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RI IV Lothar III. und ältere Staufer (1125-1197) - RI IV,1,2

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Papst Eugen III. trifft mit den ihn begleitenden Kardinälen und anderen Würdenträgern in Trier ein, wo er unter großer Prachtentfaltung das Weihnachtsfest feiert und unter Abhaltung mehrerer feierlicher Zeremonien bis Mitte Februar des folgenden Jahres auf Kosten Erzbischof Alberos von Trier verweilt. Neben Erzbischof Albero sind auch die Erzbischöfe Heinrich von Mainz, Arnold von Köln, Balduin von Caesarea und Heinrich von York, der in Trier die Weihe empfängt, und die Bischöfe Hartwig von Genf, Amadeus von Lausanne, Albero von Verdun, Sueno von Viborg, die Äbte Aleholf von Fulda, Adam von Ebrach und Wibald von Stablo und Corvey sowie Bernhard von Clairvaux anwesend. – Der Papst weiht die Klosterkirchen von St. Eucharius und St. Paulin. – Abt Aleholf von Fulda wird wegen schlechter Amtsführung in geistlichen wie in weltlichen Dingen abgesetzt und die Wahl eines aus einem anderen Kloster stammenden neuen Abtes angeordnet. – Der Streit zwischen Graf Heinrich von Namur und dem Archidiakon Richard von Verdun wird unter Vermittlung Bernhards von Clairvaux beigelegt. – Durch Erzbischof Heinrich von Mainz von der (angeblichen) Sehergabe Hildegards von Bingen informiert, entsendet Papst Eugen Bischof Albero und den Primicerius Albert von Verdun zu Hildegard. Die von ihnen nach Trier gebrachten Teile der „Scivias“ werden nach Lektüre von Eugen gebilligt.

Überlieferung/Literatur

Balderich, Gesta Alberonis c. 22, MGH SS 8 254; Chron. regia Coloniensis Rec. I und II, MGH SSrerGerm 18 86; Gestorum Treverorum Cont. secunda, MGH SS 24 378; Notae dedicationum S. Paulini Treverensis, MGH SS 15 1276f; Notae dedicationum S. Eucharii Treverensis, MGH SS 15 1278f.; Vita Hildegardis, PL 197 Sp. 94f. und 104; Vita sanctae Hildegardis, ed. Klaes, Lib. I cap. III 8f. und Lib. II cap. II 24; Brief Hildegards an Eugen III., GP 4/4, 242 Nr. 5; Brief Eugens III. an den Konvent von Fulda aus Reims, 8. April 1148, Epp. Wibaldi Nr. 85 = MGH Nr. 69; Brief Heinrichs von Namur an Eugen III., Epp. Wibaldi Nr. 87 = MGH Nr. 62; JL 9163–9184. – Vgl. auch GP 4/4, 147 Nr. *311 und 394 Nr. *116; GP 7/1, 192 Nr. *273; GP 10/1, 114ff. Nr. *255–*259.

Kommentar

Zu den Hintergründen der vermutlich ungerechtfertigten Absetzung Aleholfs von Fulda, die von einer einflußreichen Gruppe von Konventualen und Klosterministerialen betrieben wurde, die durch Aleholfs Reformbemühungen ihre Interessen bedroht sahen, vgl. Jakobi, Auseinandersetzungen 969ff. und Theisen, Mittelalterliches Stiftungsrecht 44. Der angeordnete Wahlmodus stellte eine Verletzung des Rechts der freien Abtswahl dar. – Zu den Plänen Erzbischof Alberos, Trier durch den Papstbesuch als „Roma secunda“ zu profilieren, siehe Anton – Haverkamp, Trier 2 247ff. (dort auch Hinweise auf die damit zusammenhängende Diskussion um das Trierer Stadtsiegel), sowie allgemein zum Aufenthalt Eugens III. in Trier vgl. Gleber, Papst Eugen III. 81f.; Spronick, Pope Eugene III 403f., und Hiestand, Troyes 345ff. – Zu den Vorgängen um die Billigung der „Scivias“ durch Eugen III. und deren z.T. nicht unumstrittener Quellengrundlage siehe zuletzt Meier, Privatoffenbarung 112f.; Haverkamp, Hildegard von Disibodenberg-Bingen 40f., und Van Engen, Letters 382ff.

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Empfohlene Zitierweise

RI IV,1,2 n. 527, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1147-11-29_1_0_4_1_2_529_527
(Abgerufen am 27.03.2017).