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RI IV Lothar III. und ältere Staufer (1125-1197) - RI IV,1,2

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Konrad beurkundet, nachdem Judith, Äbtissin des Klosters Remiremont (ecclesiam beati Petri sitam in loco qui Mons Romarici dicitur), über Belästigungen ihres Klosters durch Herzog Matthäus (von Oberlothringen) (variis et iniustis exactionibus, multa quoque violentia prefate ęcclesiae pacem Matheus dux perturbaret) bei ihm Klage erhoben hatte, deretwegen bereits ein Urteil des Papstes (ob eandem … ducis violentiam apostolice auctoritatis iusticia iam suam direxisset sententiam) ergangen war, einen mit Rat der Fürsten unter Zustimmung der Konfliktparteien vor ihm und nach Befragung der Förster ausgehandelten Vergleich (compositione idonea): Die Möglichkeit eines Beweises, der von den Förstern gegen jemanden, sei es mit Recht oder nicht, ohne die Zulassung eines Widerspruchs vorgebracht zu werden pflegte, wird wie folgt eingeschränkt: Wenn der Förster ein rechtmäßig erhaltenes Pfand vorzeigen kann, so zahlt der Beklagte nach Feststellung der Wahrheit ein Buße. Klagt der Förster jemanden an, ohne den rechtmäßigen Besitz eines Pfandes zu beweisen, auch wenn ihm dieses angeblich entfremdet wurde, so kann sich der Angeklagte mit Zeugen rechtfertigen (Probationem igitur, que super quemlibet iuste et iniuste sine contradictione a forestariis fieri solebat, hoc modo tantum posse fieri statutum est: Si forestarius vadium legittime acceptum poterit ostendere, ille, super quem facta fuerit proclamatio, cognita veritate bannum emendabit. Si vero forestarius aliquem sine vadio accusaverit, etiamsi vadium vi sibi dicat ablatum, accussatus tamen idoneis testibus se purgabit). Herzog Matthäus verzichtet auf widerrechtliche Leistungen von Geld und Getreide, auf seine und seiner Diener und Jäger Übernachtungen auf Klosterbesitz, auf den Nachlaß von Klerikern und auf ihm und seinen Vögten von den Bauern des Klosters geleistete Abgaben. Außerdem soll die Hälfte der von Ministerialen sowohl des Klosters als auch des Herzogs und seiner Vögte bei Gericht und anderweitig erzielten Einnahmen dem Kloster zufallen (Amplius consuetudines iniustas frumenti et denariorum et pernoctationes, quas ipse dux et ministri et venatores ipsius super ęcclesias abbatie et earum possessores facere solebant, et residua clerichorum post mortem, insuper quidquid super eosdem clericos pro consuetudine exigebat, in presentia principum et nostra dux ipse wirpivit. Amplius tallias, quas super rusticos eiusdem abbatie idem dux et advocati ipsius facere solebant, eumdem ducem ante presentiam nostram nichilominus wirpivisse perhibemus … Amplius quicquid etiam questus ministeriales tam ęcclesię quam ducis et advocatorum in placitis et causis seu quolibet modo per abbatiam fecerunt, ęcclesiae totum dimidiabitur). Z.: Kardinalbischof Dietwin von S. Rufina, Erzbischof Albero von Tier, die Bischöfe Stefan von Metz, Heinrich von Toul und Albero von Verdun, Herzog Friedrich (II. von Schwaben), Herzog Konrad (von Zähringen), die Grafen Reinald (von Bar), Hugo (von Dagsburg) und Ulrich (von Lenzburg), Primicerius Dietrich, Dekan Philipp, Stefan, Dekan von Toul, die Ritter (militum) Albert von Darnay, Peter von Mazerulles, Hermann von Saint-Hilaire-en-Woëvre, Vogt Gerhard, Folmar, Walfred, Propst Theobald, Archidiakon Roricus, Kanzler Wigger, Propst Richard, Vogt Albert. – Arnoldus canc. vice Alberti Mogontini archicanc.; unter teilweiser Benützung von DKo.III. 58 verfaßt von Empfängerseite, auf einem mit Monogramm, Beizeichen der Königin und Siegel versehenen Blankett von einem unbekanntem Schreiber geschrieben. SI. D. Quamvis universaliter dei.

