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RI IV Lothar III. und ältere Staufer (1125-1197) - RI IV,1,1

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Lothar bietet die Nordalbinger zum Burgwerk auf und läßt hier im Slavenland eine Burg bauen, die mit einer starken Besatzung unter dem Befehl seines Getreuen Hermann versehen wird und den Namen Segeberg erhält. Slavische Fürsten, die im Dienst des Kaisers stehen, leisten beim Bau Hilfe, und einer von ihnen bezeichnet Vizelin als denjenigen, welcher dem Kaiser den Berg zur Errichtung einer Zwingfeste über ihr Land, über Polabien und das Land der Abodriten verraten habe. Zu Füßen des Berges stiftet Lothar das Augustiner-Chorherrenstift Segeberg, dotiert es und vertraut seine Leitung Vizelin an. Ebenso verfährt er hinsichtlich der Kirche in Alt-Lübeck, indem er dem Fürsten Pribyslav (von Wagrien und Polabien) befiehlt, Vizelin zu schützen, den er, zur Bekehrung der Slaven entschlossen, zum Bischof zu machen gedenkt.

Überlieferung/Literatur

Helmold, Cron. Slav. I, 53, MGH SSrerGerm 32 S. 104: Venit in terram Slavorum ad locum destinatum. Precepitque omni populo Nordalbingorum, ut occurrerent ad edificacionem castelli. Sed et principes Slavorum aderant in obsequium imperatoris, facientes operacionem, sed cum grandi tristicia, eo quod sentirent clam sibi suscitari pressuram. Dixit igitur quidam principum Slavorum ad alterum: ,Vides hanc structuram firmam et preeminentem? Ecce vaticinor tibi, quia castrum hoc erit iugum universae terrae; hinc enim egredientes primum effringent Plunen, deinde Aldenburg atque Lubeke, deinde transgressi Trabenam Racesburg et omni Polaborum terra abutentur. Sed neque Obotritorum terra effugiet manus eorum'. Cui ille respondit: ,Quis nobis malum hoc paravit, aut regi montem hunc quis prodidit?' Ad quem princeps: ,Vides', inquit, ,homuncionem illum calvum, stantem prope regem? Ille induxit super nos universum malum hoc'. Perfectum est igitur castrum et numeroso milite communitum vocatumque Sigeberg. Posuitque in eo quendam satellitem suum Herimannum, qui castro preesset. ... Porro dispensacionem eiusdem basilicae commisit domno Vicelino, ut edificiis subrigendis et personis coadunandis instaret propensius. Idem quoque fecit de Lubicensi ecclesia, precipiens Pribizlavo sub obtentu gratiae suae, ut memorati sacerdotis vel qui vicem eius egissent plenam gereret diligentiam. Proposuitque, ut ipse protestatus est, omnem Slavorum gentem divinae religioni subigere et de ministro Christi statuere pontificem magnum. Reg. 402.

Kommentar

Helmolds Erzählung ist im Wissen um die später folgenden Ereignisse, darunter die Erhebung Vizelins zum Bischof von Oldenburg im Jahre 1149, verfaßt. Lothar dürfte 1134 nur die notwendigen Anordnungen zum Bau der Burg und des Stiftes getroffen haben. Zur strategischen Bedeutung des Segeberger Kalkfelsens, dessen älterer Name Alberg lautet (vgl. Helmold I, 49 S. 97), vgl. E. HOFFMANN, Vicelin und die Neubegründung des Bistums Oldenburg/Lübeck, in: Lübeck 1226. Reichsfreiheit und frühe Stadt. Hg. O. AHLERS u.a., Lübeck 1976 S. 127. Durch die Errichtung Segebergs als Reichsburg unter dem Kommando eines königlichen Gefolgsmannes kam Graf Adolf II. von Schaumburg in Wagrien nicht schon unter Lothar, sondern erst 1143 unter Heinrich dem Löwen zum Zuge, vgl. U. LANGE, Grundlagen der Landesherrschaft der Schauenburger in Holstein, in: ZGesSchleswigHolstG 99 (1974) S. 20f. - Die Gleichsetzung des Kommandanten Hermann mit Graf Hermann II. von Winzenburg und die Datierung des ganzen Vorgangs auf 1131 durch M.-L. CRONE, Untersuchungen zur Reichskirchenpolitik Lothars III., 1982 S. 211, 214f. - die Gleichsetzung mit dem Winzenburger nimmt auch vor F. JUNGMANN-STADLER, Hedwig von Windberg, in: ZBayerLdG 46 (1983) S. 280 -, sind verfehlt. - Mit der Errichtung der Burg tat Lothar einen weiteren Schritt zur unmittelbaren Herrschaft über die Wagrier und Abodriten; die von Helmold behauptete Abhängigkeit slavischer Fürsten von Lothar dürfte durch dessen Kriegszug des Jahres 1131 befestigt worden sein, vgl. Reg. 287. Daß es sich bei den Fürsten, wie in JOACHIM HERRMANN (Hg.), Die Slawen in Deutschland. Ein Handbuch, 1985 S. 382, angenommen, um Pribyslav von Wagrien und Polabien und um den Abodritenherrscher Niklot handelt (vgl. Helmold, Cron. Slav. I, 52 S. 102, I, 55 S. 107), ist nicht gesagt, zumal Helmold an mehr als zwei slavische Große denkt: quidam principum Slavorum ad alterum, vgl. W.H. FRITZE, Probleme der abodritischen Stammes- und Reichsverfassung und ihrer Entwicklung vom Stammesstaat zum Herrschaftsstaat, in: H. LUDAT (Hg.), Siedlung und Verfassung der Slawen zwischen Elbe, Saale und Oder, 1960 S. 173. - Über die Errichtung des Augustiner-Chorherrenstiftes Segeberg und seine Dotation durch Lothar vgl. K. JORDAN, Die Anfänge des Stiftes Segeberg, in: ZGesSchleswigHolstG 74/75 (1951) S. 59ff., 88., und Reg. 402. Daß, wie Helmold berichtet, Lothar dem Pribyslav den Schutz Vizelins befohlen hat, ist denkbar. Denn obwohl ein Feind der Christen und trotz seines Angriffes auf Segeberg im Jahre 1138 hat der Fürst die damals in Alt-Lübeck weilenden Priester Ludolf und Gefährten in seine Obhut genommen, vgl. Helmold I, 55 S. 107. - Über Alt-Lübeck vgl. W. NEUGEBAUER, Der Burgwall Alt-Lübeck. Geschichte, Stand und Aufgaben der Forschung, in: Offa 21/22 (1964/65) S. 127ff., K. ZERNACK/ W. NEUGEBAUER, Alt-Lübeck, in: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde 2. Aufl. 1, 1973 S. 233-236, W. NEUGEBAUER, Der Stand der Erforschung Alt-Lübecks, in: Vor- und Frühformen der europäischen Stadt im Mittelalter, Teil 2, hg. H. JANKUHN/ W. SCHLESINGER/ H. STEUER (AbhhAkad.Göttingen 3. Folge Nr. 84) 1974 S. 231-238, T. KEMPKE, Alt Lübecks Aufstieg zur Königsresidenz, in: Zeitschrift für Archäologie 18 (1984) S. 93-100. - Für die Nachricht, Lothar habe sich zur Bekehrung der Slaven entschlossen, stützt sich Helmold offenbar auf die Narratio des Diploms für Segeberg, vgl. Reg. 402.

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Empfohlene Zitierweise

RI IV,1,1 n. 399, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1134-05-00_1_0_4_1_1_399_399
(Abgerufen am 16.12.2017).