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RI IV Lothar III. und ältere Staufer (1125-1197) - RI IV,1,2

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Konrad stößt in Begleitung des Herzogs von Böhmen (Soběslav I.) mit seiner Streitmacht während des Vorrückens nach Sachsen bei Kreuzburg an der Werra auf das Heer Heinrichs (des Stolzen) und seiner Anhänger. Auf Betreiben der ihn begleitenden Bischöfe, besonders Erzbischofs Alberos von Trier, nicht jedoch Erzbischofs Adalberts (II.) von Mainz, verzichtet Konrad, von der Entschlossenheit des Gegners beeindruckt, auf einen Kampf und schließt mit den Sachsen nach Beratung mit den Großen des Reiches einen Waffenstillstand bis Pfingsten des folgenden Jahres. Zugleich wird den Sachsen für den 2. Februar ein Gerichtstag in Worms gesetzt.

Überlieferung/Literatur

Ann. Aquenses, MGH SS 24 37; Ann. Magdeburgenses, MGH SS 16 186; Ann. Palidenses, MGH SS 16 80 (Rex vero expeditionem contra Heinricum ducem movit in Saxoniam, sed illo cum suis complicibus iuxta Cruceburg occurrente, episcopi qui plures illo cum rege convenerant se interserentes congressuris inpedimento fuerunt, factaque compositione inter utramque partem, singuli ad propria cum pace redierunt); Ann. Patherbrunnenses 168 (Ann. Corbeienses maiores 71); Ann. Pegavienses, MGH SS 16 257f.; Ann. S. Aegidii Brunsvicensium excerpta, MGH SS 30 14; Ann. Stadenses, MGH SS 16 323f. (Conradus rex Saxoniam petiit, habens in comitatu suo ducem Boemie, contra quem Saxones strennue venientes circa Cruciburg castra posuerunt, Heinrico duce auctore. Bello itaque per inducias protracto, rex posito principibus Saxonie placito Wormacie in purificatione sancte Marie, revertitur); Annalista Saxo, MGH SS 37 613.; Balderich, Gesta Alberonis c. 15, MGH SS 8 252 (Ibi Albertus iunior, tunc Magontinus episcopus, omnimodis laborabat, ut ad maiorem discordiam hoc malum excresceret. Ipse autem dominus Albero dei adiutorio elaboravit, quod in pace ab invicem separati sunt …); Canonici Wissegradensis cont. Cosmae, MGH SS 9 145; Canonici Wissegradensis cont. Cosmae, FRB 2 231 (Congregatis igitur rex et dux Sobieslaus diversis aditibus Saxoniam cum intrarent, illi vim adventantium non ferentes ad castra confugierunt, nec prius vultui regis apparere praesumpserunt, quam mediante duce Sobieslao se ditioni regis subdentes, per omnia pacem eius adepti sunt. Sic salvo regis honore victoria sine armis peracta, inde redeuntes quendam locum vastaverunt et magnam praedam reduxerunt); Chron. regia Coloniensis Rec. I und II, MGH SSrer- Germ 18 76; Cronica S. Petri Erfordensis moderna, MGH SSrerGerm 42 174; Helmold von Bosau, Cron. Slavorum I c. 56, MGH SSrerGerm 32 110; Sächsische Weltchronik Rec. C c. 275 und Rec. AB c. 291, MGH Dt. Chron. 2 211 und 216.

Kommentar

Für die Motivation der vermittelnden Bischöfe wie auch für Konrads Bereitschaft, sich auf einen Waffenstillstand einzulassen, bieten sich verschiedene zu kombinierende Erklärungsansätze an. Während für Althoff, Konfliktverhalten 76, die Bischöfe damals einfach „ihre traditionelle Rolle als Vermittler spielten“, vermutete Bernhardi, Konrad III. 112f., hinter ihrem Verhalten „die Besorgnis, der König werde nach Niederwerfung Heinrichs des Stolzen durch die natürliche Folge der Dinge eine unabhängigere Stellung gewinnen, als es für die Kirche wünschenswerth sein mochte“, wobei er Albero von Trier noch das Ziel unterstellte, seine Kräfte für den zu erwartenden Konflikt um St. Maximin frei zu bekommen. Auch Partenheimer, Albrecht der Bär 92, meint, daß „die Aufrechterhaltung des bisherigen Schwebezustandes“ den Bischöfen „eigentlich recht angenehm sein“ mußte. Für die Bevorzugung einer militärischen Entscheidung durch Adalbert von Mainz mag die Befürchtung ausschlaggebend gewesen sein, daß der thüringische Besitz seines Bistums bei Fortdauer der Auseinandersetzungen in Mitleidenschaft gezogen werden könnte. Konrad war, da die Kontingente der kampfunwilligen Bischöfe einen nicht unbeträchtlichen Teil seines Heeres ausmachten, vermutlich gezwungen, auf deren Vermittlung einzugehen. Görich, Wahrung des honor 290–293, erblickt im zustandegekommenen Waffenstillstand keinen Konrads Ansehen schädigenden Rückschlag, sondern überlegt, „ob die compositio von Kreuzburg nicht schon die Grundlinien eines Ausgleichs zwischen Heinrich dem Stolzen und Konrad enthalten haben könnte“, mit dem Heinrich dem Stolzen die Belehnung mit Sachsen zugesichert, dieser hingegen zu einer symbolischen Genugtuungsleistung verpflichtet worden wäre.

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Empfohlene Zitierweise

RI IV,1,2 n. 156, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1139-08-15_1_0_4_1_2_157_156
(Abgerufen am 30.03.2017).