Regestendatenbank - 176.134 Regesten im Volltext

RI IV Lothar III. und ältere Staufer (1125-1197) - RI IV,1,2

Sie sehen den Datensatz 663 von insgesamt 793.

Konrad berät mit den Fürsten weitere Schritte gegen den bei Flochberg besiegten Welf VI., der zunächst den Kampf nicht aufgibt, sondern am Bündnis mit König Roger II. von Sizilien festhält. Während Wibald von Stablo rät, den Erfolg auszunutzen und die geschwächten und erschreckten Feinde anzugreifen und zu richten, widerspricht ein älterer, sein Bedauern nur mit Mühe verbergender Laienfürst unter Vorschiebung religiöser Motive, wie des Verbots der Kriegsführung in der Fastenzeit, und fordert ein ordentliches Gerichtsverfahren und die Schonung der Gefangenen. Diese Meinung findet Anklang und Wibald weist umsonst auf die Notwendigkeit schnellen Handelns und die gegenüber einer Kriegstat viel geringere Resonanz eines Gerichtsurteils hin. Schließlich wird weder eine Heerfahrt noch ein Gerichtsverfahren beschlossen.

Überlieferung/Literatur

Brief Wibalds von Stablo an Bischof Hermann von Konstanz von ca. Februar 1150, Epp. Wibaldi Nr. 234 = MGH Nr. 209 (… ut dominus noster rex … non cessaret successus urgere suos, et hostes suos, incomparabili dampno affectos metuque et angore animi perculsos, invaderet, ac sese aliquando ad faciendum iudicium et iusticiam, ad subveniendum matri suae aecclesiae, accepta tam mirabili oportunitate, expediret. Contradicebat inveteratus ille Achitofel, qui vix ingentem dissimulare tristiciam poterat et, assumpta sanctioris amiciciae persona, de tempore et auris causabatur, et sacratissimi ieiunii religionem predicabat, et astruebat …); Gottfried von Viterbo, Pantheon part. 23 c. 48, MGH SS 22 261.

Kommentar

Daß Welf VI. sich auch nach der Niederlage bei Flochberg zunächst entschlossen zeigte, die Fehde mit den Staufern fortzusetzen, geht neben dem Bericht Gottfrieds von Viterbo auch aus dem Brief Wibalds an Konrad Reg. 678 hervor. – Der in Wibalds Brief erwähnte, gegen ein energisches Vorgehen gegen Welf VI. aufgetretene ältere Laienfürst wurde von Bernhardi, Konrad III. 799 mit Herzog Konrad von Zähringen, dem Schwiegervater Heinrichs des Löwen, identifiziert, wogegen sich Heyck, Geschichte Zähringen 319, aussprach, vgl. Feldmann, Welf VI. Anm. zu *II Nr. 128. Die in den von König Heinrich (VI.) nach Byzanz geschickten Schreiben Regg. 652f. enthaltene falsche Mitteilung, daß Konrad gegen Welf generalem expeditionem … indixit, spricht dafür, daß man im Umkreis des Königs nicht damit gerechnet hatte, bei einem entschiedenen Vorgehen gegen Welf auf so starken Widerstand aus dem Kreis der Fürsten zu stoßen. Als Rechtsbruch Welfs, der Konrad die Möglichkeit eines Reichskrieges eröffnete, ziehen Haverkamp, Aufbruch 170, und Hechberger, Staufer und Welfen 215, Welfs konspirative Tätigkeiten in Italien in Erwägung, die als Verstoß gegen den für die Dauer des Kreuzzugs verkündeten Landfrieden angesehen werden konnten. Gleiches gilt wohl auch für Welfs Angriffe auf Güter der Königssöhne Heinrich und Friedrich, die nach Konrads Aussage noch vor seiner Rückkehr stattgefunden haben (siehe Reg. 670). Außer durch die Opposition etlicher Fürsten mag Konrads Zögern beim Vorgehen gegen Welf durch die Sorge vor einem Eingreifen Heinrichs des Löwen zugunsten des Welfen begründet gewesen sein, die durch Wibalds Brief von ca. Mai 1150 (Reg. 678) bezeugt ist. – Zur Datierung der Beratungen siehe Bernhardi, Konrad III. 798f.

Nachtrag einreichen
Einreichen
Empfohlene Zitierweise

RI IV,1,2 n. 660, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1150-03-01_2_0_4_1_2_662_660
(Abgerufen am 24.04.2017).