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RI IV Lothar III. und ältere Staufer (1125-1197) - RI IV,1,1

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Lothar 〈bestätigt, als er das Osterfest in Aachen feiert〉, dem Kloster St. Jakob in Lüttich 〈auf Bitten von Graf Arnold von Loon (Los) und der Mönche die Tradition des Besitzes des gestorbenen Edelfreien Walther Teutonicus (Walterus cognomento Teutonicus vir ingenuus) durch dessen Neffen und Erben Heinrich in den Orten Ediger und Ürzig (in villis Hadegrin scilicet et Vrchith) mit allem Zubehör einschließlich der Rechte im Allmendwald (in foreste etiam quę communis erat cum circummanentibus) und die wenig spätere Tradition von 30 Schillingen in Greimerath (in villa Engramrode) mit dem Allmendwald (cum communi foreste) und dem Hörigen Walther nebst Frau und Kindern, welche der genannte Heinrich nach dem Tode seines Bruders Udo, des vormaligen rechtmäßigen Erben, mit der Maßgabe vollzogen hatte, daß er - wie schon Walther - und die Angehörigen seiner Familie und seiner Verwandtschaft (ipse, uxor, filii filięque eius tum etiam propinqui et amici) in der Klosterkirche ihre Grabstätten fänden und ihrer Anniversarien gedacht würde. Während der von Walther gestiftete Besitz von allen vogteilichen Ansprüchen befreit war, sollte bei dem von Heinrich stammenden Gut seinem vom Abt bestellten Vogt jedes Haus nur (solummodo) jährlich einen Malter Getreide entrichten; im übrigen sollten dort dem Vogt alle Forderungen, Herberge, Unterhalt (obsonium), Gerichtsgefälle und jeglicher Introitus, es sei denn, daß der Abt ihn riefe, verboten sein. Beide Traditionen erfolgten durch die Hand des Klostervogtes Arnold von Loon. Zeugen beider Vergabungen waren Herzog Walram, Graf Lambert von Clermont (Claromonte), Graf Gerhard von Jülich (Iuleto), Goswin von Valkenburg (Falconmont), Gottfried von Esch (Azsche), Wigger, Vogt von Saint-Lambert, und aus der Familia der (Lütticher) Kirche (de familia ecclesię) Wederich und Anelin de Pré, Eberhard und Adelhard (Wedericus de Prato, Anelinus, Euerardus, Adelardus)〉. Z.: Erzbischof Bruno von Köln, die Bischöfe Albero von Lüttich, Andreas von Utrecht und Werner von Münster, die Herzöge Walram und Konrad, Markgraf Albrecht (von der Nordmark), Pfalzgraf Otto, Graf Arnold von Klève, Graf Gerhard von Jülich, Goswin von Valkenburg und Gerhard von Hochstaden (Hostat). - Ego Berthaldus vice Adelberti archicancellarii recognovi; VUU.: D Heinrich V. Stumpf 3208 (VU. I), das unechte D Heinrich V. Stumpf 3209 (VU. II), DKo.III. 56 oder das nach diesem interpolierte DLo.III. 57 (Reg. 386) (VU. III); verfälscht von Empfängerseite. Ehedem SI. 3 nach dem Textzeugen B f. 33r (alt S. 63). Quia iusticiam et pacem.

Originaldatierung:
(MCXXXVI, Aquisgrani)

Überlieferung/Literatur

Verfälschung; Kop.: Lüttich, Universitätsbibliothek, Ms 188 C, H. Van den Berch, Monumenta Patriae Leodiensis, erste Hälfte des 17. Jh., f. 32r-33r (alt S. 61-63) (B). Drucke: S.P. Ernst, Histoire du Limbourg tom. 6, Liège 1847 S. 130 Nr. 43 (aus dem Or., unvollständig). Ch. Quix, Codex diplomaticus Aquensis tom. 1, pars 2, Aquisgrani 1840 S. 68 Nr. 98. DLo.III. 80. Reg.: Heinemann, Cod. dipl. Anhaltinus 1 S. 177 Nr. 231. Wauters, Table chronologique 2 S. 185. Knipping, Regesten Köln 2 Nr. 317. Krabbo, Regesten Brandenburg Nr. 42. Muller/Bouman, OB Sticht Utrecht 1 S. 327 Nr. 357. Stumpf 3316.

