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RI IV Lothar III. und ältere Staufer (1125-1197) - RI IV,1,2

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Konrad schenkt als Seelgerät für sich und seine Angehörigen auf Intervention Königin Gertruds und wegen der treuen Dienste Bischof Udos dem Bistum Naumburg (sancte Nuwenburgensi ecclesie in honore beati Petri apostolorum principis consecrate) ‹seinen Königshof Breitenbuch (nostram regalem curiam Breitenbuch dictam)› mit dem angrenzenden großen Forst (silvam magnam que Vorst nuncupatur). Z.: Erzbischof Adalbert von Mainz, Bischof Bernhard von Hildesheim, Bischof Rudolf von Halberstadt, Erzbischof Konrad von Magdeburg, Bischof Wigger von Brandenburg, Herzog und Markgraf Albrecht (von Sachsen), Pfalzgraf (bei Rhein) Wilhelm, Graf Otto von Rheineck, Landgraf Ludwig (von Thüringen), Graf Sizzo (von Käfernburg), Ludwig von Lara, Ludwig von Wippra. – Arnoldus canc. vice Alberti archicanc.; unter weitgehender Verwendung des Textes eines vermutlich von Arnold A unter Benützung von Formularbehelfen verfaßten und geschriebenen echten D Konrads, das mit Ausnahme des Monogramms durch Rasur gänzlich getilgt wurde, im frühen 13. Jahrhundert verfälscht. SI. Cum ecclesias Dei.

Originaldatierung:
(septimo kalendas augusti, Quitelingenburch)

Überlieferung/Literatur

Verfälschtes Orig.: Domstiftverwaltung Naumburg (A). Drucke: UB Naumburg 1 Nr. 143; MGH DKo.III. †13. Regg.: Dobenecker 1 Nr. 1359; Stumpf 3380.

Kommentar

Anlaß für die Verfälschung des D dürften der Vorbemerkung zufolge die Auseinandersetzungen der Naumburger Bischöfe mit den Markgrafen von Meißen im frühen 13. Jahrhundert gewesen sein. Mit der Schenkung an die Naumburger Kirche wollte Konrad sich vermutlich für die königstreue Haltung Bischof Udos, eines Bruders Landgraf Ludwigs von Thüringen, erkenntlich zeigen, der in der Magdeburger Kirchenprovinz sein erster und für längere Zeit auch einziger Anhänger im Episkopat war, vgl. Schlesinger, Kirchengeschichte Sachsens 2 53f., und Partenheimer, Albrecht der Bär 89. – Der nur durch dieses D belegte Aufenthalt Konrads in Quedlinburg wurde von UB Naumburg 1 Nr. 143 und Mainzer UB 2/1 Vorbem. zu Nr. 5, mit der Begründung angezweifelt, daß der unter den Zeugen genannte Erzbischof Adalbert von Mainz schon zwei Tage später in Rusteberg im Eichsfeld urkundete. Angesichts der für das Hochmittelalter belegten Reisegeschwindigkeiten schließt das aber die Anwesenheit Adalberts in Quedlinburg nicht aus, vgl. Niederkorn, Prozeß 70 Anm. 8, und Partenheimer, Albrecht der Bär 103f. Anm. 66, sowie Ziegler, Datierung, der auch näher auf die Zeugenreihe eingeht. Da die schon von Mülverstedt, Regesta archiepiscopatus Magdeburgensis Nr. 1129, und Bernhardi, Konrad 57 Anm. 17, beobachtete eigentümliche Reihung der Erzbischöfe und Bischöfe nach Metropolitansprengeln ansonsten in den Diplomen Konrads III. nicht begegnet, gehe diese auf den Fälscher zurück. Im Zuge der erwähnten Auseinandersetzungen zwischen den Naumburger Bischöfen und den Wettinern, namentlich mit Markgraf Konrad (†1210) sowie Markgraf Dietrich dem Bedrängten (†1221), hatten letztere die Belehnung mit Gütern, Einkünften und Gerichtsrechten in den vormaligen Burggrafschaften Strehla und Zeitz durchsetzen können. Das D behauptet aber unter anderem gerade den Besitz des Zeitzer Forstes, denn Breitenbuch wird von Dobenecker 1 Nr. 1359 mit der Burg Breitenbach südwestlich von Zeitz (Burgenlandkreis) identifiziert, die 1238 ebenso wie der Forst als wettinisches Stiftslehen belegt ist. Um im Konflikt mit den Wettinern dem Anspruch des Naumburger Hochstifts zusätzlich Gewicht zu verleihen, habe der Fälscher den Namen des Metropoliten Naumburgs, nämlich Erzbischof Konrads von Magdeburg, in die ansonsten echten Zeugenreihe eingefügt.

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Empfohlene Zitierweise

RI IV,1,2 n. †110, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1138-07-26_1_0_4_1_2_110_F110
(Abgerufen am 23.07.2017).