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RI IV Lothar III. und ältere Staufer (1125-1197) - RI IV,1,1

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Lothar beurkundet, daß der Edelfreie Widukind von der Burg Schwalenberg in Sachsen (nobilis de Sualemberc castro in Saxonia) auf dem Aachener Hoftag (veniens ad curiam Aquisgrani) zu Epiphanie (6. Januar) dem Kloster St. Jakob in Lüttich <durch dessen Vogt Graf Arnold (Arnulphus) von Loon > die Hälfte der Kirche und seines Allods in dem Ort (villa) Bassenge an der Geer, die er mütterlicherseits geerbt hatte, tradiert hat, <untersagt dem über das Gut gesetzten Vogt die Erhebung von Abgaben, das Herbergsrecht und die Verlehnung seiner Vogtei, bestimmt, daß der Vogt bei Gerichtsverhandlungen des Abtes nur auf dessen Einladung erscheinen und dann nur ein Drittel der Gefälle empfangen soll und legt die Aufteilung des Zehnten von Bassenge waren, sollen dessen Nachfolger nur ein Drittel zu ihrer Präbende (in prebendam) haben, während die restlichen zwei Drittel dem Kloster zufallen>. Z.: Bischof Alexander von Lüttich, Propst Hugo von Aachen, Propst Reimbold von St. Johannes in Lüttich, Propst Nikolaus von Saint-Denis (in Lüttich), Herzog Walram, Pfalzgraf Otto, Vicedominus Bernhard, Goswin von Valkenburg (Falconmont), Richwin von Malburgen (Maberg), aus der familia der (Lütticher) Kirche Franco von Fexhe (Feh), Eberhard von St. Jakob und Hellinus de Foro sowie als Bürgen (fideiussores) Engelbert de Bucenhem und Gerhard von Bekkevoort (Bacunwes). - Ego Bethaldus vice Adelberti archicancellarii recognovi; VUU.: DH.IV. 398 (VU. I), D Heinrich V. Stumpf 3208 (VU. II), DDH.IV. 470 a und b (VUU. III, IV), das unechte D Heinrich V. Stumpf 3209 (VU. V), DKo.III. 56 (VU. VI); verfaßt von Empfängerseite unter Nachzeichnung der von Ekkehard A = Bertolf mundierten Signum- und Rekognitionszeilen. SI. [3] D. Sicut imperiali magnificentia.

Originaldatierung:
(Aquisgrani)

Überlieferung/Literatur

Verfälschung; angebliches Or.: Lüttich, Archives de l'État, Archives ecclésiastiques, Chartrier de l'Abbaye de Saint-Jacques Carton 1 Nr. 20. Kop.: Universitätsbibliothek Lüttich, Ms 188 C, H. Van den Berch, Monumenta Patriae Leodiensis, erste Hälfte des 17. Jh., f. 12v-13r (alt S. 22-23) (B). Abb.: J.F. Niermeyer, Onderzoekingen over Luikse en Maastrichtse oorkonden en over de Vita Baldrici Episcopi Leodiensis (Bijdragen van het Instituut voor Middeleeuwsche Geschiedenis der Rijks-Universiteit te Utrecht 20) Groningen 1935 Tf. 2 (Teilabb.). J. Stiennon, Étude sur le Chartrier et le Domaine de l'Abbaye de Saint-Jacques de Liège (Bibliothèque de la Faculté de Philosophie et Lettres de l'Université de Liège Fasc. CXXIV) Paris 1951 Tf. 17 (Teilabb.). Drucke: Ch. Quix, Codex diplomaticus Aquensis tom. 1, pars 1, Aquisgrani 1839 S. 67 Nr. 97. DLo.III. 57. Reg.: Wauters, Table chronologique 2 S. 175. Stumpf 3289.

