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RI IV Lothar III. und ältere Staufer (1125-1197) - RI IV,1,1

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Lothar feiert mit den Fürsten das Pfingstfest. Die Fürsten des Reiches beschwören vor ihm einen Landfrieden unter sich und mit anderen auf zehn Jahre, dem darauf das Volk sowohl in Magdeburg als auch in den einzelnen Reichsteilen beizutreten gehalten ist. Anwesend sind Herzog Sobeslav von Böhmen, Gesandte Herzog Boleslaws von Polen, Gesandte Herzog Gottfrieds von Niederlothringen und Gesandte der Ungarn, der Dänen und der Slaven. Die Feindseligkeiten zwischen dem Herzog der Böhmen und dem der Polen werden angeblich eingestellt.

Überlieferung/Literatur

Ann. Hild. zu 1135, MGH SSrerGerm 8 S. 69. Ann. Magd. zu 1135, MGH SS 16 S. 185: pentecosten Magadaburg, ubi Oudelricus dux Boemiorum et legati Bolizlavi ducis Polanorum et Godefredi ducis de Lovene ... affuere. Ann. Patherb. zu 1135, hg. Scheffer-Boichorst S. 162. Ann. Saxo zu 1135, MGH SS 6 S. 769: ubi primo principes regni coram ipso firmissimam pacem domi forisque ad decem annos iuraverunt, et deinde cetera multitudo plebis tam ibi quam per singulas regni partes hec eadem facere suadetur et conpellitur. Ibidem dux Boemie et dux Ungarie inimicicias ad invicem habentes confederantur. Insuper legati Bolizlavi ducis Polanorum et Godefridi de Lovene ducis Lotharingie, Ungarorum etiam et Danorum necnon et Slavorum illic adfuere, quos omnes cum dignis responsis remisit. Chron. Gozec. II, 29, MGH SS 10 S. 157; hg. R. Ahlfeld, in: JbGMittelOstdtld 16/17 (1968) S. 45: A partu uirginis annus MCXXXV computatur, cum per Lotharium imperatorem sancti spiritus aduentus Merseberg (!) celebratur. Chron. Montis Sereni, MGH SS 23 S. 144. Chron. Regia Coloniens. Rez. I zu 1135, MGH SSrerGerm 18 S. 72. Vgl. Petrus Diaconus, Cat. regum ... ac imp., MGH SS 3 S. 219: Lotharius ann. 12 m. ... Hic Danos et Leuticos sub Romano imperio redegit. Reg.: Mülverstedt, Regesta archiepiscopatus Magdeburgensis 1 S. 429f. Nr. 1096f.

Kommentar

Der Landfriede für das Reich wurde schon auf dem Bamberger Hoftag vom 17. März 1135 beschworen, vgl. Reg. 429. Wahrscheinlich traten ihm in Magdeburg die sächsischen Großen bei. - Mit BERNHARDI, Lothar S. 568 Anm. 19, müßte es beim Ann. Saxo anstelle des dux Ungarie richtig dux Polonie heißen. Im ungarischen Thronstreit zwischen König Béla II. von Ungarn und dem Boris, einem Halbbruder König Stephans († 1131), hatte Boleslaw III. von Polen für Boris, Sobeslav von Böhmen hingegen für Béla Partei ergriffen; Lothar hatte sich bereits 1134 auf die Seite Bélas II. gestellt, vgl. Reg. 390. Gesandte von diesem dürften nach Magdeburg gekommen sein. Der Nachricht von der angeblich schon hier vollzogenen Versöhnung der Herzöge von Polen und Böhmen liegt wahrscheinlich eine Verwechslung des Magdeburger mit dem Merseburger Hoftag zu Grunde, vgl. Reg. 453. - Über den 1128 von Lothar abgesetzten niederlothringischen Herzog Gottfried vgl. Reg. 162. Dieser hatte sich möglicherweise bereits 1131 in Lüttich dem Herrscher genähert, vgl. Reg. 266, anders dagegen BERNHARDI, Lothar S. 569. Dessen weitere Annahme sowie die Auffassung von W. SCHOPPMANN, La formation et le développement territorial du duché de Limbourg du XIe siècle jusqu'en 1288, in: Bulletin de la Société Verviétoise d'Archéologie et d'Histoire 51 (1964) S. 59, es sei 1135 zu einer Versöhnung gekommen, wobei dem Löwener der Herzogstitel vorenthalten worden sei, haben mit WALTER MOHR, Geschichte des Herzogtums Lothringen 2. Niederlothringen bis zu seinem Aufgehen im Herzogtum Brabant (11.-13. Jahrhundert), 1976 S. 197 Anm. 550, keine Grundlage in den Quellen. - Die dänischen Gesandten müssen im Auftrag König Erich Emunes (1134-1137) erschienen sein, der am 4. Juni 1134 Lothars Lehensmann, den Niels-Sohn Magnus (vgl. Reg. 392), in der Schlacht bei Fotevig in Schonen besiegt und getötet hatte; kurz darauf wurde der flüchtige König Niels in Schleswig von den Mitgliedern der dortigen Gilde aus Rache für die Ermordung ihres Gildebruders und Schutzherrn Knut Lavard erschlagen, vgl. N. SKYUM-NIELSEN, Kvinde og Slave. Danmarkshistorie uden retouche 3, Kopenhagen 1971 S. 76f., ERICH HOFFMANN, Königserhebung und Thronfolgeordnung in Dänemark, 1976 S. 80, ERICH HOFFMANN, Beiträge zur Geschichte der Stadt Schleswig und des westlichen Ostseeraums im 12. und 13. Jahrhundert, in: ZGesSchleswHolstG 105 (1980) S. 40. - Lothar wurde zusammen mit König Erich 1135 in der Datierung der Urkunde Bischof Eskils von Roskilde für Kloster Næstved auf Seeland genannt, Diplomatarium Danicum 1, 2, hg. L. WEIBULL/ N. SKYUM-NIELSEN, 1963 S. 128 Nr. 64: imperante Lothario Romanorum Cesare augusto, anno Vo Erici Danorum regis, vgl. T.S. NYBERG, Die Kirche in Skandinavien (Beiträge zur Geschichte und Quellenkunde des Mittelalters 10) 1986 S. 151. - Die slavischen Abgesandten waren möglicherweise solche Pribyslav-Heinrichs von Brandenburg, vgl. KAHL, Slawen und Deutsche S. 49.

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Empfohlene Zitierweise

RI IV,1,1 n. 440, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1135-05-26_1_0_4_1_1_440_440
(Abgerufen am 29.03.2017).