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RI IV Lothar III. und ältere Staufer (1125-1197) - RI IV,2,2

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Friedrich stimmt auf dem Reichstag zu Würzburg dem Vorschlag Erzbischof Rainalds von Köln zu, er (der Kaiser) solle sich eidlich verpflichten, Roland (Alexander III.) niemals anzuerkennen, sondern Papst Paschal III. und dessen von seiner (Paschals) Seite gewählten Nachfolgern anzuhängen, und dieser Eid solle auch von seinem (des Kaisers) Nachfolger sowie den geistlichen und weltlichen Fürsten des Reiches geleistet werden. Grund dafür ist nicht zuletzt der Umstand, daß Rainald gegen die starke alexandrinische Anhängerschaft unter den deutschen Bischöfen - die Erzbischöfe Konrad von Mainz, Hillin von Trier, Konrad von Salzburg und Wichmann von Magdeburg - auf das Bündnis mit dem englischen König (vgl. Reg. 1470) hinweisen kann. Als Rainald sich freilich weigert, gemäß der Aufforderung Wichmanns von Magdeburg die Priester- und Bischofsweihe zu empfangen, zürnt Friedrich Rainald zunächst außerordentlich. Rainald fügt sich dann aber und leistet als erster den Eid. Ihm folgen die Gesandten des Königs von England, Richard von Ilchester und Johann von Oxford (vielleicht auch Richard von Luci und Jocelin von Bailleul), dann der Kaiser selbst (unsicher ob mit der vom Magdeburger Erzbischof verlangten Einschränkung, im Fall des gleichzeitigen Ablebens beider Päpste sei der Weg zur Einigung möglich), die weltlichen Fürsten, darunter Heinrich der Löwe, Albrecht der Bär, Konrad bei Rhein und ein Schwager des Kaisers (wohl Landgraf Ludwig von Thüringen) sowie die geistlichen Fürsten (Ann. Reichersperg. und Brief an Alexander III.: 40 Bischöfe und Elekten; zur Anzahl vgl. auch Reg. 1479). Unter diesen weigern sich Konrad von Mainz, der darauf den Hof verlassen muß, und Albert von Freising (vgl. aber Reg. 1495); mit Vorbehalten schwören Wichmann von Magdeburg, Hartwig von Bremen und Eberhard von Bamberg, vorbehaltlos die Bischöfe Hermann von Verden, Gero von Halberstadt und Rupert von Passau. Den Bischöfen Richard von Verdun und Albert von Freising wird ein Aufschub bis zu Peter und Paul (Juni 29) gewährt, die abwesenden Fürsten sollen bis zum 6. Juli schwören. Herzog Friedrich von Rothenburg, der Sohn Konrads III., der mit 1500 Rittern am Reichstag teilnimmt, verläßt diesen, als er von dem verlangten Eid hört. Nicht anwesend sind der Patriarch (Ulrich) von Aquileia, die Erzbischöfe (Konrad) von Salzburg (vgl. aber den Bericht der Chron. Fuldensis) und (Hillin) von Trier mit ihren Suffraganen.

Empfänger:
Reichstag zu Würzburg

Überlieferung/Literatur

Hauptquelle ist ein anonymes Schreiben an Papst Alexander III., ed. Robertson, Materials for the history of Thomas Becket V, 184 no 98 und 188 no 99 (vgl. Acht, UB. Mainz II/1, 501 no 287); zu den Eiden der englischen Gesandten vgl. John of Salisbury, Letters II, ed. Millor - Brooke, no 177 (S. 182, 184) und diverse Hinweise in Vitae des hl. Thomas von Canterbury, ed. Robertson, Materials for the history of Thomas Becket I, 52 f. no 44, 61 no 56 und 353 f. no 20 (vgl. MG. SS XXVII, 36). Des weiteren vgl. ausführlicher Ann. Laubienses, MG. SS IV, 24 (zu 1166), Ann. Ratispon., MG. SS XVII, 588 (irrig: Absetzung Konrads von Salzburg, vgl. Reg. 1551), Ann. Reichersperg., MG. SS XVII, 471 f. (zu Mai 23), Boso, ed. Duchesne, 411, Chron. Fuldensis, ed. Heinemeyer, AfD Beiheft 1 (1976) 67 f. (Konrad von Salzburg weigert sich, den Eid abzulegen), Chron. reg. Col., ed. Waitz, MG. SS rer. Germ. in us. schol., 116 (zu Mai 23), E Gervasii Cantuariensis Chronica, MG. SS XXVII, 299 f., Ex Radulfi de Diceto Ymaginibus historiarum, MG. SS XXVII, 263 (schöpft aus dem erwähnten anonymen Schreiben an Alexander III.), Rahewini Gesta Frid. Appendix, ed. Waitz - Simson, MG. SS rer. Germ. in us. schol., 348 (zu 1166), E Rogeri de Hoveden Chronica, MG. SS XXVII, 142, Sigeb. Cont. Aquicinct., MG. SS VI, 410 f. (zu 1163) und kürzer Ann. Halesbrunn., MG. SS XVI, 14 (zu 1166), Ann. Palid., MG. SS XVI, 93 (zu 1166), Ann. s. Rudberti Salisburg., MG. SS IX, 776, Ann. Salisburg. additamentum, MG. SS XIII, 238 (zu 1166), Chron. Montis Sereni, MG. SS XXIII, 152 (zu 1166), Cont. Admunt., MG. SS IX, 583 (zu 1166), Cont. Claustroneoburg. III, MG. SS IX, 630 und Gesta archiepp. Salisburg., MG. SS XI, 46 (zu 1166). - Zur Absetzung Konrads von Mainz vgl. auch Ann. s. Disibodi, MG. SS XVII, 30 (zu 1164), Ann. s. Petri Erph. mai., ed. Holder-Egger, MG. SS rer. Germ. in us. schol., 58, Christiani archiep. Liber de calamitate eccl. Maguntinae, MG. SS XXV, 245, Cron. s. Petri Erf. mod., ed. Holder-Egger, MG. SS rer. Germ. in us. schol., 183 und Cron. Reinhardsbrunn., MG. SS XXX/1, 537. - Zu allem vgl. auch Knipping, Reg. Köln 2, no 818 und Böhmer-Will, Reg. Mainzer Erzbischöfe 2, XXX (Konrad I.) no 40 und Gerhohi praepositi Reichersbergensis opera inedita I, ed. Classen, 319 mit Anm. 5 und 337 sowie Regg. 1482-1485.

Kommentar

Vgl. dazu Giesebrecht, Kaiserzeit V, 463 ff. und Giesebrecht - Simson, Kaiserzeit VI, 442 ff.; des weiteren Rill, Würzburger Eide, Würzburger Diözesangeschichtsblätter 22 (1960) 9 ff. und jüngst Ahlers, Die Welfen und die englischen Könige, 46 ff.. - Zum Eid des Kaisers vgl. Goez, "iuravit in anima regis", DA 42 (1986) 529 f. - Zum Verhalten des schwäbischen Herzogs Friedrich vgl. Ulrich Schmidt, Königswahl und Thronfolge, 169 ff.

 

Verbesserungen und Zusätze (2011):

Zum Würzburger Hoftag von 1165 und der seitens Englands eingenommenen Haltung im Schisma vgl. Vollrath, Lüge oder Fälschung, in: Stauferreich im Wandel, hg. von S. Weinfurter (Mittelalter-Forschungen, 9, 2002) 149 ff.

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Empfohlene Zitierweise

RI IV,2,2 n. 1475, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1165-05-24_1_0_4_2_2_917_1475
(Abgerufen am 13.12.2017).