Kommentar

Das Diplom ist in der vorliegenden Form eine Fälschung, welche in den Signum- und Rekognitionszeilen die Schriftzüge des Ekkehard A = Bertolf nachzeichnet. Von einer Beteiligung des Notars Ekkehard B kann entgegen der Auffassung von HIRSCH/ OTTENTHAL, DLo.III. 57, Vorbemerkung, keine Rede sein, vgl. NIERMEYER, Onderzoekingen S. 52, HAUSMANN, DKo.III. 56, Vorbemerkung, PETKE, Lothar S. 68 Anm. 306. Das Monogramm entspricht der seit Reg. 369 von Bertolf verwendeten Gestalt, bei welcher der Fuß des mittleren Schaftes auf dem als Basis dienenden 0 aufsetzt und dieses nicht schneidet, vgl. KOCH, Schrift der Reichskanzlei S. 45. Als Diktatvorlage für den Vogteipassus diente DKo.III. 56 von 1141, womit der Terminus post quem für die Fälschung gegeben ist, vgl. NIERMEYER, a.a.O. S. 57f., und HAUSMANN, DKo.III. 56, Vorbemerkung. Die VUU. DDH.IV. 470 a und b sind entgegen ihrer Vorbemerkung wohl authentisch, vgl. G. DESPY, Étude critique sur un diplôme de l'empereur Henri IV pour l'abbaye d'Andenne (1er juin 1101), in: Le Moyen Age 56 (1950) S. 221-245, G. DESPY, Note complémentaire sur le diplôme de l'empereur Henri IV pour l'abbaye d'Andenne du 1er juin 1101, in: Le Moyen Age 60 (1954) S. 39-50, STIENNON, Étude S. 45-47. Zur unechten VU. V vgl. STIENNON, Étude S. 124f. Die Fälschung des Lothardiploms ist von einer durch die Fälschung der Urkunde Abt Stephans II. von angeblich 1103 (Druck bei NIERMEYER, Onderzoekingen S. 204 Nr. 3) in St. Jakob abermals bezeugten Hand nach 1141 und wohl vor 1160 unter Benutzung eines von Ekkehard A mundierten echten Diploms angefertigt worden, vgl. STIENNON, Étude S. 53f., 81, 128f. Gegen NIERMEYER, Onderzoekingen S. 59f., der statt dessen eine verlorene Lütticher Bischofsurkunde und die Benutzung einer dem Reg. 473 zu Grunde liegenden Lotharurkunde postuliert, vgl. die Gegenargumente bei STIENNON, Étude S. 129, und PETKE, Lothar S. 177f. Das Lothardiplom war zumindest im Eschatokoll von Ekkehard A geschrieben. Von diesem Diplom dürfte der Fälscher auch Lothars Kaisersiegel genommen haben, das nach der teilweisen Abzeichnung der Legende im Textzeugen Bf. 13r (alt S. 23) auf die heute vorliegende Urkunde aufgedrückt war. Daß von ihm heute nur noch ein Viertel des Siegelpfropfens erhalten ist, paßt zur Annahme eines Siegelmißbrauchs, da die bei Wiederanbringung des Siegels verkittete Fuge in der Regel weniger haltbar ist als die Verbindung von Siegel und Widerlager bei intakten Siegeln. Zweck der Fälschung dürfte die Beschaffung eines Rechtstitels für den Anspruch des Klosters auf zwei Drittel des Zehnten von Bassenge gewesen sein, vgl. STIENNON, a.a.O. S. 127. Zur Zehntteilung zwischen Priester und klösterlichem Eigenkirchenherrn vgl. G. CONSTABLE, Monastic Tithes. From their Origins to the Twelfth Century, London 1964 S. 101f. Der Anspruch der Eigenkirchenherren und späteren Patrone auf zwei Drittel des Zehnten ihrer Kirche bedarf der näheren Untersuchung. Der Vogteipassus ist eine nahezu wörtliche Übernahme aus DKo.III. 56. Zu ähnlichen Vogteibestimmungen vgl. Reg. 273 und 498 für Stablo. Als Bestandteile des echten Lothardiploms haben Ort und Zeit der Handlung und Beurkundung, die Zeugen und Lothars Bestätigung der Übergabe der halben Kirche und der Hälfte des Besitzes in Bassenge durch Widukind von Schwalenberg an St. Jakob zu gelten. Denn am 29. November 1137 hat Innozenz II. der Abtei eine Hälfte von Bassenge (medietatem terre uille de Bachenges cum appendiciis suis et iure, quod in ecclesia ipsius loci habetis) bestätigt, s. J. RAMACKERS, Papsturkunden in den Niederlanden II (AbhhGesWiss.Göttingen 3. Folge Nr. 9) 1934 S. 126 Nr. 31, das Eschatokoll in J. RAMACKERS, Papsturkunden in Frankreich NF 4. Picardie (AbhhAkad.Göttingen 3. Folge Nr. 27) 1942 S. 526 Nr. 2. Die Übergabe der anderen Hälfte von Bassenge durch den Edelfreien Arnulf von Nuth an St. Jakob hat Konrad III. durch das DKo.III. 56 bestätigt. Ungesichert, da in fast wörtlicher Übereinstimmung auch in der unechten VU. V erwähnt, ist die Übergabe des widukindschen Gutes durch den Vogt Arnold von Loon. - Bei der Burg Schwalenberg handelt es sich um die nordöstl. Marienmünster gelegene Burgstelle (später Amtssitz) Oldenburg, so später zur Unterscheidung von der im ersten Drittel des 13. Jahrhunderts über der heutigen Stadt Schwalenberg errichteten Burg bezeichnet, vgl. F. FORWICK, Die staatsrechtliche Stellung der ehemaligen Grafen von Schwalenberg, 1963 S. 5, 11, 71, AUGUST WILHELM PETER, Lippe. Eine Heimat- und Landeskunde. Mit Beiträgen von H.F. GORKI u. W. SÜVERN, Detmold 1970 S. 162, 314, 384. Zu den Grafen von Schwalenberg vgl. Reg. 491. Zu den Zeugen, insbesondere zu Pfalzgraf Otto - wohl Otto von Rheineck - und dem Hildesheimer Vicedominus Bernhard, vgl. PETKE, Lothar S. 178ff. - Ein Hellin de Ville wird 1195 als Lütticher Ministeriale genannt, vgl. J.-L. KUPPER, Liège et l'Église Impériale XIe -XIIe siècles (Bibliothèque de la Faculté de Philosophie et Lettres de l'Université de Liège Fasc. CCXXVIII) Paris 1981 S. 229f. Zur Identität der beiden Bürgen, die Edelfreie waren, vgl. PETKE, Lothar S. 178.

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Empfohlene Zitierweise

RI IV,1,1 n. †386, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1134-01-06_2_0_4_1_1_386_F386
(Abgerufen am 17.10.2017).