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RI IV Lothar III. und ältere Staufer (1125-1197) - RI IV,1,1

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Anstelle des durch Gift gestorbenen Abtes Berthou von Fulda tritt der Fuldaer Mönch Konrad mit Lothars Zustimmung die Nachfolge an. - Hier erscheint Herzog Friedrich von Schwaben, der Not gehorchend, weil er von den meisten verlassen worden ist und seine Anhänger schwer heimgesucht worden sind, und bittet barfuß die Kaiserin Richenza um ihre Gnade in der Hoffnung, daß sie als seine Verwandte auch die Gnade Lothars erwirken werde. Richenza läßt ihn durch den anwesenden päpstlichen Legaten - wahrscheinlich Dietwin, Kardinalbischof von S. Rufina - von der dreimal über ihn verhängten Exkommunikation lösen. Darauf leistet Friedrich den Eid, daß er Lothar künftig getreulich anhängen und auf dem nächsten Hoftag vor den Fürsten mit deren Rat und Hilfe um die Gnade des Kaisers bitten werde.

Überlieferung/Literatur

Ann. Magd. zu 1134, MGH SS 16 S. 184f.: eique (sc. Berthou) Cuonradus eiusdem cenobii monachus per concessionem imperatoris succedit. Ann. Saxo zu 1134, MGH SS 6 S. 769. Cronica Fuldensis nach Zitat des Apollo von Vilbel zu (1134), hg. J. Rübsam, Die Chronik des Apollo von Vilbel, in: ZVHessG 24 NF 14 (1889) S. 254: Lotharius rex secundo modo Fulde fuit. - Ann. Patherb. zu 1134, hg. Scheffer-Boichorst S. 161: Frithericus dux tandem diffidens rebus suis gratiam imperatoris per quoscunque potuit obtinere elaborat. Ann. Magd. zu 1134, MGH SS 16 S. 185: Fridericus vero dux cernens se a pluribus derelictum et destitutum et sibi adherentes valde afflictos necessitate compulsus adiit imperatricem in predicto loco (sc. Fulda) cum imperatore degentem, nudis pedibus satis humiliter flagitans gratiam ipsius simulque sperans se per illam, quia neptis sua erat, in gratiam cesaris deventurum. Quod et sic factum est. Nam ipsa fecit eum absolvi per legatum apostolici, qui ibi tunc presens fuerat ab excommunicatione, qua per septem continuos annos fuit separatus a communione sancte ecclesie ... Receptus ergo in consortium sancte ecclesie magnis sacramentis se obligavit, quod imperatori fideliter et devote in posterum vellet adherere et ad proximum placitum coram principibus gratiam illius cum illorum auxilio exquirere. Ann. Saxo zu 1134, MGH SS 6 S. 769. Ann. Palid. (zu 1135), MGH SS 16 S. 79. Chron. Regia Coloniens. Rez. I zu 1134, MGH SSrerGerm 18 S. 71. Reg.: Jakobs, Germ. Pont. IV S. 392 Nr. *103.

Kommentar

Über die Fuldaer Chronik in der Benutzung des Apollo von Vilbel vgl. W. HEINEMEYER, Chronica Fuldensis. Die Darmstädter Fragmente der Fuldaer Chronik (AfD Beiheft 1) 1976 S. 28f. - Über Berthou vgl. Reg. 345 und 370; er starb am 22. Juli 1134, vgl. M. SANDMANN, Die Folge der Äbte, in: KARL SCHMID (Hg.), Die Klostergemeinschaft von Fulda im früheren Mittelalter 1 (Münstersche Mittelalter-Schriften 8, 1) 1978 S. 201f. Nr. 33. Über Konrad († 14. April 1140) vgl. KARL SCHMID, S. 202 Nr. 34. Konrad dürfte während Lothars Aufenthalt die Investitur erhalten haben. - Lothar war womöglich vom Erscheinen des Staufers überrascht und wohl nur von wenigen Fürsten umgeben. Wahrscheinlich deshalb verschob er die Annahme der öffentlichen Unterwerfung seines Widersachers, den er offenbar nicht vorgelassen hat, auf einen allgemeinen Hoftag, vgl. Reg. 429. - Richenza war über ihre Mutter Gertrud und die Kaiserin Gisela mit Herzog Friedrich verwandt, vgl. BERNHARDI, Lothar S. 555 Anm. 26, A. WOLF, Königskandidatur und Königsverwandtschaft, in: DA 47 (1991) S. 53, Stammtafeln S. 103, 112. - Über das bei der Unterwerfung beobachtete Ritual vgl. T. REUTER, Unruhestiftung, Fehde, Rebellion, Widerstand: Gewalt und Frieden in der Politik der Salierzeit, in: ST. WEINFURTER (Hg.), Die Salier und das Reich 3, 1991 S. 322. - Über die mutmaßliche Identität des päpstlichen Legaten vgl. BACHMANN, Legaten S. 40-42, JAKOBS, a.a.O. Wegen seiner Anwesenheit am 1. Januar 1135 in Aachen (vgl. Reg. 422) kommt wohl Dietwin und kaum der von BERNHARDI, Lothar S. 555f., genannte Kardinalpriester Gerhard von S. Croce in Gerusalemme als der in Fulda tätige Legat in Betracht.

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Empfohlene Zitierweise

RI IV,1,1 n. 417, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1134-10-00_1_0_4_1_1_417_417
(Abgerufen am 25.03.2017).