig 1177, von Georgi, Wichmann, Christian, Philipp und Konrad, von Plassmann, Barbarossa und sein Hof, von Laudage, Gewinner und Verlierer, sowie von Scholz, Symbolik und Zeremoniell, alle in: Stauferreich im Wandel, hg. von Weinfurter (Mittelalter-Forschungen, 9, 2002) 9 ff., 41 ff., 85 ff., 107 ff. und 131 ff.; des weiteren vgl. Görich, utpote vir catholicus, in: Von Sachsen bis Jerusalem. FS. für Wolfgang Giese zum 65. Geburtstag (2004) 251 ff., der u. a. auf die – gegenüber Simonsfeld – bessere Edition des Briefes dreier römischer Kanoniker in: Marin Sanudo, ed. Monticolo, Rer. Ital. SS N.Ed. XXII/4, 326 ff., hinweist.

Nachträge

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Empfohlene Zitierweise

RI IV,2,3 n. 2283, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1177-07-25_1_0_4_2_3_511_2283
(Abgerufen am 14.12.2018).