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RI IV Lothar III. und ältere Staufer (1125-1197) - RI IV,1,2

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Konrad bestätigt Bischof Heinrich (Zdík) und der Kirche von Olmütz (… reverende pater Henrice Olomucensis presul, quem … pre omnibus regni nostri pontificibus elegimus, per presentis precepti paginam reddimus tibi et per te Olomucensi ecclesie … in perpetuum confirmamus …) den Besitz der Burg Podivín (castellum Podewin) mit allem Zubehör, verleiht Heinrich das Recht, daselbst Münzen zu schlagen (… in eodem castro percussuram monete publice tibi concedimus et confirmamus, super quo regia auctoritate precipimus, ne quis dux aut comes eam interdicere aut corrumpere ullo modo audeat …) und gewährt der Olmützer Kirche Immunitätsrechte (Omnem vero episcopii tui familiam, sive servi sint sive coloni seu scripticii, utriusque videlicet sexus et omnis etatis personas sub tue tuorumque successorum potestatis dominio et ordinacione ac iurisdictione manere decrevimus, ut nullius dignitatis vel condicionis homo a sua eos quiete et immunitate ulla valeat exactione vel violencia perturbare). Das von altersher dem Bistum Olmütz gehörende Podivín war vom Bistum Prag entfremdet und – obwohl es Olmütz nach Klagen vor Gerichten des Reiches und vor kirchlichen Synoden zugesprochen wurde – widerrechtlich behalten worden (… temporum ac rerum perturbacione oborta Pragensis ecclesia predictum castellum occupavit et usque ad nostra tempora tenuit; cum tamen crebris interpellacionibus Olomucensis ecclesia tam apud regni tribunalia quam apud catholicorum concilia querimoniam ventilasset, verum cum utrobique causa perspicue cognita lisque decisa et possessio ecclesie Olomucensi adiudicata esset, Pragenses tamen tocius iuris neglecto suffragio in iniuria persistebant). Der Fall wurde in der Weise beendet, daß auf Konrads Befehl Herzog Vladislav (II.) von Böhmen (fidelis noster dux Bohemie Latizlaus) dem Prager Bischof Otto in Anwesenheit des Prager Klerus und seiner Getreuen das Gut Želiv (predium Selev) mit allem Zubehör als Entschädigung übertrug. Z.: Erzbischof Friedrich von Magdeburg, die Bischöfe Bucco von Worms, Siegfried von Speyer, Embricho von Würzburg, Egilbert von Bamberg, Udo von Zeitz(-Naumburg), Otto von Freising, Wigger von Brandenburg und Heinrich von Regensburg, Abt Wibald von Stablo, Herzog Friedrich (II.) von Schwaben, Markgraf Albrecht von Brandenburg (marchio de Brandenburch), Markgraf Konrad von Meißen (de Witin), Pfalzgraf Otto von Wittelsbach, Markgraf Diepold von Vohburg, Graf Gebhard von Sulzbach, Friedrich Vogt von Regensburg, die Grafen Hermann von Kuik, Adolf von Berg, Ulrich von Lenzburg und Berthold von Andechs, Gottfried Burggraf (castellanus) von Nürnberg. – Arnoldus canc. vice Heinrici Moguntini archiepisc. et archicanc.; nach dem Diktat Wibalds von Stablo wahrscheinlich vom Notar Heribert angefertigt. SI. Iusticie diffinicio est.

Überlieferung/Literatur

Kop.: Zemský archiv Opava, pobočka Olomouc, fond Metropolitní kapitula Olomouc, Inv.-Nr. 2890, Buch 25 Krom. Manská kniha 1, S. 35–37. Abschrift vom Anfang des 14. Jahrhunderts im ältesten Kopialbuch des Olmützer Domkapitels (B); Ebd., Abschrift des 14. Jahrhunderts in der Handschrift E. I 27, fol. 15 (C); Ebd., fond Arcibiskupství Olomouc, C I b 16, Insert in einem vidimierten (Original-)Transsumpt König Ludwigs II. von Böhmen und Ungarn von 1523 Oktober 9 (E). Drucke: CD Moraviae 1 Nr. 249; CD Bohemiae 1 Nr. 138; MGH DKo.III. 106. Regg.: Diestelkamp – Rotter 1 Nr. 234; Stumpf 3474.

Kommentar

Zur Bedeutung dieser vieldiskutierten, auch aus diplomatischer Sicht interessanten Urkunde, die einen der seltenen Eingriffe der staufischen Herrscher in innere Angelegenheiten Böhmens und Mährens und das älteste Immunitätsprivileg in der Geschichte dieser Länder darstellt, und zu seiner zwei oder drei Jahre später erfolgten Bestätigung durch Herzog Vladislav II., wobei das D Konrads als Vorlage diente (CD Bohemiae 1 Nr. 157 von 1146/47) vgl. Novotný, České dějiny 1/2 789–791; Zatschek, Mährische Urkundenschrift; Fiala, Vztah českého státu 84; Appelt, Böhmische Königswürde 54; Kejř, Böhmen und das Reich 246f.; Dušková, Podivín 313–318, die ausdrücklich den Empfängerwunsch nach dem D betont (316f.). Neuestens Bláhová, Velké dějiny 586–588. Die Immunitätsverleihung beeinträchtigte nur beschränkt die Herrschaft des Herzogs von Böhmen, aber vor allem die Rechte der mährischen Teilfürsten von Brünn, Znaim und Olmütz, die zu Beginn des Jahres 1145 den sich auf einer Reise nach Rom befindenden Bischof Heinrich überfielen und ausraubten, seiner jedoch nicht habhaft werden konnten, vgl. Bistřický, Olmütz 219, und zuletzt Bolina, Jindřich Zdík.

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Empfohlene Zitierweise

RI IV,1,2 n. 299, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1144-05-00_7_0_4_1_2_300_299
(Abgerufen am 20.09.2017).