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RI IV Lothar III. und ältere Staufer (1125-1197) - RI IV,1,1

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Lothar bestätigt auf Bitten Abt Heinrichs dem Kloster Hersfeld den Besitz und insbesondere die drei (Pfarr)kirchen in Allstedt, Riestedt und Osterhausen mit dem gesamten Zehnten vom Friesenfeld und Hassegau (tres ecclesias dominicales, unam in Alstedi, unam in Rietstedi, unam in Orderhusun, cum omni decimatione de Frisenuelt et Hassega), was alles Kaiser Karl der Große auf Bitten Erzbischof Luls von Mainz, zu dessen Diözese die Kirchen mit den vorgenannten Zehnten gehörten, durch zwei Privilegien dem Kloster zuerst verliehen und dann bestätigt hat, und zwar dreißig und mehr Jahre vor Errichtung der sächsischen Bistümer und der Halberstädter Kirche (cum duobus privilegiis primo tradidit, secundo confirmavit XXXta et eo amplius annis ante episcopiorum per Saxoniam distributionem et Haluerstatensis ęcclesię constructionem). Diese Verleihung hätten dreihundert Jahre später Bischof Reinhard von Halberstadt und dessen Nachfolger Bischof Otto - entgegen dem von Heinrich V. in Merseburg, wo auch Lothar anwesend gewesen sei, nach dem Urteil Bischof Ottos von Bamberg mit Zustimmung der Fürsten verliehenen Privileg - streitig gemacht (cum ccctis postea annis Reginhardus Haluerstatensis episcopus infringere temptavisset et contra privilegium predecessoris nostri Henrici Vti in Merseburc, ubi et nos affuimus, iudicio Ottonis Babenbergensis episcopi et assensu principum datum successorem eiusdem invasionis Ottonem Haluerstatensem episcopum habuisset), bis endlich der Streit auf der Mainzer Synode kanonisch beendet und der Besitz der vorgenannten Zehnten dem Abt Heinrich und dem Kloster Hersfeld mit Zustimmung der Synode zugesprochen und von Erzbischof Adalbert von Mainz mit Bann und Privileg (banno et privilegio) bestätigt worden sei. - Eco Eggehardus vice Adelberti archicancellarii et archiepiscopi Moguntini recognovi; VUU.: D Heinrich V. Stumpf 3083 von 1112 (VU. I), DKdGr 229 (VU. II), D Heinrich V. Stumpf 3029 a (= 3213) von 1108 (= Reg. 11) (VU. III), Erzbischof Adalbert von Mainz von 1133 Oktober 21, Stimming, Mainzer UB 1 S. 505 Nr. 588 (= Reg. 367) (VU. IV); verfaßt von Ekkehard A = Bertolf und von Empfängerseite; mundiert von Ekkehard B. SI. 3. Sicut ęcclesiarum dei.

Originaldatierung:
(VII. kal. nov., Fuldę)

Überlieferung/Literatur

Or.: Hessisches Staatsarchiv Marburg, M I Stift Hersfeld, 1134 Okt. 26 (A). Abb.: Koch, Schrift der Reichskanzlei Abb. 14 (Teilabb.). Drucke: H.B. Wenck, Hessische Landesgeschichte 2, Frankfurt und Leipzig 1789, UB S. 83 Nr. 56. Schmidt, UB Halberstadt 1 S. 143 Nr. 172. DLo.III. 68. Reg.: Böhmer-Will, Regesten Mainz 1 S. 299 Nr. 272. Dobenecker 1 Nr. 1296. Diestelkamp/Rotter, Urkundenregesten zur Tätigkeit des deutschen Königs- und Hofgerichts 1 S. 147 Nr. 206. Stumpf 3300.

