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RI IV Lothar III. und ältere Staufer (1125-1197) - RI IV,1,1

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Lothar bestätigt auf Bitte der Äbtissin Oda und auf Ersuchen seines Kapellans, des Propstes Hermann (Herimanni prepositi, capellani nostri), sowie der Kleriker und Kanonissen von St. Gertrud in Nivelles die von Kaiser Heinrich IV. und dessen Sohn König Heinrich verbriefte Teilung des stiftischen Besitzes unter das Hospital (xenodochium), das Äbtissinnengut (beneficium abbatisse) und die 72 Präbenden der Kanoniker und Kanonissen (prebende fratrum et sanctimonialium). Zum Besitz des Kapitels (ad congregationem) gehören der Burgus Nivelles mit allen Einkünften und der dortigen Kirche (cum ipsa ecclesia) und allem Zubehör und außerhalb des Burgus Lennick-Saint-Quentin (Lennecha) nebst Kirche, Wambeek nebst Kirche, Tubize mit der dortigen Kirche (cum ipsa ecclesia), Gooik, Rebecq-Rognon (Rosbecca), Hennuyères, Ittre mit Kirche, Baulers mit Kirche, Buzet mit Kirche, Brohl mit dem ganzen Weingarten, Ara mit den Weingärten in Lay (Leia) und Klotten, Vorst mit der Kirche, Duffel, weiter die von der Gräfin Ida von Bouillon (Boloniensis ... comitissa) mit Zustimmung ihres Sohnes, des später zum König von Jerusalem gewählten (qui postea divina clemencia in regem Gerosolimitanum est electus) Herzogs Gottfried (von Niederlothringen), mit Zubehör und der ganzen Familia tradierten Vieux-Genappe (Genapia) und Baisy-Thy (Basius), ferner Foillidhes, Tenneville (Attigeiuilla) und Villers-la-Ville (Vileur) sowie das ganze Almosenamt (omnis prepositura illa que constat ex elemosinis). Zum Äbtissinnengut (beneficium abbatisse) gehören in der Abteiburg (infra urbem) die Kirche (altare) Sainte-Gertrude mit der gesamten Familia und außerhalb Sprendlingen mit den Weingärten in Bingen, Oedekoven, Binsfeld (Buezfelt) mit Kirche, Nil-Abbesse (Niel), Meerbeke mit Kirche, Roux-lez-Charleroi (Ruorz), Corires und die Kirche von Rebecq-Rognon und von Hennuyères mit den übrigen Lehen (beneficiis), welche die Ritter (milites) zum gemeinsamen Dienst an Kapitel und Äbtissin in Besitz haben. Zum Gut des Hospitals zählen Monstreux mit Kirche und alle Fronhofzehnten von den Gütern (des Stifts) und den Lehngütern des Grafen (von Löwen) (dominicales decime tam prediorum nostrorum quam beneficiorum comitis). Kapitel (congregacio) und Äbtissin sollen sich gegenseitig bei ihren Rechten halten, und das Hospital soll nicht fremden Zwecken, sondern Pilgern, Kranken und Armen dienen durch angemessene Verwaltung durch eine oder mehrere Dignitäre (persone), die dazu vom Stift gewählt werden. Z.: Erzbischof Bruno von Köln, Elekt Albero von Lüttich; die Bischöfe Andreas von Utrecht, Albero (von Verdun und Stephan) von Metz; Pfalzgraf Otto (von Rheineck), Markgraf Albrecht (von der Nordmark). - Ego Bertaldus vice Ekkicardi cancellarii recognovi; zumindest teilweise verfaßt und geschrieben von Ekkehard A = Bertolf unter Verwendung des verfälschten DH.IV. 49 (VU.). Satisfaciens petitioni Ode.

Originaldatierung:
(Mo Co XXXVI, Aquisgrani)

Überlieferung/Literatur

Kop.: Brüssel, Archives Générales du Royaume, Archives ecclésiastiques du Brabant Nr. 1417, Kopialbuch von Nivelles, Liber grossus, um 1500, f. 310v - 311v (B). Wien, Österreichisches Staatsarchiv (Haus-, Hof- und Staatsarchiv), RHR Confirmationes privilegiorum der lateinischen Expedition 5, Konv. 3 f. 56, Beilage zum Konzept der Bestätigung durch Kaiser Karl V. von 1549 November 27 (C). Landeshauptarchiv Koblenz, 56 Nr. 1588, Appellationsprozess Metternich contra Trier wegen Rheinbrohl 1726-1773, Beilage 8 f. 34, Abschrift von 1726 (D). Drucke: Aubertus Miraeus, Donationes Belgicae libri duo, Antverpiae 1629 S. 116 Nr. 57. Recueil des traitez de paix, de trêve, de neutralité ... et d'autres actes publics tom. 1, Amsterdam 1700 S. 21. A. Miraeus/J.F. Foppens, Opera diplomatica et historica tom. 1, Bruxellis 1723 S. 384 Nr. 57. Jean Dumont, Corps universel diplomatique du droit des gens tom. 1, Aamsterdam 1726 S. 75. DLo.III. 79. Reg.: Heinemann, Cod. dipl. Anhaltinus 1 S. 177 Nr. 230. Wauters, Table chronologique 2 S. 185. Knipping, Regesten Köln 2 Nr. 316. Krabbo, Regesten Brandenburg Nr. 41. Muller/Bouman, OB Sticht Utrecht 1 S. 327 Nr. 356. Stumpf 3315.

