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RI IV Lothar III. und ältere Staufer (1125-1197) - RI IV,1,2

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Welf VI., der Bruder des abgesetzten Herzogs Heinrich (des Stolzen), beansprucht das Herzogtum Bayern nach Erbrecht für sich.

Überlieferung/Literatur

Hist. Welforum c. 25 50 (Ipse enim Gwelfo praefatum ducatum iure hereditatis ad se spectare proclamans); Otto von Freising, Chronik VII c. 26, MGH SSrerGerm 45 352 (Guelfo enim princeps prefatum ducatum se iure hereditatis contigisse calumpnians).

Kommentar

Die Nachricht vom Anspruch Welfs VI. auf das Herzogtum Bayern wurde schon von Gelehrten des 18. Jahrhunderts kontrovers interpretiert und wird es auch heute noch. Hechberger, Staufer und Welfen 21–30 (bei dem sich auch eine umfassende Auflistung der einzelnen Autoren findet), unterscheidet zwei Hauptlinien: eine Gruppe, die Welf nur als Repräsentanten des Welfenhauses handeln sieht, und eine andere, derzufolge er Bayern zumindest nach dem Verzicht Heinrichs des Löwen für sich selbst begehrte. Die in jüngerer Zeit mehrfach übernommene These von Feldmann, Welf VI. 14–20, daß Welf Bayern nur als Vormund Heinrichs des Löwen verlangte, widerspricht den Quellenaussagen und beruht auch hinsichtlich der Vormundschaft Welfs auf unzutreffenden Annahmen, vgl. Hechberger, Staufer und Welfen 24–29, und Niederkorn, Welf VI. 143f. An der Auffassung, daß Welf VI. „hier in welfischem und nicht allein in persönlichem Interesse kämpfte“ grundsätzlich festhaltend, hat Baaken, Welf VI. 9–28, die tatsächlichen Absichten Welfs als nicht zweifelsfrei feststellbar bezeichnet. Für Boshof, Staufer und Welfen 331, hat Welf hingegen „ohne Zweifel auf der Rechtsgrundlage eines subsidiären Agnatenerbrechts die Nachfolge seines Bruders in Bayern selbst antreten wollen“, und zwar möglicherweise mit dem zusätzlichen Motiv, daß ihm gerade zu dieser Zeit sein gleichnamiger Sohn geboren wurde. Ähnlich argumentiert Hechberger, Staufer und Welfen 209, demzufolge Welf sich auf aus langobardischer Zeit stammende, aber auch im 12. Jahrhundert präsente Rechtsvorstellungen berief, wonach der Bruder des Verurteilten diejenigen Lehen für sich beanspruchen konnte, die von einem gemeinsamen Ahnherrn stammten. Um diesen Anspruch geltend machen zu können, habe Welf sich nach dem Tod Heinrichs des Stolzen mit dessen Verurteilung abgefunden. Auch Niederkorn, Welf VI. 143ff., geht davon aus, daß Welf nur dann berechtigtermaßen eigene Ansprüche anmelden konnte, wenn er die Absetzung des Bruders als rechtsgültig akzeptierte, weil andernfalls dessen Sohn auch in Bayern der legitime Erbe gewesen wäre. Er nimmt aber an, daß Welf nicht schon nach dem Tod des Bruders, wie man aufgrund der allerdings auch andernorts chronologisch unzuverlässigen Historia Welforum annehmen könnte (vgl. den Kommentar zu Reg. 185), als Prätendent auftrat, sondern erst nach dem Ableben des bei Rechtsgültigkeit der Absetzung Heinrichs als rechtmäßig eingesetzt anzusehenden Herzogs Leopold, was der Darstellung in der Chronik Ottos von Freising entspricht. Auf dem Konstanzer Hoftag von März/April 1142, auf dem er durch eine Barbarossa-Urkunde bezeugt ist (siehe Reg. 233), könnte Welf seinen Anspruch auf das Herzogtum öffentlich kundgetan und vermutlich auch einen Waffenstillstand abgeschlossen haben; mit Boshof, Staufer und Welfen 333, ist nicht auszuschließen, daß Welf damals zu Hoffnungen berechtigende Versprechungen gemacht wurden.

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Empfohlene Zitierweise

RI IV,1,2 n. 222, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1141-10-18_2_0_4_1_2_223_222
(Abgerufen am 23.05.2017).