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RI IV Lothar III. und ältere Staufer (1125-1197) - RI IV,1,2

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Konrad hält einen Hoftag. Zahlreiche der anwesenden Großen entschließen sich, gemeinsam mit den Herzögen Welf (VI.) und Friedrich (III. von Schwaben) und anderen Bischöfen und Grafen am Kreuzzug nach Jerusalem teilzunehmen. ‹Vermutlich auf diesem Hoftag sendet Herzog Heinrich von Sachsen die Vogtei über das Nonnenkloster Kemnade dem König auf, der sie dem Kloster Corvey überträgt, dessen Abt Wibald wiederum Heinrich mit der Vogtei belehnt.› Außerdem wird möglicherweise hier (vielleicht aber auch schon auf dem Frankfurter Hoftag Reg. 446) Erzbischof Heinrich von Mainz entsprechend der den Mainzer Metropoliten seit altersher im Fall einer Abwesenheit des Herrschers zustehenden Funktion eines Reichsverwesers von Konrad mit Zustimmung aller Fürsten zum Vormund Heinrichs (VI.) und Regenten bestellt.

Überlieferung/Literatur

Ann. Magdeburgenses, MGH SS 16 188 (Rex in festo beati Georgii martiris Nurinberch habita curia coadunatis fidelibus, qui se vivifice crucis vexillo signaverant, una cum ducibus Welpone et Friderico aliisque quam plurimis tam episcopis quam comitibus Ierosolimam ire decreverunt …); Ann. S. Pauli Virdunensis, MGH SS 16 501; Otto von Freising, Gesta Friderici I 46, MGH SSrerGerm 46 64; DHdL 8; Brief Heinrichs (VI.) an Papst Eugen III. von 1148 DH.(VI.) 9 (Reg. 573) (quod Moguntinus archiepiscopus ex antiquo suę ęcclesię et dignitatis privilegio sub absentia principis custos regni et procurator esse dinoscitur; … genitor noster … nostram etatem et regni gubernationem reverendo patri nostro Heinrico Mogontino archiepiscopo omnium principum favente coniventia magna cum attentione commisit).

Kommentar

Die Vogtei von Kemnade betreffenden Vorgänge lassen sich am besten diesem Hoftag, auf dem sowohl Wibald als auch Heinrich der Löwe als anwesend belegt sind, zuordnen, vgl. die Vorbemerkung zu DHdL 8 und Stephan-Kühn, Wibald 114. – Die Einsetzung Heinrichs von Mainz als Regent wird meist schon für den Frankfurter Reichstag von März 1147 angenommen, so von Bernhardi, Konrad III. 546f., und Büttner, Erzbischof Heinrich 255f. Da die zahlreichen Quellen zu diesem Hoftag davon aber nichts berichten und Konrad nach diesem immerhin noch fast drei Monate im Reich weilte, kommt für die Betrauung des Mainzers auch der ebenfalls von zahlreichen Fürsten aus dem ganzen Reich besuchte Nürnberger Hoftag, der letzte vor Konrads Aufbruch zum Kreuzzug, in Frage. – Über andere Ereignisse auf diesem Hoftag ist sonst nichts Näheres überliefert, vgl. Bernhardi Konrad III. 560f. Allerdings stellt Gaethke, Heinrich der Löwe 89, zutreffend fest, daß dieser Hoftag „wie ein großes Vorbereitungstreffen für den Wendenkreuzzug anmutet“, da fast alle namentlich bekannten Teilnehmer desselben anwesend waren. Nach Gaethke hat außerdem „möglicherweise … hier Heinrich der Löwe seine Absicht bekanntgegeben, abweichend von der ursprünglichen Planung (siehe Reg. 446) einen Vorstoß in die Terra Obodritorum zu unternehmen“.

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Empfohlene Zitierweise

RI IV,1,2 n. 466, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1147-04-23_1_0_4_1_2_468_466
(Abgerufen am 23.01.2017).