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RI IV Lothar III. und ältere Staufer (1125-1197) - RI IV,1,1

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Lothar, eingedenk der dem Kloster Fulda durch die Unwissenheit und die Nachlässigkeit seiner Prälaten widerfahrenen Schwächung seiner früheren Macht, erhebt auf Betreiben seiner Gemahlin Richenza nach Rat der Fürsten und im Einklang mit der Wahl der Mönche den frommen und der Verwaltung kundigen Berthou zum Abt (instinctu consortis nostrę Richinzę imperatricis communicato principum nostrorum consilio, concordante non minus electione fratrum suorum Berthovm, religionis amatorem et secularis administrationem gnarum, prefatę ęcclesię prefecimus), verbietet auf dessen Bitte, daß die den Propsteien gehörenden Güter, welche derzeit dem Unterhalt der Mönche dienen oder welche ihnen künftig vom Abt aus einem vakanten Lehen oder aus eigenen Mitteln oder durch Stiftung von Gläubigen übertragen würden, zu Lehen ausgetan werden (res prepositurarum, quę in presenti monasticę professioni servierint seu postmodum per manus abbatis de beneficio vacante vel ex suis reditibus vel ex oblatione fidelium oblatę fuerint, ... nec ... potestatem habeat eas mittendi in beneficium), und bedroht einen Lehensnehmer mit einer Bannbuße von 50 Pfund zugunsten der königlichen Kammer. - Rekognition fehlt; verfaßt von Ekkehard A = Bertolf; mundiert von dessen Schüler Ekkehard B. SI. 3. Cum memorię occurit.

Überlieferung/Literatur

Or.: Hessisches Staatsarchiv Marburg, R Ia Fulda, 1133 März 15 (September 15?) (A). Kop.: Ebenda, Hs K 425, Fuldaer Kopiar I, Codex

Eberhardi, Mitte 12. Jh., Bd. 1 S. 260-261 (f. 130v-131r) (B). Drucke: J.F. Schannat, Fuldischer Lehn-Hof, sive de clientela Fuldensi beneficiaria, Francofurti ad Moenum 1726 S. 195 Nr. 3. E.F.J. Dronke, Codex diplomaticus Fuldensis, 1850 S. 385 Nr. 788. DLo.III. 53. Reg.: Stumpf 3285

Kommentar

Die durch das Diplom beurkundete Erhebung Berthous zum Abt von Fulda fand in Rom vor der Kaiserkrönung statt, vgl. Reg. 341 und 345. Die Mundierung der Urkunde erfolgte wegen Lothars Kaisertitel in Intitulatio und Signumzeile nach der Krönung. Auf eine Ausfertigung in Deutschland und des näheren in Mainz weisen die Verwendung nördlichen Pergaments (vgl. HIRSCH/OTTENTHAL, DLo.III. 53, Vorbemerkung) und die wechselseitige Beeinflussung der Notare Ekkehard A und Ekkehard B, die in vorliegendem Diplom und der Urkunde Reg. 369 zu beobachten ist: Ekkehard B, dessen Tätigkeit nur durch unser Diplom und durch Reg. 416 bezeugt ist, hielt sich außergewöhnlich eng an das Vorbild Bertolfs, vgl. KOCH, Schrift der Reichskanzlei S. 53f., PETKE, Lothar S. 68f. Zugleich hat er seinerseits Bertolf offensichtlich beeinflußt- vgl. KOCH, a.a.O. -, und zwar besonders bei der Mundierung von Reg. 369. Eigentümlichkeiten des Ekkehard B sind - in der Elongata - die Verwendung des-us-Hakens, von daruntergesetztem kleinen a und von der geringfügig verstärkten Initiale I. Bertolf gebraucht während seiner gesamten Kanzleitätigkeit den us-Haken in der Elongata erstmals in Reg. 384 (Lottharius) und später in Reg. 391, 404, 455, 458. Daruntergesetztes kleines a hat er erstmals in Reg. 369 (clementia) und später in Reg. 391 und in Reg. 478. Die verstärkte I-Initiale wendet Bertolf nur ein einziges Mal, und zwar wiederum in Reg. 369, an. Bertolfs durch Reg. 361 erstmals bezeugtes Kaisermonogramm hat Ekkehard B nachgebildet; jedoch läßt Ekkehard B den Mittelschaft das an dessen Fuß liegende O nicht schneiden, vgl. die zuverlässige Abbildung bei SCHANNAT, a.a.O. S. 196, was wiederum auch bei Bertolf ab Reg. 369 ständig der Fall ist. Es ist daher anzunehmen, daß Bertolf das Diplom Reg. 369 unter dem Eindruck der Schreibkunst seines Schülers Ekkehard B mundiert hat. Das vorliegende Diplom, das theoretisch auch schon in Würzburg (vgl. Reg. 364) gegeben worden sein kann (vgl. HIRSCH/OTTENTHAL, DLo.III. 53, Vorbemerkung), dürfte damit am wahrscheinlichsten während des Mainzer Hoftages geschrieben worden sein. Abt Berthou ist durch369 als Besucher dieses Tages bezeugt. Die Angabe Eberhards von Fulda S. 261 (f. 131r) Ego Eggehardus vice Adalberti archicancellarii et archiepiscopi Moguntini recognovi. Data idus martii indictione XI. ist eine eigenmächtige Zutat und verdient keinen Glauben, wie auch das von Eberhard ebenda gebotene Monogramm mit jenem des Originals nicht übereinstimmt. Die von Eberhard hinzugefügte Rekognition dürfte aus einem auch für Reg. 229 benutzten Deperditum stammen, vgl. HIRSCH/ OTTENTHAL, DLo.III. 53, Vorbemerkung, Reg. 229 und Reg. 371. - Über Berthou, der bereits am 22. Juli 1134 starb, vgl. H.-P. WEHLT, Reichsabtei und König, 1970 S. 300f., M. SANDMANN, Die Folge der Äbte, in: KARL SCHMID (Hg.), Die Klostergemeinschaft von Fulda im früheren Mittelalter 1 (Münstersche Mittelalter-Schriften 8, 1) 1978 S. 201f. Nr. 33. - Vorliegendes Diplom sollte offensichtlich die Stellung des am Hofe erhobenen Abtes gegenüber dem Konvent stärken und den Güterbesitz des Klosters und seiner Propsteien vor der fuldischen Lehnsmannschaft und wahrscheinlich insbesondere der Ministerialität schützen. Als fuldische Propsteien verzeichnet der Codex Eberhardi die bei Fulda gelegenen Zellen Bischofsberg (= Frauenberg), Johannisberg, Petersberg, Neuenberg und Michaelsberg sowie Holzkirchen westl. Würzburg und Solnhofen westl. Eichstätt, s. E.F.J. DRONKE, Traditiones et Antiquitates Fuldenses, 1844 S. 59-62 Nr. 23-30, vgl. O.K. ROLLER, Eberhard von Fulda und seine Urkundenkopien, in: ZVHessG NF 13, Suppl., Kassel 1901 Beilage I, 5 S. 24f., T. WERNER-HASSELBACH, Die älteren Güterverzeichnisse der Reichsabtei Fulda (Marburger Studien zur älteren deutschen Geschichte II, 7) 1942 S. 95-102.

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Empfohlene Zitierweise

RI IV,1,1 n. 370, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1133-10-23_2_0_4_1_1_370_D370
(Abgerufen am 21.09.2017).