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RI IV Lothar III. und ältere Staufer (1125-1197) - RI IV,1,2

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Konrad führt lange Unterredungen mit Abt Wibald von Stablo, der sich unermüdlich bemüht, bei ihm eine günstige und achtungsvolle Stimmung für die Römische Kirche und den Papst hervorzurufen, und der verspricht, den Papst über alle Beschlüsse Konrads, die päpstliche Interessen berühren, unverzüglich zu informieren (Si quid vero de rebus, quae ad vos pertinent, apud inclitum filium vestrum dominum nostrum Romanorum regem finaliter esset deliberatum, nos absque morae prolixioris interpositione seu per nostram personam seu per scripta nostra vobis intimare vigilanter curavissemus. Quod etiam, cum factum fuerit, perficere maturabimus). In Ausführung des vom Papst und dem Kanzler und Kardinaldiakon Guido (von SS. Cosmas et Damian) erteilten Auftrags (Reg. 629) führt Wibald den König, der nicht durch die Bindung an einen Vertrag, wohl aber durch den Hochmut und den Ungehorsam der Griechen etwas korrumpiert worden ist (non federe contracto set fastu et inobedientia Grecorum aliquantulum corrupto), zu Gehorsam und Demut zurück, während er dissenten Äußerungen anderer streng entgegentritt.

Überlieferung/Literatur

Briefe Wibalds von Stablo an Papst Eugen III. aus Speyer von 1150 ca. Februar 9/10, Epp. Wibaldi Nr. 232 = MGH Nr. 204, sowie an den Kardinaldiakon Guido von S. Maria in Porticu von 1150 nach April 20, Epp. Wibaldi Nr. 252 = MGH Nr. 223.

Kommentar

Der in der Forschung vieldiskutierte Passus non federe contracto wurde verschiedentlich auch dahingehend übersetzt, daß Konrad Wibald zufolge keinen Vertrag mit dem byzantinischen Kaiser abgeschlossen hatte, vgl. dazu die Übersicht über die ältere Literatur bei Vollrath, Konrad III. 330 Anm. 33; siehe auch den Hinweis bei Hiestand, Neptis tua 505 Anm. 11, wonach für diese Aussage die Worte nullo federe contracto passender wären. Zur Interpretation der Stelle siehe auch Niederkorn, Mitgift 135ff., und Niederkorn, Thessalonike 226. – Mit fastus et inoboedientia Grecorum meinte Wibald nach Hiestand, Neptis tua 549f., die byzantinische Praxis bei der Nachfolgeregelung durch Einsetzung eines Mitkaisers und dessen Krönung durch den Patriarchen ohne konstitutive Funktion dieses Akts, die für Konrad Vorbildcharakter erhielt und zu Überlegungen führte, auf die Kaiserkrönung in Rom, eventuell sogar auf die durch Einsetzung eines Sohnes durch den König zu ersetzende Wahl zu verzichten und so „zwei der brennendsten Fragen der deutschen Verfassungsgeschichte zu lösen“ (dazu kritisch Schmidt, A quo ergo habet 71). – Wibalds Bekundungen seiner Dienstfertigkeit und Treue im Brief an Papst Eugen III. wurden ebenso wie sein Bericht über seine Gespräche mit Konrad von Zatschek, Wibald von Stablo 385, 394 und passim, als Beleg für die einzig die kurialen Interessen im Auge habende Einstellung Wibalds gewertet, vgl. dazu die – vielleicht nicht ganz ausgewogene – Kritik von Stephan-Kühn, Wibald 342–350.

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Empfohlene Zitierweise

RI IV,1,2 n. 641, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1149-12-25_2_0_4_1_2_643_641
(Abgerufen am 19.09.2017).