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RI IV Lothar III. und ältere Staufer (1125-1197) - RI IV,1,2

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Konrad verhandelt mit Nikephoros, dem Gesandten des byzantinischen Kaisers Manuel (I. Komnenos). Durch provozierende und unerhörte Aussagen (quibusdam verbis duris et, ut verum fateamur, ab omni retro tempore inauditis …), die Konrad zufolge das ganze Reich in Erstaunen setzen, erzürnt Nikephoros den König aufs äußerste: Nach Konrads Aussage „hätte der Zorn unserer Majestät nicht größer sein können“, wenn „Nikephoros unseren einzigen Sohn Heinrich vor unseren Augen getötet hätte“ (Si enim idem nuncius tuus Nikoforus unicum filium nostrum Heinricum in presentia nostra morti dedisset, ad maiorem iram maiestatis nostrae animum provocare non poterat). Nikephoros verhält sich drei Tage lang unfreundlich, besänftigt Konrad schließlich durch freundliche Worte (Cumque iam per triduum in hoc acervo laborasset et rigorem nostri animi nullo ingenio nullaque sapientia ad suam voluntatem inflectere potuisset, vix tandem quarto die aliis verbis dulcioribus excellentiam nostram exhylaravit …) und eröffnet ihm die Absichten Manuels. Wegen dessen bevorstehender Heirat mit Konrads Schwägerin Bertha von Sulzbach – deren Rang Konrad durch Adoption erhöht – will Konrad mit Kaiser Manuel I. ein ewiges Freundschaftsbündnis (aeternum fedus perennis amicitiae) eingehen, das er in Gegenwart Nikephoros´ mündlich und schriftlich festsetzen läßt.

Überlieferung/Literatur

Brief Konrads an Kaiser Manuel (I. Komnenos) in Otto von Freising, Gesta Friderici I 25, MGH SSrerGerm 46 40f.; DKo.III. 126 (Reg. 333).

Kommentar

Da Konrad in seinem Schreiben an Manuel nicht erwähnt, womit Nikephoros ihn so erzürnte, wird dessen Verhalten seitens der Forschung unterschiedlich interpretiert: Bernhardi, Konrad III. 412; Ohnsorge, Kaiser Konrad III. 374; Todt, Bertha-Eirene 213, Kresten, Rekonstruktion 131f. Anm. 34 und Görich, Wahrung des honor 283, sehen den Grund für Konrads Zorn in der – auch schon in Manuels Brief (Reg. 331) zu vermutenden – Verweigerung des Kaisertitels durch den Gesandten. Chalandon, Les Comnène 2 259ff.; Lamma, Comneni e Staufer 92; Vollrath, Konrad III. 343; Lilie, Handel und Politik 398f.; Niederkorn, Mitgift 128, und Magdalino, Empire 43, vermuten dagegen, der Gesandte habe im Namen Manuels die Drohung ausgesprochen, dessen Verlobung mit Bertha von Sulzbach zu lösen, um damit eine entgegenkommende Haltung Konrads in der Frage der künftigen Aufteilung der normannischen Herrschaft in Unteritalien zu erpressen. Vollrath und Lilie gehen von einem Erfolg dieses Vorgehens aus und nehmen an, daß das 1148 mit dem sog. „Vertrag von Thessalonike“ erneuerte Offensivbündnis Konrads mit Manuel, das auch territoriale Konzessionen Konrads enthält, bei den Verhandlungen mit Nikephoros 1145 ausgehandelt wurde. Niederkorn zieht aber ein Nachgeben Konrads in Zweifel und erblickt in dem damals zustande gekommenen Vertrag einen allgemein formulierten Freundschafts- und Beistandspakt ähnlich dem mit Kaiser Johannes II. Komnenos abgeschlossenen (siehe Reg. 253), dessen Konkretisierung in Form eines gemeinsamen Angriffskriegs gegen Roger II. allerdings Gegenstand der Verhandlungen seiner angekündigten Gesandtschaft an den byzantinischen Hof bilden sollte. – Stephenson, Manuel I Comnenus 252 Anm. 12, glaubt schließlich, daß Manuel eine andere, seiner Stellung entsprechendere Braut haben wollte. Die Adoption Berthas durch Konrad, die sich aus der Bezeichnung als filiam nostram, sororem videlicet nobilissimae contectalis nostrae ergibt, wird man mit Vollrath, Konrad III. 344, vermutlich als Reaktion auf byzantinische Vorbehalte wegen der ihr fehlenden Abstammung aus königlichem Geblüt betrachten können, die Johannes II. seinerzeit verlangt hatte (siehe Reg. 206). Kresten, Rekonstruktion 132 Anm. 34, verweist allerdings darauf, daß byzantinische Quellen keinen Anstoß an Berthas Herkunft enthalten.

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Empfohlene Zitierweise

RI IV,1,2 n. 332, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1145-04-00_2_0_4_1_2_333_332
(Abgerufen am 21.07.2017).