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RI IV Lothar III. und ältere Staufer (1125-1197) - RI IV,1,2

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Konrad lehnt die Aufforderung Bernhards von Clairvaux, am geplanten Kreuzzug mitzuwirken, ab. Gemeinsam mit einigen Bischöfen unterstützt er erfolgreich die Bitte des Bischofs Hermann (I.) von Konstanz, daß Bernhard die Diözese Konstanz besuchen möge.

Überlieferung/Literatur

S. Bernardi Vita prima, PL 185 Sp. 373 und 381.

Kommentar

Weshalb und mit welcher Begründung Konrad die Teilnahme am Kreuzzug ablehnte, ist nicht überliefert. Daß die in der Literatur genannten innenpolitischen Spannungen, so vor allem der Konflikt mit Welf VI., und auch Probleme mit Ungarn und Polen (siehe Regg. 370 bzw. 389, 400ff.) den Hintergrund für Konrads Handeln bildeten oder zumindest von ihm vorgebracht wurden, ist sehr wahrscheinlich. Siehe auch Regg. 422f. – Auffällig an Bernhards erstem Versuch, Konrad zur Kreuzzugsteilnahme zu bewegen, ist seine rasche Akzeptanz der ablehnenden Haltung Konrads, obwohl er sein Anliegen letztlich, wie schon zeitgenössische Quellen berichten, mit äußerster Hartnäckigkeit verfolgte (Ann. Palidenses, MGH SS 16 82). Als Motiv für diese Hartnäckigkeit sieht Kahl, Kreuzzugseschatologie 263ff., die (bei zahlreichen Zeitgenossen zu beobachtende) Beeinflußung Bernhards durch in sog. „sibyllinischen Texten“ enthaltene apokryphe Prophezeiungen, und zwar im konkreten Fall jene, derzufolge ein C. rex Romanorum sich die ganze Welt unterwerfen und dabei die letzten Heiden zu Paaren treiben und zur Verehrung des Kreuzes zwingen werde. Da Bernhard, so meint Kahl, Konrad für diesen römischen König, dessen Name mit dem Buchstaben C begann, hielt, suchte er ihn unbedingt für den Kreuzzug zu gewinnen. Zurückgewiesen wurde Kahls (nach eigener Aussage erst nach langem Zögern veröffentlichte) These von Möhring, Weltkaiser 169f. Anm. 39, während Dinzelbacher, Bernhard von Clairvaux 304, sie zwar als nicht erweisbar bezeichnet, aber nicht ausschließen will. – Zum Verlauf der Reise Bernhards nach Südwestdeutschland, die ihn außer nach Konstanz u.a. nach Freiburg i. Br., Schaffhausen, Winterthur, Zürich, Basel und Straßburg führte, vgl. Schwarzmaier, Bernhard von Clairvaux 66ff., der als Aufgabe dieser Reise die Verkündigung des Gottesfriedens und die Aussöhnung von Streitparteien, insbesondere Herzog Konrads von Zähringen und des jungen Staufers Friedrich (III.), betrachtet, wodurch die Reise die Vorausetzung für die nachfolgenden Ereignisse in Speyer schuf (70).

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Empfohlene Zitierweise

RI IV,1,2 n. 412, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1146-11-00_4_0_4_1_2_414_412
(Abgerufen am 25.05.2017).