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RI IV Lothar III. und ältere Staufer (1125-1197) - RI IV,1,2

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Senat und Volk von Rom versichern Konrad (Excellentissimo atque preclaro Urbis et orbis totius domino, Conrado Dei gratia Romanorum regi semper augusto …) ihre beständige Treue und geben ihrer Verwunderung Ausdruck, daß ihre früheren Briefe, in denen die ihre Haltung unter Beweis stellenden Taten geschildert wurden, unbeantwortet geblieben sind. Im Bestreben, das römische Reich zu erhöhen und auf den Stand zurückzuführen, den es zur Zeit Konstantins und Justinians hatte, die durch die Kraft des römischen Senats und Volkes den ganzen Erdkreis in ihren Händen hielten (… in eum statum, quo fuit tempore Constantini et Iustiniani, qui totum orbem vigore senatus et populi Romani suis tenuerunt manibus, reducere …), sei der Senat wiederhergestellt und die Gegner des römischen Reiches zum Großteil vernichtet worden. Sie hätten die Türme jener Mächtigen der Stadt, die mit dem Sizilier (König Roger II.) und dem Papst seine Gegner seien, erobert, teilweise zerstört, teilweise als Konrads Getreue besetzt. Wegen ihrer in Ergebenheit zu ihm verrichteten Taten würden sie aber vom Papst, den Frangipani und – mit Ausnahme Jordans – den Pierleoni, Freunden und Lehensleuten des Siziliers, ferner von Tolomeo und anderen be- kämpft, damit sie nicht frei, wie es sich ziemt, die Kaiserkrone auf sein [Konrads] königliches Haupt setzen können (Set pro his omnibus, que pro vestrae dilectionis fidelitate facimus, papa, Fraiapanes et filii Petri Leonis, homines et amici Siculi, – excepto Iordano, nostro in vestra fidelitate vexillifero et adiutore – Tolomeus quoque et alii plures undique nos impugnant, ne libere, ut decet, imperialem regio capiti valeamus imponere coronam). All dies ertrügen sie aber im Vertrauen auf künftige Belohnung und darauf, daß die Feinde ihre Strafe erhalten würden. Sie bitten Konrad, den über den Senat kolportierten üblen Gerüchten keinen Glauben zu schenken, und erinnern an den Schaden, den ihre Gegner und die Kurie seinen Vorgängern zugefügt und dies zuletzt gemeinsam mit dem Sizilier auch gegen ihn versucht haben, wogegen von ihrer Seite aber Widerstand geleistet wurde. Sie fordern Konrad auf, mit kaiserlicher Macht nach Rom zu kommen, wo er alles erreichen könne, und dort zu residieren und nach Ausschaltung des Widerstandes der Kirche in Italien und Deutschland besser als fast alle seine Vorgänger zu herrschen (Appropinquet itaque nobis imperialis celeriter vigor, quoniam, quicquid vultis, in Urbe obtinere poteritis, et ut breviter ac succincte loquamur, potenter in Urbe, que caput mundi est, ut optamus, habitare, toti Italiae ac regno Teutonico, omni clericorum remoto obstaculo, liberius et melius quam omnes fere antecessores vestri dominari valebitis). Bis dahin bitten sie aber um Nachricht über seine Situation. Sie teilen zudem mit, daß sie mit der Wiederherstellung der Milvischen Brücke (pontem Milvium extra Urbem parum longe) begonnen haben, damit sein Heer über sie ziehen und damit vor Schädigung durch die Pierleoni von der Engelsburg (castellum Sancti Angeli) aus sicher sein könne, sowie, daß sie erfahren haben, daß der Papst aufgrund einer Vereinbarung (Roger II.) von Sizilien Stab und Ring, Dalmatika, Mitra und Sandalen zugestanden (Papa concessit Siculo virgam et anulum, dalmaticam et mitram atque sandalia) und sich verpflichtet habe, in dessen Land keinen Legaten außer einen von diesem erbetenen zu schicken, während der Sizilier ihm viel Geld zu Konrads und des römischen Reiches Schaden gegeben habe. Abschließend bitten sie, ihre Gesandten, den Senator Guido, Jakob, den Sohn des Prokurators Sixtus, und Nikolaus (nobiles viri Guido senator, Iacobus filius Sixti procuratoris et Nicolaus eorum socius), gnädig zu empfangen.

Überlieferung/Literatur

Insert in den Gesta Friderici Ottos von Freising; Archives de l´État à Liège, Abschrift aus der Mitte des 12. Jahrhunderts in Wibalds Briefbuch. Drucke: Epp. Wibaldi Nr. 214 = MGH Nr. 197; Otto von Freising, Gesta Friderici I 29, MGH SSrerGerm 46 45–47; CD del Senato Romano 1 Nr. 5.

Kommentar

Da im Brief Wibalds von Stablo an den Kardinaldiakon Guido von S. Maria in Porticu, Epp. Wibaldi Nr. 252 = MGH Nr. 223, erwähnt ist, daß im Januar 1150 papstfeindliche Briefe von Senatoren an Konrad eintrafen, wurden dieser und die beiden folgenden Briefe Regg. 636, 637 bislang immer ins Jahr 1149 datiert. Dagegen hat – was, da Wibald die Zahl der Briefe nicht nennt, nicht ausgeschlossen werden kann – Zeillinger, Konstantinische Schenkung 37ff., eine Datierung des vorliegenden Briefes in das Jahr 1146 vorgeschlagen mit der Begründung, daß Otto von Freising diesen inmitten von Geschehnissen des Jahres 1146 überliefert, und daß die päpstliche Gesandtschaft unter dem Kanzler und Kardinaldiakon Guido von SS. Cosmas et Damian, die Konrad ihm zufolge im Gegensatz zur Botschaft des Senats gnädig aufnahm (Reg. 469), ins Frühjahr 1147 fällt, sowie wegen des in Brief Reg. 636 höheren Rangs der Verfasser Guido und Nikolaus; hingegen hält Thumser, Die frühe römische Kommune 118 (in Auseinandersetzung mit Zeillingers Argumenten Anm. 19), an der Datierung zu 1149 fest. – Die angebliche Verleihung der Pontifikalien an König Roger II., mit der suggeriert wurde, daß Papst Eugen III. diesen in ähnlicher Weise ausgezeichnet habe, wie es ansonsten allein dem Kaiser zukam (so die überzeugende Deutung von Horn, Studien 73–76), zeigt deutlich das Bestreben, den Papst in ein schlechtes Licht zu setzen, indem man ihn als engen Verbündeten des Reichsfeindes Roger darstellte, vgl. Niederkorn, Thessalonike 219. – Zur ideengeschichtlichen Bedeutung dieses und der beiden anderen aus dem Umfeld des römischen Senats an Konrad gerichteten Briefe siehe vor allem Benson, Political Renovatio 342ff., und Schulz, Denn sie lieben 153ff.; ferner Brezzi, Roma e l´Impero 333–338; Baumgärtner, Rombeherrschung 39f. und 52f.; Koch, Auf dem Wege 200–206, sowie Strothmann, Kaiser und Senat 130ff., der von einer unangemessenen Überbewertung des Inhalts der Briefe in der Literatur spricht, und Thumser 119–126, der wohl mit mehr Grund von einem „Schlüsseldokument in der Geschichte der frühen römischen Kommune“ spricht, mit dem deren „legitimatorische[s] Defizit ausgeräumt und die eigene Existenzberechtigung unter Beweis gestellt werden“ sollte.

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Empfohlene Zitierweise

RI IV,1,2 n. 635, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1149-00-00_4_0_4_1_2_637_635
(Abgerufen am 23.08.2017).