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RI IV Lothar III. und ältere Staufer (1125-1197) - RI IV,1,1

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Lothar nimmt die Kanoniker von S. Maria in Porto (vor Ravenna) in seinen Schutz, bestätigt ihnen die Genossenschaft an dem in der Grafschaft Comacchio am Fluß Ganga gelegenen Wald (consortes et participes sint ... silvę comitatus Clumiaclensis, quę sita est in rama Ganga), die Mitnutzung aller öffentlichen Einnahmen (de omnibus publicariis) in besagter Grafschaft und alles, was sie jetzt und in Zukunft an Rechten aus königlicher Verfügungsgewalt (de regali publico) besitzen, befreit sie von allen Lasten und Leistungen für sich oder andere, sei es für einen drohenden Krieg oder für gemeinsame Belange Ravennas (sive pro imperiali sive pro alicuius potestatis fiat servitio, sive pro imminente guerra sive pro ipsius Ravennę communi negotio) - und zwar nicht nur in Stadt und Gebiet von Ravenna (in civitate Rauenna eiusque confiniis), sondern überall sonst -, und gewährt ihnen freien Handel für ihre Bedürfnisse zu Lande und zu Wasser mit ihren Erzeugnissen, insbesondere mit Salz, das sie nach Belieben in die Lombardei, nach Mantua, Cremona und Pavia verbringen dürfen. - Ego Bertoldus vice Brunonis archicancellarii recognovi; von Ekkehard A = Bertolf verfaßt und geschrieben möglicherweise unter Benutzung der Urkunde Papst Honorius' II. von 1125 (JL 7209). SI. D. Imperialis dignitas in.

Originaldatierung:
(MCXXXVII, aput ecclesiam sancti Thomę in episcopatu Pensauriensi)

Überlieferung/Literatur

Or.: Ravenna, Biblioteca Classense, C. 869, S. Maria in Porto (A). Abschrift aus der Mitte des 12. Jh. ebenda (B). Drucke: Annibale degli Abati Olivieri-Giordani, Memorie della Badia di S. Tomaso in Foglia nel contado di Pesaro, Pesaro 1778 S. 139 Nr. 4. M. Fantuzzi, Monumenti Ravennati de'secoli di mezzo tom. 2, Venezia 1802 S. 113 Nr. 59. DLo.III. 113. Reg.: Stumpf 3347.

Kommentar

Die Überlieferung B ist eine der Kanzlei Friedrichs I. vorgelegte Bittschrift, vgl. HIRSCH/ OTTENTHAL, DDLo.III. 113, und APPELT, DF.I. 111, Vorbemerkungen. Versehen mit der Überschrift exemplum de autentico und geschrieben unter Nachahmung der Hand des EA, bietet sie eine Interpolation, durch welche Lothar den Kanonikern das Holzschlagrecht in einem Walde bei Medicina verliehen hätte. Am Schluß folgt in Buchschrift ein Satz, der mit den Worten beginnt Item petimus ex domini regis benignitate und vom Herrscher die Bestätigung alles dessen zu erlangen sucht, was die Markgrafen Friedrich und Werner von Ancona dem Stift in der Grafschaft Senigallia verliehen haben. - Das regulierte Kanonikerstift S. Maria lag ehedem in Porto, heute Porto Fuori am Kanal der Fiumi Uniti südöstl. von Ravenna. Zu ihm, auch zu seinem lebhaften Salzhandel, s. W. GEHRT, Die Verbände der Regularkanonikerstifte S. Frediano in Lucca, S. Maria in Reno bei Bologna, S. Maria in Porto bei Ravenna und die cura animarum im 12. Jh., 1984 S. 115-118, 122ff., 148ff. - Zur Deutung des regale publicum vgl. J. FRIED, Der Regalienbegriff im 11. und 12. Jh., in: DA 29 (1973) S. 492f. - BRÜHL, Fodrum S. 566 Anm. 602, läßt offen, ob mit dem Diplom eine Befreiung vom Königsfodrum gewährt wurde. - Zum Ausstellungsort, der einstigen Benediktinerabtei S. Tomaso an der Foglia 13 Kilometer südwestl. von Pesaro, s. KEHR, It. Pont. 4 S. 182.

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Empfohlene Zitierweise

RI IV,1,1 n. 564, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1137-03-00_1_0_4_1_1_564_564
(Abgerufen am 06.12.2016).