Kommentar

Zu Diktat und Mundierung vgl. HIRSCH/ OTTENTHAL, DLo.III. 68, Vorbemerkung. Über die benutzten VUU. vgl. HIRSCH/ OTTENTHAL und zur - vor der Mundierung von VU. III gefälschten - VU. II vgl. E. HÖLK, Zehnten und Zehntkämpfe der Reichsabtei Hersfeld im frühen Mittelalter (Marburger Studien zur älteren deutschen Geschichte II, 4) 1933 S. 30ff., und H. WEIRICH, UB der Reichsabtei Hersfeld 1, 1, 1936 S. 20 Nr. 11+, Vorbemerkung; über VU. III vgl. HÖLK, a.a.O. S. 17-19. Die Behauptung des vorliegenden Diploms, daß Karl der Große zwei Urkunden über das Hersfelder Besitzrecht an den drei Kirchen Allstedt, Riestedt und Osterhausen ausgestellt habe, findet sich in der VU. II mit der Wendung semel iam et secundo angedeutet; wahrscheinlich sind das echte DKdGr 129 von 780 und die gefälschte VU. II. gemeint, vgl. WEIRICH, a.a.O. - Zur Geschichte der Allstedter Wipertikirche, deren Patrozinium erstmals 1282 bezeugt ist, vgl. M. GOCKEL, Allstedt, in: DIE. Bd. 2 Thüringen Lfg. 1, 1984 S. 26f. Im Jahre 960 werden die capelle Allstedt und Osterhausen als Hersfelder Besitz genannt, DO.I. 215. Im Jahre 979 nebst der capella Riestedt und den Zehnten im Hassegau-Friesenfeld der Ausstattung von Kloster Memleben zugewiesen, fielen sie 1015 an Hersfeld zurück, DO.II. 191, DH.II. 330. Von Heinrich V. 1108 samt den Zehnten in Anwesenheit Lothars gegen die Ansprüche Bischof Reinhards von Halberstadt dem Kloster Hersfeld zugesprochen und dabei abermals als capelle bezeichnet (VU. III = Reg. 11), erscheinen sie in VU. I von 1112 wie im vorliegenden Diplom unter der Bezeichnung ecclesie dominicales. Damit sollte offenbar ihr rechtlicher Status als derjenige von zehntberechtigten Pfarrkirchen gekennzeichnet werden, vgl. HÖLK, a.a.O. S. 81, vgl. auch GOCKEL, a.a.O. Zu den Kirchen Osterhausen und Riestedt vgl. HÖLK, a.a.O. S. 73f., M. ERBE, Studien zur Entwicklung des Niederkirchenwesens in Ostsachsen vom 8. bis zum 12. Jh., 1969 S. 29, 174f. - Über Lage und Name des Hassegau-Friesenfelds vgl. W. HESSLER, Mitteldeutsche Gaue des frühen und hohen Mittelalters (Abhh. Sächs. Akad. Wiss. 49, 2) 1957 S. 63ff., 80ff. - Über den Hersfeld-Halberstädter Zehntstreit und das Scheitern Reinhards von Halberstadt 1108 an dem unter dem Vorsitz Ottos von Bamberg tagenden Fürstengericht - die Nennung von Otto von Bamberg und Lothar in unserem Diplom im Zusammenhang mit Merseburg ist gegen VOGT, Herzogtum S. 151 Nr. 14, mit BOGUMIL, Das Bistum Halberstadt, 1972 S. 35 Anm. 164, nicht auf den Merseburger Tag von 1112, sondern auf jenen von 1108 zu beziehen, wo beide unter den Zeugen erscheinen (VU. III = Reg. 11, vgl. ferner STUMPF 3029) - und im Jahre 1112 an Heinrich V. vgl. HÖLK, a.a.O. S. 76ff., 81, H.-P. WEHLT, Reichsabtei und König, 1970 S. 188f., BOGUMIL, a.a.O. S. 29, 35. Über die abermalige Aufnahme des Streits durch Bischof Otto von Halberstadt 1133, die zur im Diplom erwähnten Mainzer Synodalentscheidung führte, vgl. Reg. 367. Die für die Mainzer Entscheidung in unserem Diplom behauptete Bannverhängung ist im Synodaldekret nicht erwähnt. - Über Lothars Stellung zu Otto nach 1131 vgl. PETKE, Lothar S. 339ff. - Nachdem am 1. November 1134 auch Innozenz II. die Mainzer Synodalentscheidung zugunsten Hersfelds bestätigt hatte (JL 7659; JAKOBS, Germ. Pont. IV S. 283 Nr. 18), wurde der Zehntstreit nicht mehr weiter verfolgt.

Nachträge (1)

Nachtrag von Dieter Rübsamen, eingereicht am 22.09.2015.

Lit.: R. Kraemer, Kaiser Lothar III. bestätigt den Hersfelder Klosterbesitz : eine Kaiserurkunde von 1134, in: Mein Heimatland. Zeitschrift für Geschichte, Volks- und Heimatkunde 33 (1989), S. 93-95.

 

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Empfohlene Zitierweise

RI IV,1,1 n. 416, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1134-10-26_1_0_4_1_1_416_416
(Abgerufen am 19.10.2017).