Kommentar

Zur eigenhändigen Beteiligung des Ekkehard A = Bertolf an der Mundierung vgl. HIRSCH/ OTTENTHAL, DLo.III. 79, Vorbemerkung. Zur Verwendung des verfälschten DH.IV. 49 als VU. vgl. die dortige Vorbemerkung. Die in beiden Diplomen vorausgesetzte Teilung des Stiftsgutes ist vor 1126 vollzogen gewesen, da am 28. Februar dieses Jahres die Äbtissin Oda die Kirche von Lennick-Saint-Quentin dem Kapitel zusprach, dessen Mitglieder sie für sich beanspruchten, indem sie ad huius sui iuris comprobationem Henrici quarti imperatoris decretale preceptum de suarum rerum distinctione in ecclesia habitum exhibebant, a praedecessoribus tamen - nescio qua intentione - occultatum (MIRAEUS/ FOPPENS, Opera diplomatica et historica tom. 1 S. 682, vgl. DH.IV. 49, Vorbemerkung). - Zu den vielleicht schon im Original, wahrscheinlicher aber bei der Abschrift ausgefallenen Zeugennamen und zur Einreihung des Diploms wegen der teilweisen Übereinstimmung seiner Zeugen mit jenen des Reg. 473 zu Lothars Aachener Osterhoftag vgl. HIRSCH/ OTTENTHAL, DLo.III. 79, Vorbemerkung. Albero ist - obwohl nur Elekt - als Ortsbischof vor seinen Amtsbrüdern genannt. Da er in Reg. 473 als Bischof erscheint, ist er wahrscheinlich während des Aachener Osterhoftages - vgl. Reg. 472 - von Erzbischof Bruno von Köln geweiht worden. - Der Kapellan Hermann war Propst des mit dem Stift Nivelles verbundenen Kanonikerkapitels Saint-Paul, vgl. PETKE, Lothar S. 94-98, J.J. HOEBANX, L'Abbaye de Nivelles des Origines au XIVe siècle (Académie Royale de Belgique, Cl. des lettres, Coll. in 8o, 46 Fasc. 4) Bruxelles 1952 S. 137, 301ff., 337. - Zu den weltlichen Zeugen vgl. PETKE, Lothar S. 179ff. - Zum Nivelloiser Besitz und Hospital vgl. HOEBANX, a.a.O. S. 120ff., 184ff. Die in unserem Diplom gegenüber DH.IV. 49 hinzugetretenen Güter Genappe und Baisy-Thy sind laut DH.IV. 459 durch die Äbtissin Richeza von der Gräfin Ida von Bouillon 1096 käuflich erworben worden. - Zur Abteiburg Nivelles mit ihren Kirchen Sainte-Gertrude, Saint-Paul und Notre-Dame und zum südlich davon gelegenen Suburbium, dessen Nikolaikirche in vorliegendem Diplom gemeint sein dürfte, vgl. B. DELANNE, Histoire de la ville de Nivelles des origines au XIIIe siècle (Annales de la Société archéologique et folklorique de Nivelles et du Brabant Wallon 14) 1944 S. 197-200, 307-314, insbes. S. 310f. mit Anm. 73, Annexe Nr. 18, 22 (Planskizzen). - Die erwähnten Fronhofzehnten sind die auf den Salhöfen erhobenen kirchlichen Zehnten, vgl. G. WAITZ, Deutsche Verfassungsgeschichte 8, 1878 (ND 1955) S. 349, R. SCHRÖDER/ E. FRHR. v. KÜNSSBERG, Lehrbuch der deutschen Rechtsgeschichte, 7. Aufl. 1932 S. 568 Anm. 8. Unter dem namentlich nicht genannten Grafen, dessen Lehngüter bezehntet wurden, ist wahrscheinlich der jeweilige Vogt aus dem Haus der Grafen von Löwen zu verstehen, die seit 1002 die Vogtei innehatten, vgl. HOEBANX, a.a.O. S. 122, 159ff.

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Empfohlene Zitierweise

RI IV,1,1 n. 471, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1136-03-00_1_0_4_1_1_471_471
(Abgerufen am 20.10.2017).