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RI IV Lothar III. und ältere Staufer (1125-1197) - RI IV,1,1

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Lothar schlägt am 30. August außerhalb der Stadt am Fluß Calore in Ubianum ad ecclesiam sancti Stephani sein Lager auf. Am 1. September zieht Richenza in Begleitung von etwa 100 Berittenen durch die Porta Aurea (den Trajansbogen) in die Stadt ein, hört eine feierliche Messe in der Kathedrale, wo sie auf den Altar des hl. Bartholomäus ein Pallium und ein Pfund Silber niederlegt, und gelangt durch die Hauptstraße, bestaunt und bejubelt von der Bevölkerung, die seit unzähligen Jahren keine Kaiserin oder Kaiser mehr bei sich gesehen hat, hinauf zur Porta Somma, durch die sie die Stadt verläßt und zum Heer zurückkehrt. Am 5. September nehmen deutsche Erzbischöfe, Bischöfe und Äbte neben Patriarch Peregrin von Aquileia an der Weihe des Erzbischofs Gregor von Benevent teil, welche Papst Innozenz II. vollzieht. Am 6. September wird Lothar im Lager vom Patriarchen Peregrin, dem Kardinalpriester Gerhard (von S. Croce in Gerusalemme) und anderen Kardinälen im Auftrage des Papstes aufgesucht. Sie tragen die Bitte der Beneventaner vor, daß der Kaiser dem normannischen Grafen Roger von Ariano und dessen Baronen befehlen möge, durch Eid gegenüber den Bewohnern der Stadt auf die fidantia und andere genannte Abgaben auf Grundbesitz, Kirchen und Feldfrüchte zu verzichten, ohne darüber den Markt der Stadt zu beeinträchtigen. Der von Lothar umgehend vorgeladene Graf verweigert den Eid, da er einen solchen schon dem ehemaligen Beneventaner Comestabel Rolpoto geleistet habe, zwingt aber in seiner Begleitung namentlich genannte Barone, einen solchen Eid vor Lothar zu schwören. Seine übrigen Barone soll er auf Befehl des Kaisers denselben Eid in Montefusco ablegen lassen. Am 7. September erscheint Kardinal Gerhard abermals im Lager, und zwar mit den Stadtrichtern von Benevent. Sein Verlangen, daß Graf Roger und dessen Barone ihm den erwähnten Eid leisten mögen, lehnt jener wieder ab, da er schon geschworen habe. - Lothar verhandelt mit Rainulf von Alife, Herzog von Apulien, über apulische Angelegenheiten und empfiehlt ihm, möglichst viele deutsche Ritter für den Kampf gegen Roger II. anzuwerben; 800 Deutsche schließen sich dem Herzog an. - Wahrscheinlich hier predigen am 8. September (Mariä Geburt) Bernhard von Clairvaux und Bischof Anselm von Havelberg vor Innozenz II. - Am 9. September bricht Lothar das Lager ab, zieht an der Porta Somma vorbei und verläßt mit dem Papst das Gebiet der Stadt.

Überlieferung/Literatur

Ann. Saxo zu 1137, MGH SS 6 S. 775: Inde Beneventum petentes et ibi de diversis negotiis Apulie conponendis cum duce tractantes hortantur eum, ut Teutonicorum militum, utpote virtute animi et usu milicie fortitudinis et audatie Latinis prestantium, quoscumque posset, contra Rozierum sibi adiungeret. Quorum mox 800 ad ipsum congregati reversi sunt Melphiam.... Anselm von Havelberg, Epistola ad Ecbertum abbatem Huysburgensem, Migne PL 188 S. 1128. Falco zu 1137, hg. Del Re S. 233-235. Otto v. Freising, Chron. VII, 20, MGH SSrerGerm 45 S. 338. Reg.: JL 1 S. 876f. Boshof, Germ. Pont. X, 1 S. 100 Nr. *214.

Kommentar

Die von Falco erwähnte Bartholomäuskirche war damals die heutige Marienkathedrale, vgl. KEHR/ HOLTZMANN, It. Pont. 9 S. 54 Nr. 15, S. 71. Zur Porta Aurea, im Zuge der nordöstlichen mittelalterlichen Stadtbefestigung gelegen, s. STEFANO BORGIA, Memorie istoriche della pontificia città di Benevento 1, Benevento 1763 S. 159f.; zur Porta Somma s. Reg. 584-16. Zu Erzbischof Gregor von Benevent, der 1133 von Kardinal Gerhard eingesetzt worden war und 1134 dem von Anaklet ernannten Rossmann (vgl. Reg. 584-16) weichen mußte, s. O. VEHSE, Benevent als Territorium des Kirchenstaates bis zum Beginn der avignonesischen Epoche, 1. Teil, in: QFIAB 22 (1930/31) S. 144-146, 149, vgl. auch N. KAMP, Der unteritalienische Episkopat im Spannungsfeld zwischen monarchischer Kontrolle und römischer "libertas" von der Reichsgründung Rogers II. bis zum Konkordat von Benevent, in: Società, potere e popolo nell'età di Ruggero II, Atti delle terze giornate normanno-sveve, Bari 23-25 Maggio 1977, 1979 S. 112, 114. Zum Comestabel Rolpoto, 1131 Führer der Beneventaner Kommune, s. VEHSE, a.a.O. S. 140. Zur fidantia, einem Sammelbegriff für im Gebiet von Neapel und Benevent von Grundbesitzern, die ihren Boden selber bewohnten und bewirtschafteten, durch die Normannen erhobene Abgaben, vgl. F. CHALANDON, Histoire de la domination normande Bd. 2, 1907 S. 693f. Über Anselm von Havelberg und Bernhard von Clairvaux vor Innozenz II. vgl. PETKE, Lothar S. 331 mit Anm. 78. Vgl. BERNHARDI, Lothar S. 748-750. Bei den angeworbenen Deutschen kann es sich um Söldner handeln, vgl. E.-D. HEHL, Kirche und Krieg im 12. Jh., 1980 S. 47.

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Empfohlene Zitierweise

RI IV,1,1 n. 617, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1137-08-30_1_0_4_1_1_634_617
(Abgerufen am 23.03.2017).