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RI IV Lothar III. und ältere Staufer (1125-1197) - RI IV,1,2

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Konrads Gesandte Bischof Bucco von Worms, Bischof Anselm von Havelberg und Abt Wibald von Stablo und Corvey überbringen Papst Eugen III. Briefe des Königs (Reg. 455). Der Papst – der der Aufforderung, Konrad in Straßburg zu treffen, nicht nachkommt und sie auch unbeantwortet läßt – entsendet seinen Kanzler, den Kardinaldiakon Guido (von SS. Cosmas et Damian), als Legaten nach Deutschland. Konrads Bitte, die Übertragung der Nonnenklöster Kemnade und Fischbeck an Kloster Corvey zu bestätigen, lehnt Eugen mit der Begründung ab, er könne vor der Bestätigung von Wibalds Wahl zum Abt von Corvey kein an diesen gerichtetes Privileg für Corvey ausstellen. – In Troyes wird am 11. April ein Sendschreiben Eugens III. ausgefertigt, in dem er den (in Frankfurt beschlossenen) Kreuzzug gegen die heidnischen Slawen östlich der Elbe, als dessen Ziel er ihre Unterwerfung unter die christliche Religion nennt, sowie die den Teilnehmern eingeräumten Zugeständnisse, nämlich die gleiche Vergebung der Sündenstrafen wie für Jerusalemfahrer, billigt, ferner unter Androhung der Exkommunikation verbietet, einem Heiden, der bekehrt werden kann, gegen Geld oder eine andere Ablösung das Verharren im Unglauben zu gestatten (Quidam etiam ex vobis tam sancti laboris et premii participes fieri cupientes contra Sclavos ceterosque paganos habitantes versus aquilonem ire et eos Christianae religioni subiugare Domino auxiliante intendunt. Quorum nos devotionem attendentes omnibus illis, qui crucem eandem Iherosolimam non acceperunt et contra Sclavos ire et in ipsa expeditione, sicut statutum est, devotionis intuitu manere decreverunt, illam remissionem peccatorum, quam predecessor noster felicis memorie papa Vrbanus Iherosoliman transeuntibus instituit, omnipotentis Dei et beati Petri apostolorum principis auctoritate nobis a Deo concessa concedimus eadem auctoritate sub excommunicatione prohibentes, ut nullus de paganis, ipsis, quos Christiane fidei poterit subiugare, pecuniam vel aliam redemptionem accipiat, ut eos in sua perfidia remanere permittat), und Anselm von Havelberg die geistliche Leitung des geplanten Kreuzzugs überträgt.

Überlieferung/Literatur

Urkunde Bischof Buccos von Worms für das Augustinerchorherrenstift Hönigen, Acht, Gesandtschaft 672f.; Brief Wibalds an den Corveyer Konvent, Epp. Wibaldi Nr. 35 = MGH Nr. 5; Brief Wibalds an Bischof Bernhard von Hildesheim, Epp. Wibaldi Nr. 150 = MGH Nr. 124; Bulle Papst Eugens III. Divini dispensatione, Pommersches UB 1 Nr. 32 (JL 9017).

Kommentar

Daß Eugen III. auf die Einladung zu einer Zusammenkunft mit Konrad nicht reagierte, wurde von Bernhardi, Konrad III. 559, dahingehend interpretiert, daß der Papst auf diese Weise dem König sein Mißfallen über den ohne seine Zustimmung gefaßten Kreuzzugsbeschluß auszudrücken trachtete; anders Gleber, Papst Eugen III. 56, und Horn, Studien 53f., der vermutet, daß Eugen die geplante Feier des Osterfests in St. Denis nicht absagen wollte und von einem Gespräch mit Konrad keine grundlegend neuen Entwicklungen erwarten konnte, nachdem dieser, wie in dem Brief ausgeführt, die für die Zeit seiner Abwesenheit erforderlichen Regelungen bereits getroffen hatte. – Zur Legation Guidos vgl. Reg. 469. – Zur Frage des Corveyer Abbatiats Wibalds und der Billigung der Übertragung von Kemnade und Fischbeck an Corvey, gegen die ja erhebliche Widerstände bestanden (siehe Regg. *433, 446), vgl. Horn, Studien 55–63; Stephan-Kühn, Wibald 115–133; Jakobi, Wibald von Stablo 95ff., und Rabe, Fischbeck und Kemnade 230ff. – Aus der Urkunde Bischof Buccos ergibt sich, daß in dessen Begleitung auch Abt Otto von Frankenthal, dessen Kanoniker Gottfried, Propst Siegfried von Wimpfen, der Wormser Domscholaster Hermann und aus dem Empfängerstift der Prior Bernhelm und der Kanoniker Rudolf in Dijon weilten. Der sonst nicht als königlicher Gesandter belegte Bucco von Worms zählte wie Wibald und Anselm von Havelberg zu den engeren Vertrauten Konrads, den er mehrfach auch in entferntere Regionen des Reiches begleitete, vgl. Seibert, Reichsbischof 111ff. – Im Gegensatz zum Aufruf Bernhards von Clairvaux (siehe Reg. 446) steht bei der Kreuzzugsbulle Eugens III. die Christianisierung der heidnischen Slawen im Vordergrund, die Alternative Bekehrung oder Vernichtung fehlt; zur Bedeutung des Schreibens vgl. zuletzt Kahl, Kreuzzugseschatologie 306ff.

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Empfohlene Zitierweise

RI IV,1,2 n. 459, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1147-03-30_3_0_4_1_2_461_459
(Abgerufen am 29.04.2017).