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RI IV Lothar III. und ältere Staufer (1125-1197) - RI IV,1,2

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Konrad hält einen Hoftag ab, der von zahlreichen Fürsten, darunter Bischof Hermann (I.) von Konstanz, den Herzögen Friedrich (III.) von Schwaben und Konrad von Zähringen, den Markgrafen Hermann (von Baden) und Diepold (IV. von Vohburg) sowie zahlreichen schwäbischen Äbten und Grafen besucht wird. Er nimmt als Vogt des Klosters Elchingen an einem Tauschgeschäft zwischen diesem und dem Kloster St. Blasien teil. – Möglicherweise an diesem Tag schließt Konrad über Vermittlung seines Neffen Friedrich (III.) mit Welf (VI.) einen Friedensvertrag: Welf wird in Zukunft keine Schritte mehr gegen Konrad unternehmen, der im Gegenzug Welfs (bei Flochberg) ge- fangene Gefolgsleute freiläßt. Außerdem überläßt Konrad Welf Einkünfte aus Königsgut sowie das Gut Mertingen (Mardingen), welches er von Bischof Konrad von Passau gegen das – dann nicht eingehaltene – Versprechen, diesem als Ersatz in seinem Bistum gelegene Güter zu übertragen, erhalten hatte.

Überlieferung/Literatur

Urkunde über das Tauschgeschäft zwischen den Klöstern St. Blasien und Elchingen, Gerbert, Historia 76ff. Nr. 51 (rege Conrado in praefata villa colloquium cum principibus regni habente); Urkunde Bischof Hermanns von Konstanz für Elchingen von 1156 April 4, Wirtembergisches UB 2 Nr. 366. – Ann. Mellicenses cont. Mellicensis, MGH SS 9 504; Ann. Palidenses, MGH SS 16 84; Hist. Welforum c. 28 56 (Ac sic gwerra diu anxie inter ipsum [Welf] et regem agitata finita est. Nam Fridericus fratruelis regis, sororius eiusdem Gwelfonis, medium se ad compositionem faciendam interposuit captivosque duci Gwelfoni reddi ac regem de cetero securum penes illum esse provida deliberatione confirmavit. Rex ergo accepto consilio Gwelfoni aliquos reditus de fisco regni cum villa Mardingen concessit, ac sic confirmata pace …); Urkunde Kaiser Friedrichs I. für Bischof Konrad von Passau DF.I. 173 (B-Opll-Mayr 465).

Kommentar

Der Hoftag zu Langenau ist nur durch die Quellen zum Tauschgeschäft zwischen St. Blasien und Elchingen belegt. Er bietet sich als Ort und Zeitpunkt der – nach Aussage der Pöhlder und der Melker Annalen im Jahr 1150 erfolgten – Aussöhnung zwischen Konrad und Welf VI. an, weil er der Urkunde Bischof Hermanns von Konstanz zufolge cum maxima frequentia principum stattfand und sowohl der Vermittler Friedrich (III.) von Schwaben als auch der wichtigste Freund der Welfen im deutschen Südwesten, Heinrichs des Löwen Schwiegervater Konrad von Zähringen, dort bezeugt sind, vgl. Niederkorn, Welf VI. 148f. Niederkorn führt gegen die spätere Einreihung von Feldmann, Welf VI. 28, auch an, daß Konrad, der bei einem weiteren Konflikt mit Welf auch mit einem Eingreifen Heinrich des Löwen zu rechnen hatte, ebenso wie Welf, dieser wegen seiner gefangenen Gefolgsleute, an einem baldigen Friedensschluß interessiert sein mußten. – Mertingen wurde 1157 durch einen in Gegenwart Welfs VI. gefälltes Urteil der Fürsten dem Passauer Bischof rückerstattet (B-Opll-Mayr 465). – Zur Bewertung des Verlaufs des beendeten Konflikts zwischen Konrad und Welf VI. siehe Althoff, Konfliktverhalten 78f., und Hechberger, Staufer und Welfen 215f., der Welf als Reichsfürst sieht, „der in traditioneller Weise in Opposition zum König stand“, und Görich, Wahrung des honor 295f., der die Beharrlichkeit, mit der die Auseinandersetzung geführt wurde, in Ehrvorstellungen begründet sieht. Bemerkenswert an der Aussöhnung ist nach Althoff, Konrad III. 228, auch, daß der Konflikt offenbar ohne demonstrative Demütigung Welfs vor dem König beendet wurde.

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Empfohlene Zitierweise

RI IV,1,2 n. 698, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1150-09-24_2_0_4_1_2_700_698
(Abgerufen am 23.04.2017).