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RI IV Lothar III. und ältere Staufer (1125-1197) - RI IV,1,1

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Lothar bestätigt auf Bitte der Äbtissin Constantina dem Kloster S. Giulia in Brescia allen Besitz samt dem Kloster (S. Salvatore) in Agna (Alina), dem Kloster Campora und dem Kloster Sextuno, dem von Herzog Allo erbauten Kloster (S. Salvatore) in Lucca und dem von seinem Vorgänger Kaiser Lothar (I.) verliehenen Hafen in Piacenza (portu Placentino), den Pfalzgraf Wilhelm (von Lomello) sich angeeignet hatte, der aber nun nach Urteil des Hofgerichts restituiert ist (set iudicante ita curia nostra ex integro eum restituimus) mit der Maßgabe, daß der Pfalzgraf der Äbtissin als Buße für die lange zu Unrecht vorenthaltenen Einkünfte aus dem Hafen (pro reditibus eiusdem portus) einhundertundfünfzig Pfund zahlt, bestätigt außerdem das Hospital S. Benedetto in Montelungo, das Kloster in Sirmione, das neue Kastell auf dem Rezino in der Nachbarschaft von Garda (cum castro novo situm in monte Rezino in vicinia Gardę) sowie Nuvolera (Nuuelaria), Barbata, Calvatone, Alfiano, Cicognara (Ciconiaria), Migliarina (Miliarina) und Sermide (Sarmida) und verleiht die Immunität, wobei die Äbtissin über Fodrum und Polizeigewalt (districtum) selbst verfügen soll. - Ego Ekkehardus vice Brunonis archicancellarii et Coloniensis archiepiscopi recognovi; unter Verwendung von DKa.III. 28, Böhmer/Zielinski Nr. 637 (VU. I), DH.III. 142 (VU. II) und DH.IV. 376 (VU. III) verfaßt und geschrieben von Ekkehard A = Bertolf. SI. 3. Iustum est et.

Originaldatierung:
(VII. idus oct., in campo Casalis maioris)

Überlieferung/Literatur

Or.: Brescia, Biblioteca Civica Queriniana, Pergamene (A).
Drucke: Margarini, Bullarium Casinense vol. 2 S. 150 Nr. 159. DLo.III. 99 a.
Reg.: Stumpf 3334.

Kommentar

Entgegen HIRSCH/ OTTENTHAL, DLo.III. 99, Vorbemerkung, war eher DH.IV. 376 als DH.III. 216 eine der VUU., weil DH.IV. 376 - sonst eine wortwörtliche Wiederholung von DH.III. 216 - wie das vorliegende Diplom in der Besitzbestätigung Alina et Campora et Sextuno hat, vgl. auch DDLo.III. S. 158 Anm. c (zu DLo.III. 99 a).
- Zu dem Ende des 8. Jh. in Lucca bezeugten Herzog Allo und dem von ihm gestifteten Kloster S. Salvatore in Lucca s. H. SCHWARZMAIER, Lucca und das Reich bis zum Ende des 11. Jh., 1972 S. 39. Mit dem Damenkloster SS. Salvatore e Giulia wurde es 851 von Lothar I. und 861 von Ludwig II. an jeweilige Töchter verliehen (DLo.I. 115, BÖHMER/ ZIELINSKI Nr. 79. BÖHMER/ ZIELINSKI Nr. 198). In beiden Diplomen sind bereits S. Salvatore in Agna und die Klöster Campora und Sextuno genannt. Nach FEDOR SCHNEIDER, Die Reichsverwaltung in Toscana, Rom 1914 S. 314-317, war Agna in Fiesolaner Besitz (vgl. DKo.II. 78) und wurde mit S. Salvatore in Lucca nur durch unbegründete Übernahme aus den VUU. als Besitz von S. Giulia angeführt.
- Mit der Urkunde Lothars I. für S. Giulia über den Hafen von Piacenza ist offenbar das Deperditum DLo.I. 172 gemeint.
- Der Pfalzgraf Wilhelm ist Pfalzgraf Wilhelm von Lomello, s. J. FICKER, Forschungen zur Reichs- und Rechtsgeschichte Italiens 2, 1869 S. 76, BERNHARDI, Lothar S. 665 Anm. 19, vgl. G. BISCARO, I conti di Lomello, in: Archivio storico Lombardo, ser. 4 vol. 6 (1906) S. 376f., R. PAULER, I conti di Lomello, in: Formazione e strutture dei ceti dominanti nel medioevo: Marchesi, conti e visconti nel Regno Italico (secc. IX - XII). Atti del primo convegno di Pisa: 10 - 11 maggio 1983 (Istituto storico italiano per il medio evo. Nuovi studi storici 1) Roma 1988 S. 196. Wilhelm war nach der Vermutung von A. SOLMI, Le diete imperiali di Roncaglia e la navigazione del Po presso Piacenza, in: Archivio storico per le province Parmensi NS 10 (1910) S. 82 Anm. 3 - unter Verweis auf eine Zeugenaussage von 1149 (A. SOLMI, S. 130f. Nr. 2 § 3 = A. CORNA/ F. ERCOLE/ A. TALLONE, Il Registrum magnum del comune di Piacenza [Biblioteca della Società storica subalpina 95, NS 1] Turin 1921 S. 129 Nr. 96 = Il Registrum Magnum del Comune di Piacenza 1, hg. v. E. FALCONI e R. PEVERI, Milano 1984 S. 187 Nr. 90): Set comes occasione sancte Iulie introivit - vielleicht zunächst vom Kloster mit der Verwaltung des Hafens beauftragt. Zu Hafen und Fährrechten von S. Giulia in Piacenza s. Reg. 531.
- Wegen Verleihung der Immunität vom Grafen von Garda in Reg. 531 ist das castrum novum gegen DH.III. Register S. 617, gegen N. ARBINGER, Komitat, Adel und städtische Kommune in der Lombardei während des 11. und 12. Jahrhunderts. Diss. phil. Wien 1968 (Masch.) S. 156 (Karte 17), S. 188, und DDE. I. Bd. 4 S. 536, kaum mit Castrezzone (südwestl. Salò westl. des Gardasees) gleichzusetzen, obwohl mit "Garda" nicht nur das Ost-, sondern offenbar auch das Westufer bezeichnet werden konnte, vgl. HANS BAUR, Das Reichsgut in Venetien. Diss. phil. Frankfurt a. M. 1922 (Masch.) S. 20 Anm. 3, mit Verweis auf das am Westufer gesuchte, 834/36 von Abt Wala von Bobbio erwähnte (s. L.M. HARTMANN, Zur Wirtschaftsgeschichte Italiens im frühen Mittelalter. Analekten, 1904 S. 129f. Nr. 4) Ölgut Garda.

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Empfohlene Zitierweise

RI IV,1,1 n. 516, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1136-10-09_1_0_4_1_1_516_D516
(Abgerufen am 23.07.2017).