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RI IV Lothar III. und ältere Staufer (1125-1197) - RI IV,1,2

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(Abt) Wibald (von Stablo und Corvey) teilt Kaiser Konrad (Inclito triumphatori et magnifico domino suo C[onrado] Dei gratia Romanorum imperatori augusto) mit, daß er trotz längerer Abwesenheit aus Sachsen und mangelnder Teilnahme an den dortigen Beratungen sorgfältig erkundet habe, ob es gegen Konrad gerichtete Umtriebe gebe, worüber Konrads Kaplan Heribert (capellanus vester Herebertus), der die ganze Provinz bereist habe, allerdings vollständiger berichten könne. Er selbst habe jedenfalls nichts Beunruhigendes erfahren. Allerdings fehle es nicht an Leuten, die in Erwartung eines entsprechenden Lohnes große Dinge vorschlügen, was der König in seiner Klugheit aber richtig beurteilen werde. Er solle aber nicht den Rat befolgen, der Zusammenkunft bei Kronach (colloquium apud Cranahe) fernzubleiben, da seine Fürsten dadurch verstimmt würden und es als Mißtrauen deuten könnten, und selbst wenn einer der Fürsten zögerlich erscheine und sich ihm nicht anschließen sollte, würde Konrads Erscheinen bewirken, daß auch seine Feinde dem Betreffenden nicht vertrauen. Nichts und niemand solle Konrad jedenfalls von dem Entschluß abbringen, die Person anzugreifen und zu unterwerfen, die im ganzen Reich Lügen verbreitet und sich unklugerweise rühmt, gegen ihn etwas ausrichten zu wollen und zu können. – Durch den Bruder Johannes (von Fredelsloh) möge Konrad Graf Hermann (von Winzenburg, den Vogt von Corvey) nachdrücklich zu konstruktivem Handeln ermahnen, denn er, Wibald, wolle nicht gegen Konrads Willen einen anderen Beschützer suchen (Per fratrem Iohannem diligenter et fortiter ammonebitis comitem Herimannum, ut nobiscum efficatius agat; ne cogamur contra voluntatem nostram alia patrocinia querere).

Überlieferung/Literatur

Brief Wibalds von Stablo an Konrad, Epp. Wibaldi Nr. 339 = MGH Nr. 234.

Kommentar

Gegen Jaffé, der den Brief aus inhaltlichen Gründen ins Jahr 1151 setzt (zustimmend Bernhardi, Konrad III. 900 Anm. 36), ist mit Giesebrecht, Kaiserzeit 4 494; Zatschek, Wibald von Stablo 395; Hausmann, Reichskanzlei 217f., und Stephan-Kühn, Wibald 350f., an der Datierung in den Mai 1150 festzuhalten, die der Reihung des Textes in Wibalds Briefbuch entspricht. Der Brief reflektiert die Sorgen des königlichen Hofes, Herzog Heinrich von Sachsen, der sich in Konrads Fehde mit Welf VI. passiv verhalten hatte, könnte nach dessen schwerer Niederlage bei Flochberg (Reg. 651) zu dessen Gunsten eingreifen, weshalb Konrad sich in einer Zusammenkunft bei Kronach der Loyalität der sächsischen Fürsten versichern wollte. Auch den Sachsenherzog selbst versuchte er damals durch das ein Entgegenkommen signalisierende, von Wibald konzipierte Schreiben Reg. 680 von feindseligen Handlungen abzuhalten. Mit dem Gegner, zu dessen Vernichtung Wibald den König abschließend aufruft, ist daher vermutlich nicht der dem Brief zufolge sich passiv verhaltende Herzog Heinrich, sondern Welf VI. gemeint, für dessen völlige Niederwerfung Wibald am Hof eintrat (siehe Reg. 660), vgl. Niederkorn, Welf VI. 148 Anm. 53. – Da keine Belege dafür vorhanden sind, daß die Zusammenkunft mit den sächsischen Fürsten bei Kronach stattgefunden hat, ist mit dessen Absage zu rechnen. – Die Frucht von Wibalds Bitte um ein Handeln Hermanns von Winzenburg war vermutlich Konrads verlorenes Schreiben Reg. 720.

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Empfohlene Zitierweise

RI IV,1,2 n. 678, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1150-05-00_1_0_4_1_2_680_678
(Abgerufen am 25.07.2017).