Kommentar

Das Diplom ist in der vorliegenden Fassung wegen der mehrfachen Verwendung der unechten VU. II und insbesondere wegen der Benutzung des verfälschten Reg. 386 für den Vogteipassus (solummodo annuatim sibi solvi debere, non pernoctationes, non precarias ibi habere neque intrare neque exire ei licere) beziehungsweise des DKo.III. 56 interpoliert. Vgl. gegen die Herausgeber HIRSCH/ OTTENTHAL, die seine Echtheit vertraten, die hinsichtlich des Diktats nicht durchweg zutreffende Kritik von J.F. NIERMEYER, Onderzoekingen over Luikse en Maastrichtse oorkonden en over de Vita Baldrici Episcopi Leodiensis (Bijdragen van het Instituut voor Middeleeuwsche Geschiedenis der Rijks-Universiteit te Utrecht 20) Groningen 1935 S. 61f., und die Zweifel an der Authentizität bei J. STIENNON, Étude sur le Chartrier et le Domaine de l'Abbaye de Saint-Jacques de Liège (Bibliothèque de la Faculté de Philosophie et Lettres de l'Université de Liège Fasc. CXXIV) Paris 1951 S. 129-131, 355. Vgl. auch Reg. 386. Zu den VUU. I und II vgl. STIENNON, Étude S. 121-124. Das nur in Reg. 386 und hier erscheinende solummodo ist kein ausreichendes Indiz, eine Verwendung nur von Reg. 386 und nicht auch des DKo.III. 56 als VU. anzunehmen; Reg. 386 ist unter Benutzung des DKo.III. 56 interpoliert worden. Das durch den Textzeugen B f. 33r (alt S. 63) überlieferte Monogramm entspricht dem dritten, seit Reg. 369 bezeugten Monogramm des Ekkehard A (= Bertolf): Der Fuß der mittleren Vertikale setzt auf dem als Basis dienenden 0 auf, ohne dieses zu schneiden. Die ebenda fragmentarisch nachgezeichnete Siegellegende ist jene des kaiserlichen Siegels. Hinweise auf eine Beteiligung Bertolfs am Diktat finden sich nicht. Als echte Bestandteile eines 1136 in Aachen gegebenen Diploms, wofür in diesem Jahr nur Ostern in Betracht kommt, haben das Datum, das Eschatokoll und die Zeugen zu gelten. Ob Gegenstand des echten Diploms die Bestätigung der in der Interpolation angeführten Traditionen und Besitzungen gewesen ist, muß offen bleiben (vgl. NIERMEYER, Onderzoekingen S. 62), obwohl diese bereits von Innozenz II. am 29. November 1137 unter den Klostergütern genannt werden, J. RAMACKERS, Papsturkunden in den Niederlanden II (AbhhGesWiss.Göttingen 3. Folge Nr. 9) 1934 S. 126 Nr. 31, das Eschatokoll veröffentlicht in J. RAMACKERS, Papsturkunden in Frankreich NF 4. Picardie (AbhhAkad.Göttingen 3. Folge Nr. 27) 1942 S. 526 Nr. 2: possessiones quoque seu predia, que Walterus Teutonicus et Henricus nepos eius uobis contulerunt, Hadegrin, Vremtich, Engranrode. Der Fälschungszweck war wahrscheinlich die Beschneidung der Rechte des Vogtes an den genannten Gütern; dessen Nennung - wie in der unechten VU. II - als Petent könnte auf die Verpflichtung seiner Nachfolger auf die durch die Fälschung angestrebte Regelung abgestellt haben. Zu den Grafen von Loon vgl. J. BAERTEN, Het graafschap Loon (11de-14de eeuw) (Maaslandse Monografieën 9) Assen 1969. - Zu den moselländischen Besitzungen von St. Jakob in Ediger und Ürzig sowie in Greimerath vgl. STIENNON, Étude S. 344-356. - Der unter den Zeugen der beiden Traditionen erwähnte Graf Lambert von Clermont (Clermont-sous-Huy) ist personengleich mit Lambert von Montaigu (com. Marcourt, ö. Marche, Prov. Luxembourg), vgl. P.C. BOEREN, De Oorsprong van Limburg en Gelre en enkele naburige heerschappijen, Maastricht 1938 S. 46-51. Zu Wigger, dem Vogt der Lütticher Kathedralkirche, vgl. C. GODEFROID, L'avouerie de la cathédrale Saint-Lambert de Liège, dite avouerie de Hesbaye, du Xe au milieu du XIVe siècle, in: Le Moyen Age 81 (1975) S. 371-406, bes. S. 375f. Zu den bischöflich Lütticher Ministerialen vgl. STIENNON, Étude S. 130f. Bei dem unter den Zeugen des Lothardiploms genannten Herzog Konrad handelt es sich wahrscheinlich um Konrad von Zähringen und nicht um Konrad von Schwaben; der Pfalzgraf Otto dürfte Otto von Rheineck und nicht Otto von Wittelsbach gewesen sein, vgl. PETKE, Lothar S. 179ff., 184, 230.

Nachträge (1)

Nachtrag von Ger de Vries, eingereicht am 26.12.2012.

Meines Erachtens ging es hier um Konrad von Schwaben, weil er ein Konradiner war, ebenso wie die Ehefrau von Otto von Rhieneck und der Wigger (von Nassau) Waremme Vogt von Hesbay er is auch ein konradiner.

1034: „Nassauua“ (Nassau) „in pago Loganehe in comitatu Wiggeri et Arnoldi comitum“.

Azecho Bishop of Worms donated property "prædium…Nasouva…in pago Loganehe in comitatu Wiggeri et Arnoldi comitum" to his bishopric by charter dated 17 Jun 1034

Schannat, J. F. (1734) Historiæ Episcopatus Wormatiensis, Tome II, Codex Probationem (Frankfurt) ("Worms Codex (1734) Tome II"), LV, p. 51.

Die Konradiner hatten die meiste anspruche auf Hesbay, ihre vorfahren in 732 Hertog van Hesbaye/Haspengou!

Rutpert wurde erwänt in eine Urkunde von Karel Martel durch die Kirche von Utrecht 1-1-722; nachdem bis 757 in Urkunden genant; Herzog im Haspengau (Hesbaye) im 732; Graf im Oberrhein- und Wormsgau; wird am 7-4-741/742 genannt, als er Guter an die Abtei von St. Truiden schenkte, angedeutet in: 'Robertus comes, filius quandam Lantberti'; gezant nach der Paps Paulus 757; gestorben in oder vor 764.

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Empfohlene Zitierweise

RI IV,1,1 n. †473, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1136-03-22_2_0_4_1_1_473_F473
(Abgerufen am 16.01.2017).