Überlieferung/Literatur

Orig.: Bibliothèque Nationale de France à Paris, eingeheftet im Ms. nouv. acq. lat. 2528 Vol. I n. 2 (A). Drucke: MGH DKo.III. 75 (zu 1141 April, Metz – 1142 Mai Frankfurt); Chartes Remiremont Nr. 51, ed. II. Nr. 60 (Datierung wie DKo.III. 75). Regg.: Diestelkamp – Rotter 1 Nr. 226 (Datierung wie DKo.III. 75); GP 10/1 Nr. 241; Stumpf 3423.

Kommentar

Wegen der Unterfertigung der Königin Gertrud und eines Teiles der Zeugen weist die Urkunde ungewöhnliche Züge auf. Unsicher ist die Datierung: Als Ausstellungsort ist Metz angegeben, als Jahreszahl 1142, womit auch Indiktion und Regierungsjahre übereinstimmen. Da der im Juli 1141 verstorbene Adalbert II. von Mainz als Erzkanzler genannt wird, vermutete Bernhardi, Konrad III. 211f., daß die Urkunde auf dem Frankfurter Hoftag von Mai 1142 ausgestellt wurde, die beurkundete Handlung jedoch im April 1141 in Metz stattfand. Bernhardis Auffassung wurde in der MGH-Edition übernommen, und darüber hinaus eine analoge Datierung auch für das – Bernhardi nicht bekannte – DKo.III. 76 (Reg. 256) für das Domkapitel zu Verdun postuliert, das gleichfalls mit Metz 1142 datiert ist. In gleich zwei Fällen ein derartiges Auseinanderfallen von Handlung und Beurkundung, für das es im D für Verdun auch keinerlei Anhaltspunkt gibt, anzunehmen, erscheint kaum akzeptabel. Die Nennung Adalberts in der Rekognition läßt sich ohne weiteres damit erklären, daß der Empfängerschreiber sie aus dem ja teilweise als Vorlage benutzten DKo.III. 58 (Reg. 205) übernahm, wie es beispielsweise auch bei DKo.III. 83 (Reg. 259) vorgekommen ist. Es erscheint auch nicht plausibel, daß für Remiremont eine Schutzurkunde wie D 58 ausgestellt worden wäre, wenn wenige Tage später die Ausgleichsverhandlungen mit Herzog Matthäus angesetzt waren. Ein Aufenthalt Konrads in Metz ist zwar für 1142 anderweitig nicht überliefert, für 1141 aber ebensowenig. Ausgehend von Konrads Itinerar ist ein Aufenthalt 1142 in Metz am ehesten in den Monaten Oktober oder November möglich. – Die Streitigkeiten des Klosters mit den Herzögen von Lothringen, die die Vogtei innehatten, begannen schon 1114 und erreichten 1147 mit neuen Bedrückungen durch Herzog Matthäus und seiner Exkommunikation einen neuen Höhepunkt, vgl. Mohr, Lothringen 3 19–26; Hlawitschka, Studien 88f., und Poull, Maison de Lorraine 35f. Über die erwähnte päpstliche Entscheidung ist keine Urkunde erhalten. Die in DKo.III. 75 festgehaltene Vereinbarung wird auch in zwei Urkunden Papst Lucius´ II. von 1144, JL 8539 (Parisse, Bullaire de Lorraine Nr. 185) und JL 8540 (Parisse, Bullaire de Lorraine Nr. 186 = GP 10/1 Nr. 244) erwähnt.

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Empfohlene Zitierweise

RI IV,1,2 n. 255, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1142-10-00_1_0_4_1_2_256_255
(Abgerufen am 17.01.2017).